Kritik an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig schickt Kind auf Privatschule

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig lässt ihren ältesten Sohn auf eine Privatschule gehen. Kritiker werfen ihr nun mangelndes Vertrauen ins Schulsystem vor.
Ministerpräsidentin Schwesig

Ministerpräsidentin Schwesig

Foto: ODD ANDERSEN/ AFP

Manuela Schwesig sieht sich wegen einer privaten Entscheidung massiv attackiert. Anlass ist der Schulwechsel ihres ältesten Kindes. Der Junge kommt zum neuen Schuljahr in die fünfte Klasse und soll nun auf eine Privatschule gehen. Nach Ansicht der Links-Opposition im Landtag ist dies ein Zeichen für die Mängel und Lücken im staatlichen Schulsystem. Über Jahre hinweg seien die öffentlichen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern kaputtgespart und Schulleitungen ans Gängelband gelegt worden. Die Linksfraktion sprach von einem "fatalen Signal", wie zunächst der NDR berichtete.  

Die Entscheidung der Ministerpräsidentin und ehemaligen Familienministerin drücke mangelndes Vertrauen in das von ihr verantwortete staatliche System aus, sagte Linksfraktionschefin Simone Oldenburg am Dienstag.

Schwesig hatte gegenüber dem NDR den Wechsel damit begründet, dass die Wohnung der Familie in der Nähe der Schule liege. Sie sagte dem Sender zudem, sie schätze die geleistete Arbeit an den Schulen Schwerins, unabhängig davon, ob diese sich in staatlicher oder freier Trägerschaft befänden.

"Bitterer Beigeschmack"

Kritiker werfen Schwesig zudem vor, mit ihrer Entscheidung das von der SPD unterstützte Konzept des "längeren gemeinsamen Lernens" zu umgehen. Es sieht vor, dass Kinder nach der Grundschulzeit mindestens weitere zwei Jahre zusammen lernen, bevor sie auf eine weiterführende Schule wechseln.

Auch die Schulleitungsvereinigung von Mecklenburg-Vorpommern kritisiert Schwesig für den Schritt. Deren Vorsitzende Heike Walter sagte, es stelle sich die Frage, ob die Ministerpräsidentin doch nicht das Vertrauen in die öffentlichen Schulen habe. Schwesigs Entscheidung habe einen "bitteren Beigeschmack", zitiert der NDR Walter.

In Mecklenburg-Vorpommern hat sich der Anteil der Schüler an Privatschulen in den zurückliegenden zehn Jahren auf etwa elf Prozent verdreifacht. Nur in Bayern liegt der Anteil noch höher.

Landesbildungsministerin Birgit Hesse (SPD) sieht in dem Trend keinen Grund zur Besorgnis. Die landesweit 75 Schulen in freier Trägerschaft seien Bestandteil des Schulsystems und eine sinnvolle Ergänzung. Doch räumte sie ein, dass die Schulstruktur in der Landeshauptstadt Schwerin Defizite aufweise. "Darüber werden wir mit dem Oberbürgermeister reden müssen", sagte Hesse.

kha/dpa