Lexikon der Jugendsünden Kleine Folter unter Freunden

Zu den beliebtesten Foltermethoden in den Neunzigern gehörten: Pferdekuss, Fingerkloppe und Folter-Mau-Mau. Der Grund für die grenzwertige Quälerei? Der Diebstahl eines Tintenkillers genügte. Elena Senft und Lisa Seelig sammelten Jugendsünden wie diese. Diesmal: Q wie Quälen.

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Das damalige Hobby "Quälen" hatte wenig mit dem heute gefürchteten sogenannten Bullying zu tun: Man quälte in der Regel in gegenseitigem Einverständnis innerhalb des eigenen Freundeskreises. Gewalt war für Jungs eine ihrer liebsten Freizeitbeschäftigungen. Es ging in erster Linie nicht darum, unliebsame Nerds oder Streber fertigzumachen (nur in zweiter), sondern seine sadistische Seite ein bisschen ausleben zu können.

Man setzte sich zum Beispiel auf den Oberkörper eines ergeben am Boden liegenden Kumpels, um die Innenseite seiner Oberarme mit den Knien zu massieren, oder man "niggerte". Unter einem "Nigger", damals noch durch aus im alltäglichen Sprachgebrauch verankert, verstand man schmerzhafte Knuffs auf die Oberarme. Hier galt es, die richtige Technik anzuwenden, um die Demütigung zu vermeiden, sich versehentlich am knochigen Gerüst des zu Quälenden die Mittelhand zu brechen.

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Peinlichkeiten von früher: Das Lexikon der Jugendsünden
Ein "Pferdekuss" wiederum bestand aus einem beherzten Tritt gegen die Außenseite des Oberschenkels. Oder man stopfte seinem Opfer einen Socken in den Mund, der davor in einem Reebok "Pump" ein wenig Feuchtigkeit gezogen hatte und daher formbarer war. Oder man machte die "Brennnessel", indem man den Oberarm seines Opfers mit beiden Händen umschloss und die Haut jeweils in entgegengesetzte Richtungen schob, den Arm sozusagen auswrang.

Beliebt auch: Auf den am Boden liegenden Gegner setzen und einen hauchdünnen Spuckefaden immer länger werden lassen, um den Faden dann wie ein Chamäleon seine Zunge im letzten Moment blitzschnell mit einem triefenden Geräusch wieder einzuziehen. Das gelang leider nicht immer.

Wer heute rückblickend erklären soll, was ihn zu diesen aus heutiger Sicht durchaus subversiven Beschäftigungen trieb, murmelt etwas in der Richtung von "der hatte mich halt geärgert". Den Tintenkiller aus dem Federmäppchen entwendet zu bekommen genügte für eine gepflegte kleine Gewaltorgie.

Beliebt war außerdem "Fingerkloppe", auch "Folter-Mau-Mau" genannt: Wer das Kartenspiel verlor, bekam nach einem feststehenden Katalog Schmerzen zugefügt: Fingerknöchel planierten den Verlierer-Handrücken, es wurde gekniffen, gebohrt, gepiekst. Leidenschaftliche Fingerkloppe-Spieler erkannte man an ihren rot- und wundgeschundenen Händen.

Eine andere beliebte Tätigkeit, die durchaus im Bereich "Quälen" angesiedelt werden kann: Jungs liebten es, in leere Gefäße zu pinkeln (Jägermeister-Fläschchen, Biergläser) und ihren Urin einem ihrer Kumpels anzudrehen. Jedes Mal wieder ein herrlicher Spaß, wenn der Urin in Form eines imposanten Kotzestrahls wieder freigesetzt wurde.

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insgesamt 17 Beiträge
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tomex030 10.10.2011
1. Foltermethoden in den Neunzigern?
Pferdekuss, Fingerkloppe und Folter-Mau-Mau gehörten schon zu meiner Kinder/Jgendzeit in den 70'gern zum bevorzugten Repertoire einiger kleinen sadistisch veranlagten Zeitgenossen. Der Pferfdekuss wurde vorwiegend mit dem Knie ausgeteilt, beim Folter-Mau-Mau beherzt mit den Karten auf die nach oben gerichteten Fingerspitzen gekloppt und ich meine mich auch an Typen zu erinnern, die da unvermittelt den [in diesem Fall ausschließlich männlichen leidtragenden] an die Bruswarzen griffen um diese mitsamt dem umgebenden gewebe mindestens um 180° zu drehen.
s.t.b. 10.10.2011
2. jaja
Bin 77er Jahrgang und erkenne einige "Foltermethoden" wieder. Wir durften zum Beispiel in den 5 Minuten Pausen den Raum nicht verlassen, die Pause war nur zum Raumwechsel oder Lüften. Also zack ne Runde Fingerkloppe, oder an nen Klassenkameraden rangeschlichen und zum Pferdekuss ausgeholt. Kam der Lehrer zum Unterricht durfte man nicht selten die Runde Fingerkloppe noch zu Ende spielen, heute unvorstellbar. Dafür gabs aber keine Gewaltorgien, wenn sich mal geprügelt wurde gabs da meist einen Grund für und mehr als ne dicke Lippe, blutige Nase oder nen Matschauge kam nicht bei rum. Vielleicht war es gar nicht so verkehrt das man seine überschüssige Energie bei den kleinen Schweinereien loswerden konnte, ich war auch fast jeden Sommer im Zeltlager, war hier und da auch etwas ruppig aber ich erinner mich gern daran. Auch wenn gleich einige wieder aufschreien, aber junge Bengels sind halt so, solange es nicht ausartet ist es doch ok. Einer meiner besten Freunde hatte 2 ältere Brüder, den konnte man durch Fingerkloppe und co nicht mehr beeindrucken.
rennix, 10.10.2011
3. no title
das war schon brutal, was damals so auf dem Schulhof oder in der Umkleide der Turnhalle stattfand. Sollte man auch nicht im Rückblick unnötig verklären und mit dabei mit dem Finger auf die heutige Generation zeigen. Zwischen 5. und 7. Schuljahr war ich durchgängig mit blauen Flecken übersät. Wirklich fantastisch. Mein Grausen vor dem Matheunterricht hatte übrigens durchaus auch physische Gründe. Dann wurden nämlich Geodreiecke und Zirkel ausgepackt...
dosmundos, 10.10.2011
4. Seltsam...
Irgendwie muss ich in einer Parallelwelt aufgewachsen sein. Diese "Foltermethoden" sagen mir alle nichts. Zumindest nicht als absichtlich zugefügte Schmerzen. Allerdings wäre ich auch allein von der Statur her durchaus in der Lage gewesen, jedem die Nase zu brechen, der gemeint hätte, mir gegen den Oberschenkel treten zu müssen, und es hat daher einfach nie jemand versucht. Und ältere Brüder habe ich auch nicht...
eigene_meinung 10.10.2011
5. absolut pervers
Für so etwas fehlt mir jedes Verständnis. Wieso werden Berichte über solche Gewalttaten gegen Schwächere von SPON veröffentlicht, und das auch noch fast mit positiver Wertung? Leider gibt es derartige Verbrecher auch heutzutage unter Schülern, und die Lehrer tun nichts dagegen.
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