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March for Our Lives Waffenlobby ätzt gegen Demonstranten

Hunderttausende Menschen haben in den USA gegen Waffen protestiert. Für die amerikanische Waffenlobby ist klar, die Jugend wurde instrumentalisiert. Sie giftet: "Kämpft für die Sicherheit unserer Kinder, indem ihr der NRA beitretet."

Die amerikanische Waffenlobbyorganisation National Rifle Association  (NRA) hat sich auf Facebook vorab abschätzig über die Demonstrationen gegen Waffengewalt in den USA geäußert. In einem Video kritisiert die Organisation etwa Aussagen von David Hogg , einem der Anführer der Anti-Waffen-Proteste. Nur Stunden vorher setzte die Organisation zu einem Rundumschlag an: "Die heutigen Proteste sind nicht spontan", heißt es in einem Posting , "Schusswaffen hassende Milliardäre und Hollywood-Eliten manipulieren und instrumentalisieren Kinder als Teil ihres Plans, den zweiten Verfassungszusatz zu ZERSTÖREN und uns unseres Rechtes zu berauben, uns und unsere Lieben zu schützen."

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Es sind vor allem Bilder von jungen Demonstranten, die in diesen Tagen um die Welt gehen. Es sind Schüler, die sich nicht mehr mit Amokläufen an ihren Schulen abfinden möchten und die sich mehr Sicherheit in ihrem Alltag erhoffen. Demonstrationen und Kundgebungen fanden nicht nur in der Hauptstadt Washington, sondern auch in Chicago, Boston, Philadelphia, Miami, Minneapolis, Houston, Los Angeles oder New York statt. Protestler vor dem Trump-Tower trugen Schilder mit Parolen wie "Wenn unsere Führer sich wie Kinder verhalten, müssen Kinder führen."

Das sehen die Kommentatoren unter dem Facebook-Posting der NRA anders: "Das ist wie in einem schlechten Disney-Film, wo die Kinder und der Hund immer mehr wissen als die Erwachsenen", schreibt eine Nutzerin darunter. "Aber das hier ist die Realität." Andere zweifeln daran, dass Jugendliche überhaupt in so großem Stil Proteste organisieren und finanzieren können. Doch auch einige Kommentare mit Gegenrede sind dort zu lesen: Die Jugendlichen seien keineswegs von Hollywood gesteuert, sondern schlicht von "ihrem Wunsch nach einem Ende der Waffengewalt".

Während das Posting noch vor den Demonstrationen veröffentlicht wurde, schreibt ein anderer Nutzer während der Proteste: "Millionen von Menschen demonstrieren gerade rund um die Welt gegen euch. Nicht bloß ein paar 'Milliardäre und Hollywood-Eliten'. Und fangt gar nicht erst an mit dem Gerede von Manipulation."

Allein in Washington, D.C., sind am Samstag laut den Veranstaltern 800.000 Menschen auf die Straße gegangen - das wäre ein Rekord in der Geschichte der Stadt. Auf der Pennsylvania Avenue zwischen Kapitol und Weißem Haus drängten sich die Protestierenden, Teenager mit Schildern, auf denen "Genug ist genug" stand oder "Nie wieder" oder "Schützt Leben statt Waffen!" Auf der Bühne sprachen Schüler über ihre erschossenen Geschwister, und Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, die Organisatoren der Proteste, erinnerten an die Tragödie an ihrer Schule. Ein 19-Jähriger hatte dort am 14. Februar insgesamt 17 Menschen erschossen.

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Es war eines von vielen Attentaten an US-Schulen in den vergangenen Jahrzehnten und Start einer Protestwelle, die von überlebenden Parkland-Schülern ins Rollen gebracht wurde. Sie wollen Schulen wieder zu einem sicheren Ort machen und fordern eine Reform der Schusswaffengesetze in den USA.

Die National Rifle Association (NRA) hält dagegen: "Stand and Fight for our Kids' Safety by Joining NRA", schreibt sie anlässlich der Proteste auf Facebook, übersetzt etwa "Kämpft für die Sicherheit unserer Kinder, indem ihr der NRA beitretet."

Es ist die alte Diskussion zwischen zwei verhärteten Fronten: Sind Waffen ein wichtiger Schutz zur Verteidigung des eigenen Lebens und Eigentums, der keinem Bürger verwehrt werden darf? Oder sorgt der weit verbreitete Waffenbesitz selbst für Unsicherheit?

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Landesweiter Protest in den USA: Die Wut auf Waffen

Foto: ANDREW CABALLERO-REYNOLDS/ AFP

Längst beschränken sich die Proteste für eine Reform der amerikanischen Waffengesetze nicht mehr auf die USA selbst: Den Organisatoren zufolge waren am Wochenende mehr als 800 Demonstrationen geplant - und zwar weltweit. Auf Twitter machten Solidaritätskundgebungen in Nordirland, auf Mauritius und in Schweden die Runde. Auch in Paris und London sowie in mehreren deutschen Städten gab es Demonstrationen - darunter in München und Berlin.

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