Mathe-Prüfung 2019 Diese Aufgaben fanden Abiturienten zu schwer

War die schriftliche Abi-Prüfung in Mathe zu kompliziert? Das behaupten Zehntausende Schüler aus mehreren Bundesländern. Hier geht es zu ausgewählten Aufgaben und Lösungen.

Abiturprüfung in Baden-Württemberg (Archivbild)
Felix Kästle / DPA

Abiturprüfung in Baden-Württemberg (Archivbild)

Von


Am Freitag schlug für viele Zehntausende Abiturienten bundesweit die Stunde der Wahrheit: Bei der schriftlichen Prüfung im Fach Mathematik mussten sie zeigen, wie gut sie mit Parabeln, Ebenen im Raum und Binomialverteilungen umgehen konnten.

Auch wenn es nach wie vor kein Zentralabitur in Deutschland gibt, mussten viele Schüler zwischen Rostock und Garmisch-Partenkirchen dieselben Aufgaben lösen. Diese stammten aus einem von mehreren Bundesländern gemeinsam genutzten Aufgabenpool. Und womöglich waren diese deutlich schwerer als bei den Abi-Prüfungen der Vorjahre. Inzwischen haben mehr als 60.000 Menschen eine Onlinepetition unterzeichnet, die eine weniger strenge Bewertung der Aufgaben fordert. Die meisten Unterzeichner dürften Schüler oder Eltern sein.

Doch wie schwer waren die Aufgaben tatsächlich? Der Deutsche Lehrerverband sieht bislang keine Anzeichen dafür, dass die Aufgaben zu kompliziert waren. "Im Internet lässt sich Erregung sehr schnell mobilisieren. Deshalb sollten wir abwarten", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der "Rhein-Neckar-Zeitung".

"Mit der Aufgabe von 2018 vergleichbar"

Niklas Kellner, Gymnasiallehrer aus München, sieht das ganz ähnlich: "Es war keine unlösbare Aufgabe dabei." Offenbar hätten aber die Textlängen einige Schüler verunsichert. "In diesem Jahr wurden weniger Standardaufgaben gestellt, die Schüler mussten dafür etwas mehr knobeln."

Das sei aber auch so gewollt. Es gehe um Verständnis und nicht so sehr darum, die immer gleichen Aufgaben mit auswendig gelernten Schemata zu lösen. "Die Aufgabe aus der Stochastik war bis auf die komplizierteren Formulierungen durchaus mit der Aufgabe von 2018 vergleichbar", meint der Lehrer, der unter dem Namen Mathekellner auch Nachhilfe im Internet und Abi-Crashkurse anbietet.

Kellner kann den Unmut der Schüler in Bayern aber verstehen. Denn zumindest im Vergleich zu 2018 waren die Aufgaben in diesem Jahr dort schwieriger. Im Vorjahr gab es aber auch eine Besonderheit: Nach einem Diebstahl der Prüfungsaufgaben aus einer Schule mussten einige Aufgaben kurzfristig ausgetauscht werden - und die neuen Aufgaben erwiesen sich als vergleichsweise leicht.

Das Bayerische Kultusministerium erklärte auf SPIEGEL-Anfrage, dass es die Hinweise der Schüler "sehr ernst nehme". Man habe eine Anfrage bei Schulen und Lehrkräften gestartet, sagte Ministeriumssprecher Günther Schuster. "Wir wollen die Daten und Fakten sammeln, um dann eine Einschätzung vorzunehmen."

SPIEGEL ONLINE hat sich zwei der von den Schülern kritisierten Aufgaben aus dem Bereich Stochastik genauer angeschaut - und erklärt, wie sie gelöst werden. Ausführlichere Erläuterungen finden Sie auch auf dem YouTube-Kanal von Mathekellner.

Dies sind zwei Beispiele aus dem 2019 genutzten Aufgabenpool - die Lösungen finden Sie im zweiten Teil des Artikels - scrollen Sie dazu nach unten. Weil die Schulen beziehungsweise Schulbehörden aus diesem Pool auswählen konnten, unterscheiden sich die Abituraufgaben jedoch von Schule zu Schule oder von Land zu Land.

Stochastik Aufgabe 1 (Originaltext aus Bayern)

Bei einer Losbude wird damit geworben, dass jedes Los gewinnt. Die Lose und die zugehörigen Sachpreise können drei Kategorien zugeordnet werden, die mit "Donau", "Main" und "Lech" bezeichnet werden. Im Lostopf befinden sich viermal so viele Lose der Kategorie "Main" wie Lose der Kategorie "Donau".

Ein Los kostet 1 Euro. Die Inhaberin der Losbude bezahlt im Einkauf für einen Sachpreis in der Kategorie "Donau" 8 Euro, in der Kategorie "Main" 2 Euro und in der Kategorie "Lech" 20 Cent. Ermitteln Sie, wie groß der Anteil der Lose der Kategorie "Donau" sein muss, wenn die Inhaberin im Mittel einen Gewinn von 35 Cent pro Los erzielen will.

Stochastik Aufgabe 2 (Originaltext aus Bayern)

Die Inhaberin der Losbude beschäftigt einen Angestellten, der Besucher des Volksfests anspricht, um diese zum Kauf von Losen zu animieren. Sie ist mit der Erfolgsquote des Angestellten unzufrieden.

Die Inhaberin möchte dem Angestellten das Gehalt kürzen, wenn weniger als 15 Prozent der angesprochenen Besucher Lose kaufen. Die Entscheidung über die Gehaltskürzung soll mithilfe eines Signifikanztests auf der Grundlage von 100 angesprochenen Besuchern getroffen werden.

Dabei soll möglichst vermieden werden, dem Angestellten das Gehalt zu Unrecht zu kürzen. Geben Sie die entsprechende Nullhypothese an und ermitteln Sie die zugehörige Entscheidungsregel auf dem Signifikanzniveau von 10 Prozent. (Hinweis: Zu dieser Aufgabe gibt es noch eine zweite Frage, die wir hier aber weggelassen haben.)

Hier können Sie sich alle Aufgaben der Prüfung aus Bayern herunterladen. Beachten Sie: Schüler mussten nicht alle Aufgaben lösen - vielmehr haben die Schulen jeweils eine Auswahl daraus getroffen.

PDF-Download
PDF-Download



insgesamt 229 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mborevi 07.05.2019
1. Für mich ist das ...
... weniger Mathematik als vielmehr Rechnen. Rechenabitur statt Matheabitur? "Mathematik ist die Kunst, Rechnen zu vermeiden".
aggro_aggro 07.05.2019
2. Das wars?
Das sind doch bloß Knobeleien. War das Grund- oder Leistungskurs? War das Pflicht oder eine Wahlaufgabe? Wie sahen die "richtigen" Aufgaben in Analysis z.B. aus? Ein Mathe-LK-Abiturient gehört von der mathematischen Denkfähigkeit zum obersten Prozent der Bevölkerung. Normalerweise sollte kaum jemand in einem öffentlichen Forum überhaupt verstehen worum es in den Aufgaben geht ^^
dschmi87 07.05.2019
3. Halte ich nicht für überaus schwer, in Mathe-Trainingscamp der Uni Ulm
Wird dieses Wissen vorausgesetzt. Das Mathe Trainingscamp ist dafür da um ALLE Studienanfänger auf dasselbe Niveau in Mathe zu bringen bevor das Studium anfängt. Wer das nicht glaubt bitte nachschauen hier der Link. Es ist eher eine Traurigkeit das die meisten Studienanfänger nicht mal auf das Matheniveau der 10 klasse kommen. Was bringt es wenn alle ein zu einfach Abitur absolvieren aber wie schon selbst erlebt bei allen MINT fächern die Mehrheit nach den O-Prüfungen abbricht oder wechselt!? Was bringt mir ein Abitur das weder die Grundlagen der Induktion behandelt noch eine Summenfolge... das ist alles elementar im ersten Semester während eines MINT-Studiums. Als ich Physik studierte fingen wir mit 96 Studenten an, nach 3 Semester waren es nicht mal mehr 20, zum Bachelor noch 6. und klar Eignung, Fleiß etc spielte dafür auch eine Rolle. Aber ebenso spielt das zu einfache Abitur eine Rolle!!!! Und hier der Link. Ach ja und die Uni Ulm ist da keine Ausnahme auch andere Unis bieten das an, weil sie die Misere einer total verfehlten Gymnasialpolitik ausbaden müssen. https://www.uni-ulm.de/misc/unitrain/mathe-vorkurs/ablauf/
argonaut-10 07.05.2019
4. da geht's dahin
ich bin jetzt beinahe 40 Jahre raus aus der Schule und nach Durchsicht der Aufgaben muss ich sagen... das hätte ich nach etwas Auffrischung meines Schulwissens auch noch hinbekommen. Das kann doch nicht sein, dass Mathematik sich vom Stoff her kaum verändert hat. Was macht denn die Jugend heute?
jürgenstock 07.05.2019
5. Im Rahmen
Meiner Erfahrung aus der Nachhilfe und ganz konkret auch aus der Abiturvorbereitung jetzt in den Osterferien liegen diese Aufgaben im Rahmen dessen, was auch im Unterricht durchgenommen wird. Wobei ich allerdings der Ansicht bin, dass Stochastik in den Lehrplänen und im Unterricht überbewertet wird, denn sie gehört nicht zu den Kerngebieten der Mathematik, wohingegen z.B. in der Analysis Funktionen von zwei (und mehr) Variablen vollkommen fehlen. Als wenn die Welt eindimensional wäre.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.