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Jugendsünde Hard-Rock-Cafe-Shirt: Braune Schrift auf gelbem Grund

Foto: Jens Kalaene/ picture alliance / dpa

Lexikon der Jugendsünden Halbwüchsige in peinlichem Kosmopoliten-Outfit

Diese Cafés sind was für Poser, nicht für Rocker: Schließlich kauften junge Gäste dort bedruckte Hemdchen vor allem, um damit in der Schule anzugeben. Lisa Seelig und Elena Senft zeigen das Alphabet der Jugendsünden, diesmal: H wie Hard-Rock-Cafe-T-Shirts.

Die Restaurant-Kette brachte es in den achtziger und neunziger Jahren zu enormem Erfolg. Das Logo des Cafés zeigte den braunen Schriftzug "Hard Rock Cafe" auf einem senfgelben Kreis. Eigentlich also sehr ungewöhnliche Farben, um bei Jugendlichen zu dieser Zeit irgendetwas zu reißen. Trotzdem war ein Besuch des Hard Rock Cafes, in dem man zwischen von Musikern zur Verfügung gestellten Exponaten saß und Burger, Steaks oder Caesar Salad essen konnte, ein absoluter Höhepunkt.

Bei der Klassenfahrt nach Berlin wurde noch vor dem Brandenburger Tor umgehend das Hard Rock Cafe aufgesucht. Dabei ging es nicht ums Essen oder die krampfhaft zur Schau gestellte "American Way of Life"-Atmosphäre, sondern einzig und allein um die im angeschlossenen Souvenirshop zu erwerbenden weißen T-Shirts, auf denen das Hard- Rock-Cafe-Logo und der Name der dazugehörigen Stadt prangten. Viele gingen einfach schnurstracks in den Souvenirshop und ließen die ohnehin überteuerten Steaks und Burger aus.

Das Hard-Rock-Cafe-Shirt war ein Indikator dafür, wer es auf der Welt schon wohin geschafft hatte und dabei vor allem: Wer schon mal mit den Eltern in Amerika war, denn bereits eine Reise "in die Staaten" unternommen zu haben galt als große Auszeichnung. Diejenigen, die nach den großen Ferien in einem Hard-Rock-Cafe-Shirt mit dem Hinweis "San Francisco" in der Schule einliefen, wurden neidisch beäugt.

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Peinlichkeiten von früher: Das Lexikon der Jugendsünden

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Allerdings war es unsinnigerweise möglich, in jeder Stadt zumindest gefälschte T-Shirts mit jedem beliebigen Stadtaufdruck zu kaufen - und einigen war es nicht zu blöd, in München ein T-Shirt mit der Aufschrift "Tokio" zu kaufen. Aufgrund dieser Verwässerung wurde es für die weitgereisten Kosmopoliten zunehmend schwer, anzugeben.

Die engagiertesten Hard-Rock-Cafe-Shirtsammler entwickelten sich irgendwann zu einer anachronistischen Gruppe, die vor lauter Sammelwut nicht erkannt hatte, dass die T-Shirts nicht mehr in Mode waren und die - um das Spiel ins Absurde ausarten zu lassen - irgendwann auch im Hard-Rock-Cafe-Shirt mit dem Städtezusatz "Entenhausen" herumliefen.

Diese Leute schwenkten dann später übrigens auch auf andere "witzige" Tourismus-T-Shirts um und waren nicht selten mit XXXL-T-Shirts anzutreffen, auf denen "My brother went to London and all I got was this lousy T-shirt" stand. Heute sind diese Leute an ihrem "Ich bin über 30, bitte helfen Sie mir über die Straße"-Shirt zu erkennen.

Das SPIEGEL-ONLINE-Taschenbuch "Wir waren jung und brauchten das Gel" ist beim Fischer Verlag erschienen.

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