Lexikon der Jugendsünden Unterirdisch feiern im Hobbyraum

Die düstere Kammer war eine Art Vorhölle: kahl, übel riechend, holzvertäfelt. Die jugendlichen Gäste kicherten in der Ecke, träumten vom Klammerblues - aber keiner traute sich zu fragen. Lisa Seelig und Elena Senft sammelten diese und andere Jugendsünden. Diesmal: P wie Partykeller.


Der Ort, an dem, sofern vorhanden, die eigenen Geburtstagspartys stattzufinden hatten. Mit Grauen erinnert man sich an die halbe Stunde vor dem offiziellen Partybeginn (19 Uhr), die sich zäh wie Kaugummi zog und in der man erwartungsfroh und nervös vor mit gefüllten Schüsseln und einem limonade- oder biervollen Kühlschrank auf Gäste wartete; man erinnert sich an das Bunkergefühl, welches im Untergeschoss entstand, und ohnehin vorhandene Beklommenheitsgefühle verstärkte.

Später (21 Uhr) drückte sich die mittlerweile vollzählige Gästeschar verklemmt an den grauen Betonwänden herum, während ein "Ronny's Pop Show"-Sampler lief. Wenig später ging man zum Klammerblues über, und Ronny wurde durch die Bangles mit "Eternal Flame" oder "Take My Breath Away" von Berlin ersetzt. Oder natürlich durch "Reality" von Richard Sanderson aus dem Film "La Boum".

Der elterliche Partykeller war eine Art betonverkleidete Vorhölle, kahl, dumpf riechend, gekachelt oder holzvertäfelt, und je nach Feiermodus der Eltern mit dem unterschiedlichsten Zubehör ausgestattet. In manchen Partykellern saß man statt auf Stühlen auf Bierfässern, große Bewunderung löste der an der Wand hängende Underberg-Patronengürtel aus. Beliebte Partykeller-Accessoires waren außerdem ein rustikales Holzrad an der Wand und eine Lichtorgel - vor allem, wenn die Eltern das Haus bereits seit den siebziger Jahren bewohnten.

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Peinlichkeiten von früher: Das Lexikon der Jugendsünden
Ein essentielles Defizit des Partykellers war natürlich seine Souterrain-Lage: Damals dienten Fenster vor allem dazu, sich aus ihnen heraus ins Freie übergeben zu können. Die Souterrain-Lage führte dazu, dass das Erbrochene nicht wie üblich einen weiten Weg nach unten nahm und als verschollen gewertet werden durfte, sondern in den Fensterschächten liegen blieb und das Duftklima im Raum nicht eben verbesserte.

Das SPIEGEL-ONLINE-Taschenbuch "Wir waren jung und brauchten das Gel" ist beim Fischer Verlag erschienen.



insgesamt 7 Beiträge
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cinor, 04.10.2011
1. 80er? 90er? Ja was denn nun?
"Lisa Seelig, 31, verbrachte ihre Jugend in einem bayerischen Kaff, Elena Senft, 31, in Berlin." Die beiden Damen sind also entweder 1978 oder 1979 geboren. Wenn sie nicht schon verdammt früh entwickelt waren, haben sie ihre ersten Feten im elterlichen Partykeller inklusive Alkoholkonsum (wie im Artikel beschrieben) frühestens 1993/1994 feiern dürfen. Ronny's Pop Show lief bis 1988. Eternal Flame ist von 1989, Take My Breath Away von 1986. Weder passen diese 80er-Klischees zur weiteren Beschreibung der Reihe ("Die Geschmacklosigkeiten der neunziger Jahre", wie aus der Autorenvorstellung zu entnehmen) noch zum damals aktuellen, selbstverständlich BRAVO- und chartorientierten Musikgeschmack der Teenager - ich nenne nur NKOTB, Culture Beat, Dr Alban, Haddaway, Bon Jovi, Ace of Base, East 17, Take That. Also, wenn so eine Reihe sein muss, dann doch bitte von Menschen erzählt, die in den 90ern wirklich und nicht nur gefühlt dabei waren.
thelix 04.10.2011
2. ...
Zitat von cinor"Lisa Seelig, 31, verbrachte ihre Jugend in einem bayerischen Kaff, Elena Senft, 31, in Berlin." Die beiden Damen sind also entweder 1978 oder 1979 geboren. Wenn sie nicht schon verdammt früh entwickelt waren, haben sie ihre ersten Feten im elterlichen Partykeller inklusive Alkoholkonsum (wie im Artikel beschrieben) frühestens 1993/1994 feiern dürfen. Ronny's Pop Show lief bis 1988. Eternal Flame ist von 1989, Take My Breath Away von 1986. Weder passen diese 80er-Klischees zur weiteren Beschreibung der Reihe ("Die Geschmacklosigkeiten der neunziger Jahre", wie aus der Autorenvorstellung zu entnehmen) noch zum damals aktuellen, selbstverständlich BRAVO- und chartorientierten Musikgeschmack der Teenager - ich nenne nur NKOTB, Culture Beat, Dr Alban, Haddaway, Bon Jovi, Ace of Base, East 17, Take That. Also, wenn so eine Reihe sein muss, dann doch bitte von Menschen erzählt, die in den 90ern wirklich und nicht nur gefühlt dabei waren.
Lesen Sie sich mal die bisherigen Artikel der beiden Damen durch, die schreiben NUR so einen Müll! ;o) Die beiden werfen ständig muntere 20 Jahre durcheinander, was in den jeweiligen Diskussionsthreads auch stark diskutiert wird. Ich jedenfalls käme mir wirklich verarscht vor, wenn ich Geld für das Buch ausgegeben hätte. Egal, wir sind ja schon beim P angekommen, bald ist es vorbei. Jetzt kommen die schwierigeren Buchstaben... *ggg*
Iggy Rock, 04.10.2011
3. Peinlichkeiten gesucht
Zitat von cinor"Lisa Seelig, 31, verbrachte ihre Jugend in einem bayerischen Kaff, Elena Senft, 31, in Berlin." Die beiden Damen sind also entweder 1978 oder 1979 geboren. Wenn sie nicht schon verdammt früh entwickelt waren, haben sie ihre ersten Feten im elterlichen Partykeller inklusive Alkoholkonsum (wie im Artikel beschrieben) frühestens 1993/1994 feiern dürfen. Ronny's Pop Show lief bis 1988. Eternal Flame ist von 1989, Take My Breath Away von 1986. Weder passen diese 80er-Klischees zur weiteren Beschreibung der Reihe ("Die Geschmacklosigkeiten der neunziger Jahre", wie aus der Autorenvorstellung zu entnehmen) noch zum damals aktuellen, selbstverständlich BRAVO- und chartorientierten Musikgeschmack der Teenager - ich nenne nur NKOTB, Culture Beat, Dr Alban, Haddaway, Bon Jovi, Ace of Base, East 17, Take That. Also, wenn so eine Reihe sein muss, dann doch bitte von Menschen erzählt, die in den 90ern wirklich und nicht nur gefühlt dabei waren.
Vielleicht sind sie auch 1980 geboren. Gehört wurde im Partykeller zu der Zeit Anfang der 90er Guns'n'Roses, Michael Jackson oder gar Nirvana, Ende der 80er eher EAV, abgesehen von dem Techno-Dance Krempel. Der Alkohol wurde über 12 und unter 15-16 Jahren nicht selten mit den Eltern des Partyveranstalters an der Hausbar kontrolliert konsumiert. Ab 16 liefen die Partys nicht mehr im dunklen Keller, dort wurde allenfalls noch TV zum ausnüchtern geschaut. Ich habe nie jemanden gesehen, der sich aus einem Kellerfenster übegeben hat, das fand Stilecht eher von Balkonen oder in Plastikmülleimer statt. Underberg trank auch niemand mehr. Was lernt man daraus? Jugendsünden kann man auch erfinden und wenn ich mir anschaue, welche komischen Modeerscheinungen unter Erwachsenen heute Alltag sind, ist mir davon überhaupt nichts peinlich. Partykeller sind im übrigen ein Relikt der 70er Jahre, wo für Erwachsene eine Hausbar im Keller zum guten Ton gehörte. Blues wurde dort von Jugendlichen eher in den 70er bis allenfalls mitte der 80er Jahre gehört, die Generation der beiden Autorinnen wusste doch gar nicht mehr was das ist, geschweige denn, zu welchem Zweck die Keller einst diese Einrichtung bekamen.
snickerman 04.10.2011
4. Quaak
Da reden wohl Fröschlein, die nicht in den Sumpf eingeladen worden waren? Ich selber bin ja ein Dutzend Jahre früher drangewesen, bei uns lief "Smoke on the water" und außer einem wurde keinem schlecht. Okay, ich war nicht gerade der Beliebsteste und wurde auch nicht so oft eingeladen, habe aber trotzdem viele schöne Erinnerungen. Warum müssen manche Leute eigentlich alles mit Gewalt schlecht schreiben- wobei sie noch schlecht schreiben?
cinor, 04.10.2011
5. So gehts aber nicht.
Zitat von Iggy RockVielleicht sind sie auch 1980 geboren. Gehört wurde im Partykeller zu der Zeit Anfang der 90er Guns'n'Roses, Michael Jackson oder gar Nirvana, Ende der 80er eher EAV, abgesehen von dem Techno-Dance Krempel. Der Alkohol wurde über 12 und unter 15-16 Jahren nicht selten mit den Eltern des Partyveranstalters an der Hausbar kontrolliert konsumiert. Ab 16 liefen die Partys nicht mehr im dunklen Keller, dort wurde allenfalls noch TV zum ausnüchtern geschaut. Ich habe nie jemanden gesehen, der sich aus einem Kellerfenster übegeben hat, das fand Stilecht eher von Balkonen oder in Plastikmülleimer statt. Underberg trank auch niemand mehr. Was lernt man daraus? Jugendsünden kann man auch erfinden und wenn ich mir anschaue, welche komischen Modeerscheinungen unter Erwachsenen heute Alltag sind, ist mir davon überhaupt nichts peinlich. Partykeller sind im übrigen ein Relikt der 70er Jahre, wo für Erwachsene eine Hausbar im Keller zum guten Ton gehörte. Blues wurde dort von Jugendlichen eher in den 70er bis allenfalls mitte der 80er Jahre gehört, die Generation der beiden Autorinnen wusste doch gar nicht mehr was das ist, geschweige denn, zu welchem Zweck die Keller einst diese Einrichtung bekamen.
Ups, gedanklich war ich wohl noch im Jahr 2010^^ Korrekt, inklusive dem Kram, den ich im anderen Post schon erwähnt hab. Ich gehöre nämlich zu genau dieser Generation und wundere mich sehr, wie gleichaltrige Autorinnen die Jugend meines 10 Jahre älteren Onkels als die eigene beschreiben. Und wie thelix schon sagte: Ich käme mir ebenfalls verarscht vor, hätte ich Geld für das Buch ausgegeben. Was für ein Schund.
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