Senegalesische Väter Wie eine Fotografin Männer dazu bringt, ihre Kinder auf dem Rücken zu tragen

Ein ungewöhnliches Bild in Dakar: Ein Vater, der in der Öffentlichkeit sein Kind in einem Tuch trägt. Fotografin Marta Moreiras will sich dafür einsetzen, dass dieser Anblick alltäglich wird.

Marta Moreiras

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Die kleine Ndeye Fatou schläft entspannt auf dem Rücken ihres Vaters, der das Mädchen mit einem schwarz-weiß gemusterten Tuch an sich gebunden hat. Er steht mitten auf einer kleinen Straße in Dakar, lächelt in die Kamera und scheint sich sichtlich wohlzufühlen - dabei ist er das erste Mal in dieser Situation und bricht ein Tabu.

Als Fotografin Marta Moreiras im vergangenen Jahr durch ihr Archiv mit Bildern aus dem Senegal, wo sie selbst lebt und arbeitet, stöberte, fand sie Hunderte Fotos von Frauen mit ihren Kindern auf dem Rücken - aber keines von einem Mann. Sie fragte Freunde, warum das so sei, diese lachten nur und sagten: "Männer tun das nicht." Sie würden ihre Kinder zwar zu Hause im privaten Raum tragen, aber nicht draußen in der Öffentlichkeit.

Niemand konnte ihr genau erklären, warum das so ist - alle sagten nur, dass das eben kein Mann mache, berichtet die Fotografin. Diese vage Antwort brachte Moreiras auf die Idee, das Phänomen zu hinterfragen. "Die senegalesische Gesellschaft basiert auf Geschlechterrollen, die jeder akzeptiert, ohne sie anzuzweifeln", sagt sie. "Aber Gesellschaften verändern sich - und müssen an neue Situationen angepasst werden."

Moreiras suchte nach Männern, die sich von ihr mit ihrem Kind auf dem Rücken porträtieren ließen - in der Öffentlichkeit. Einige von ihnen sind Freunde von Moreiras, andere lernte sie über Bekannte kennen oder sprach sie auf der Straße an. Die Fotos entstanden in verschiedenen Stadtteilen von Dakar, von beliebten und belebten Stadtvierteln bis hin zu Wohngebieten außerhalb der Stadt.

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Die meisten Männer seien erst einmal sehr überrascht gewesen, sagt Moreiras, als sie sie gebeten habe, sich ein Tuch umzuwickeln und ihre Kinder auf dem Rücken zu tragen. Sie meinten, dass man das nicht mache. Doch trotz ihrer Zweifel ließen sich die meisten von der Fotografin überzeugen. "Am Ende sind Väter wie Mütter: Sie sind stolz auf ihre Babys und sie wollen zeigen, wie schön sie sind", sagt sie.

Für manche der Männer war das Tragen der Kinder laut der Fotografin seltsam, weil sie ihr Kind noch nie vorher getragen hatten, die meisten fühlen sich aber sehr gut, weil sie es sonst auch zu Hause machten. Außerdem reagierten Passanten positiv: Frauen waren begeistert und wollten ihre eigenen Männer überzeugen, es den Porträtierten gleichzutun; Väter zeigten sich dazu bereit.

Moreiras glaubt, die Fotos und das positive Feedback hätten etwas an der Einstellung der Männer geändert, sie würden auch in Zukunft ihre Kinder öffentlich tragen wollen. Denn was die Fotografin auch herausfand: Viel mehr als manche glauben, seien Väter in Dakar an der Kinderbetreuung beteiligt - nicht zuletzt, weil das Leben in der Stadt teuer ist und oft beide Elternteile arbeiten müssen.

Die Fotografin hofft, diese Rolle der Männer sichtbar zu machen und zu fördern, damit ein gleichberechtigteres Zusammenleben in Familien zum Normalfall wird. Auch wenn Moreiras bereits viele Väter fotografiert hat, will sie noch viel länger an dem Projekt arbeiten: "Es braucht mindestens so viele Bilder von Männern wie von Frauen, um ein Stereotyp zu zerstören und ein Gleichgewicht entstehen zu lassen."

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