Lohnkürzungen Griechisches Weinen im Lehrerzimmer

Vor der Krise galten griechische Lehrer als Profiteure des Systems, nun leiden sie unter den Sparmaßnahmen. Den öffentlichen Dienst an einer Schule steuern noch immer viele Studenten als sicheren Hafen an - doch mit den neuen Einstiegsgehältern kommt man nur schwer über die Runden.
Lehrer-Demo in Athen: "Was kann ich persönlich dafür?"

Lehrer-Demo in Athen: "Was kann ich persönlich dafür?"

Foto: Orestis Panagiotou/ dpa

Wenig Arbeit, hohe Gehälter und viele Privilegien - das verbanden viele Griechen bisher mit den Angestellten des öffentlichen Dienstes. Auch Lehrer galten als Profiteure der jahrzehntelangen Klientelpolitik, die den Haushalt des Landes so ramponiert hat. Doch nun hat sich der Spieß umgedreht: Griechenland steht kurz vor der Staatspleite - und die Lehrer trifft die Schuldenkrise härter als viele andere.

Konstantina Karpouza, 54, ist stellvertretende Direktorin an einer Schule für 13- bis 15-jährige Kinder in der Nähe von Thessaloniki. Mit 26 Jahren Berufserfahrung seien Kollegen an ihrer Schule vor der Krise auf 1500 Euro im Monat gekommen. Nach den Kürzungen für das Sparpaket sind es noch 1150 Euro. Mit solchen oder geringeren Einkommen müssen heute viele griechische Lehrer auskommen - frisch eingestellte Kollege und Berufseinsteiger verdienen derzeit nur rund 900 Euro Monatslohn. Und das bei Preisen für Verbrauchsgüter, die mit 1,30 Euro für einen Liter Milch und 1,60 Euro für einen Liter Benzin europäischer Durchschnitt sind.

"Das Weihnachtsgeld ist um etwa die Hälfte gekürzt worden, während die Kosten für Heizung, für das Auto oder die Steuern deutlich gestiegen sind. Und gleichzeitig ist das Einkommen geschrumpft", sagt Karpouza. Wenn das für zwei, drei Jahre so wäre, könnte man damit ja noch umgehen. "Aber das Schlimme ist doch, dass kein Ende absehbar ist. Diese Hoffnungslosigkeit ist ganz bitter."

"Welche Schuld habe ich persönlich?"

Dass ihr eigenes Land eine Mitschuld an den wirtschaftlichen Problemen trifft, bestreiten Griechenlands Lehrer nicht. Sicherlich hätten die Finanzminister falsche Daten an die EU weitergegeben, es gebe Steuerhinterziehung und der Beamtenapparat sei aufgebläht. Das habe die anderen Europäer aber nicht gestört, solange sie den Griechen Konsum- und Rüstungsgüter verkaufen konnten, kontern die aufgebrachten Pädagogen.

"Ich bin empört und wütend, auf unsere Regierung, aber auch auf die Deutschen und die EU", sagt Deutschlehrerin Dimitra Topali. Von einem Taxifahrer musste sie sich bei einem Berlin-Besuch vorhalten lassen, die Griechen würden keine Steuern zahlen. "Ich zahle meine Steuern immer. Mein Mann auch. Warum muss ich mir so was anhören?", fragt sie.

Die Krise ist schon belastend genug, aber pauschal für die gesamte gegenwärtige Euro-Krise verantwortlich gemacht zu werden, erzürnt viele Griechen. Einem Kollegen im Lehrerzimmer platzt darüber fast der Kragen: "Welche Schuld habe ich? Ich ganz persönlich? Das soll mir mal jemand sagen. Schuld haben die Staaten, nicht nur Griechenland, sondern alle europäischen Länder."

Mit der Gewissheit ist es vorbei

Die Folgen von Betrug, Versäumnissen und schlechter Haushaltsführung müssten nun die einfachen Leute ausbaden. Er selbst habe innerhalb eines Jahres einen Einkommensverlust erlitten, der kaum zu verkraften sei, sagt ein Lehrer. Von ehemals 20.000 Euro verfügbarem Jahreseinkommen seien ihm nur noch 12.000 geblieben.

Griechenlands Lehrer, aber auch viele Berufseinsteiger, hatten bisher in der Gewissheit gelebt, dass eine gute Ausbildung sich auszahlt und Zukunftschancen eröffnet. Jetzt ist es damit erst einmal vorbei. "Meine Tochter hat Pädagogik studiert", berichtet Lehrerin Topali. "Früher stand fest, dass sie einmal sichere Arbeit haben würde. Jetzt ist völlig unklar, was sie macht, wenn sie fertig ist."

Von Olaf Jahn, dapd / son
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