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Jugendsünde Atemerfrischer: Spray, Pastillen, Mundwasser

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Lexikon der Jugendsünden Mundhöhlen-Spray für Zungenverschränker

Kein Kuss ohne feurig-minzigen Halserfrischer: In den Neunzigern schürte die Werbewirtschaft erfolgreich die Angst vor Körpergerüchen bei Teenagern. Die Jugend sprühte, was die Drogerieregale hergaben. Lisa Seelig und Elena Senft sammeln solche Jugendsünden. Diesmal: O wie Odol-Spray.

Eine Reihe erster Küsse dürfte in den späten achtziger und neunziger Jahren vor allem durch den scharf brennenden Pfefferminzgeschmack von Odol-Mundspray in lebhafter Erinnerung geblieben sein. Denn es kam vor, dass ein aufgeregtes Paar, im Begriff sich zu küssen, voreinander stand und einer der Kusspartner sich unmittelbar vor der Annäherung der Lippen dezent zur Seite drehte, um im Schatten der hohlen Hand ein Odol-Spray anzusetzen. Erst dann konnte er sich endgültig auf den vorsichtigen, verschämten Kuss konzentrieren.

Eine kleine, perfekt in die Hosentasche passende blaue Sprühdose, die mit dem Slogan "Atemfrisch mit jedem Zisch" warb, sprühte die Angst des ob eigener Körpergerüche ohnehin irritierten und daher oft sauberkeitsfanatischen Teenagers hinweg, noch nach den "Ringlis" oder Zwiebelringen der letzten Pause zu riechen.

Kein Wunder, dass die Angst vor schlechtem Atem in dieser Zeit so groß war: Keine Epoche war, was Werbespots angeht, so gekennzeichnet von Hinweisen auf Atemfrische beziehungsweise deren Nicht-Vorhandensein. In der Odol-Werbung etwa sah man ein Paar, das morgens in blütenweißer Bettwäsche aufwacht und sich panisch die Hände vor den Mund presst, um ja keinen Hauch des über Nacht schal gewordenen Atems an die Nase des anderen dringen zu lassen, bevor man sich nicht mit einer gehörigen Dosis Odol aus der charakteristischen schweren Schnabelflasche aus Porzellan versorgt hatte.

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Peinlichkeiten von früher: Das Lexikon der Jugendsünden

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Anschaulich auch die Werbung mit zwei jungen Tennishäschen: Eines der Mädchen zieht sich kurz vor der Tennisstunde mit dem Jason-Donovan-artigen Trainer, in den es sich offensichtlich verknallt hat, einen imposanten griechischen Salat rein; die gemeine Freundin versucht es mit dem Hinweis auf die hoffentlich vorhandene "Knoblauchfestigkeit" von Jason Donovan zu verunsichern und wirft einen vielsagend-kecken Blick auf den von Zwiebelringen gekrönten Salatberg der Freundin.

Die jedoch lässt sich die Laune nicht vermiesen und bringt ihren Atem mit einem grünen Wrigley's "Doublemint" ("für natürlich frischen Atem") wieder auf Vordermann. Nicht zu vergessen die Werbung, in der eine Stewardess - damals eine gern gewählte Berufsgruppe, um einen stressigen Job, bei dem man viel unterwegs ist, zu illustrieren - erzählt, wie sie es trotz der stundenlangen Fliegerei hinbekommt, jedem Gast mit frischem Atem zu begegnen. Die Lösung heißt Tic Tac. Gebetsmühlenartig wurde "mit nur zwei Kalorien" angegeben, die den Atem exakt zwei Stunden frisch halten sollten. Nicht zu vergessen "Mentos - The Freshmaker!"

Den absoluten Coup landete in dieser Zeit aber schließlich Theramed, das mit "Theramed Liquid" auf den 2-in-1-Trend aufsprang und eine flüssige Zahnpasta erfand, die zugleich auch als Mundwasser fungierte. Neben der übertriebenen Fixierung auf schlechten Atem wies die Werbung damals übrigens auch einen kleinen Analfetisch auf. Nie wieder wurde feuchtes Toilettenpapier ("Hakle Feucht") derart raumgreifend beworben.

Das SPIEGEL-ONLINE-Taschenbuch "Wir waren jung und brauchten das Geld" ist beim Fischer Verlag erschienen.

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