Mathe-Aufgabe in den USA Wie viele Schläge bekommt der Sklave?

Diese Geschichtslektion lief aus dem Ruder: In den USA ließen Lehrer ihre Schüler berechnen, wie viel Prügel Sklaven bekommen und wie viel Baumwolle und Orangen sie ernten. Die Aufgaben seien der Versuch gewesen, ein Kapitel US-Geschichte mit Mathe zu verbinden, erklärte die Schule.
Ex-Sklave und Bürgerrechtler Douglass (1818-1895): Wie viele Schläge bekommt Frederick?

Ex-Sklave und Bürgerrechtler Douglass (1818-1895): Wie viele Schläge bekommt Frederick?

Foto: Anonymous/ AP

Dass Lehrer versuchen, mit kreativen Textaufgaben ihren Unterricht aufzupeppen, ist alltäglich. Doch manchmal greifen sie dabei ordentlich daneben. Derzeit regen sich Eltern im US-Bundesstaat Georgia heftig über Lehrer auf, die ihre Rechenaufgaben mit der Geschichte der Sklaverei in Amerika würzen wollten.

Mehr als hundert Drittklässler einer Grundschule in einem Vorort Atlantas brachten in der vergangenen Woche im Anschluss an eine Sozialkundestunde über den schwarzen Ex-Sklaven und Bürgerrechtler Frederick Douglass (1818-1895) folgende Aufgabe mit nach Hause: "Jeder Baum hat 56 Orangen. Wenn acht Sklaven sie in gleichen Teilen pflücken, wie viele pflückt dann jeder Sklave?" Außerdem fragten die Lehrer auf dem Arbeitsblatt: "Wenn Frederick zwei Mal täglich Prügel bekommt, wie viele Schläge bekommt er dann in einer Woche?" Eine weitere Rechenaufgabe sollte ergeben, wie viele Pfund Baumwolle Sklave Frederick mit sechs vollen Körben einfährt.

"Diese Fragen waren empörend und beleidigend", sagte ein Vater der Zeitung "The Atlanta Journal-Constitution". "Wir wollen nicht, dass noch mehr Kindern solche Fragen gestellt werden." Der Präsident der Nationalen Vereinigung zur Förderung und Unterstützung Farbiger in den USA (NAACP), Ed DuBose, forderte harte Konsequenzen: "Die Verantwortlichen, die das zugelassen haben, sollten gefeuert und nicht nur verwarnt werden", sagte er "CBS News". "Ich weigere mich, zu glauben, dass der oder die verantwortlichen Lehrer nicht wussten, was sie taten."

Schießen die USA illegale Einwanderer ins All?

Glaubt man Sloan Roach, die Sprecherin der Schulbehörde Gwinnett County, wussten die Lehrer tatsächlich, was sie taten und wollten niemanden beleidigen: Es sei der Versuch gewesen, das, was die Schüler in Gemeinschaftskunde durchgenommen haben, mit den Matheaufgaben zu verbinden, sagte Roach der "Atlanta Journal-Constitution". "Ein Lehrer entwickelte die Fragen, ein anderer kopierte sie." Insgesamt seien sie in vier Klassen verwendet worden. Alle Lehrer würden nach wie vor an der Schule unterrichten, der Fall würde nun untersucht und dürfe sich nicht wiederholen.

Für die öffentlichen Schulen in Gwinnett County ist es nicht der erste Vorfall dieser Art: An einer anderen Schule hatten im vergangenen Jahr Drittklässler als Hausaufgabe eine Geschichte mit der Überschrift "What is an Illegal Alien?" gelesen. "Illegal Alien" bezeichnet in den USA illegale Einwanderer, Alien heißt allerdings auch Außerirdischer. Zur Textfrage "Was tun die USA mit 'Illegal Aliens'?" konnten die Schüler zwischen vier Antworten wählen, darunter: "Die USA schießen sie ins All." Und: "Die USA lassen sie hinrichten." Eltern beschwerten sich, von offizieller Seite hieß es danach, das Unterrichtsmaterial sei nicht angemessen gewesen.

Immer wieder kommt es vor, dass Lehrer sich mit zynischen oder makaberen Schulaufgaben Ärger einhandeln. So ließ eine Mathematiklehrerin in Japan ihre Schüler mit ermordeten Kindern rechnen. In Australien trug eine Lehrerin einer zehnten Klasse auf, einen möglichst blutigen Terroranschlag zu planen.

An der Grundschule nahe Atlanta seien inzwischen alle Kopien eingesammelt. Die Sprecherin des Schulbezirks sagte zu der Idee, das düstere Kapitel Sklaverei mit Textaufgaben zu verbinden: "Es waren einfach ziemlich schlechte Fragen."

fln
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.