US-Studie Mädchen holen in Mathe auf

Können Jungs besser Mathe? Nein, sagen Wissenschaftler, Mädchen werden durch Erziehung und Schulsystem ausgebremst. Eine neue Studie aus den USA zeigt jetzt: Die Leistungslücke wird kleiner.

Schülerin im Matheunterricht
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Schülerin im Matheunterricht


Wie gut sind die Studienanfänger in bestimmten Fächern? US-Unis wollen das mit dem SAT (Scholastic Assessment Test) herausfinden, einem standardisierten Test zur Studierfähigkeit. Jedes Jahr machen auch ein paar Zwölfjährige in den USA den Test: Eingeladen werden Schüler mit besonders guten Noten.

Sowohl in Mathe als auch im Sprachverstehen schneiden dabei seit Jahren die hochbegabten Mädchen etwas besser ab als die Jungs. Nur bei den Top-Mathe-Assen - den besten 0,01 Prozent eines Jahrgangs - ist das Verhältnis andersrum: Hier sind die Jungs besser. Und es sind auch deutlich öfter Männer, die Forschungs- und Nobelpreise in Mathematik und Naturwissenschaften gewinnen.

Woran liegt das? In den vergangenen Jahren hat sich unter Wissenschaftlern die Überzeugung durchgesetzt, dass Mädchen unbewusst dazu erzogen werden, keine Mathe-Überflieger zu sein. Eine These, die durch die neuesten SAT-Daten bestätigt wird, wie das Magazin "Quartz" unter Berufung auf eine Studie der Duke-Universität in Durham berichtet.

Demnach waren Anfang der Achtzigerjahre unter den exzellenten Mathe-Schülern noch 14-mal mehr Jungen als Mädchen: Die Schülerinnen kamen auf einen Anteil von gerade mal sieben Prozent. 2010 hatte sich das Verhältnis deutlich angeglichen, auf jede Top-Mathe-Schülerin kamen nur noch zweieinhalb mal so viele ebenso gute Schüler.

Bildungsforscher machen dafür ein gewandeltes gesellschaftliches Bewusstsein und mehr erfolgreiche Rollenmodelle für Frauen und Mädchen verantwortlich. Die Daten aus dem US-Test stimmten zuversichtlich, heißt es in dem Bericht: Bald schon werde das Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen ausgewogen sein, und es sei realistisch, "dass wir in ein paar Jahrzehnten genauso viele Nobelpreis-Gewinnerinnen wie Gewinner in den naturwissenschaftlichen Fächern haben".

him

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insgesamt 26 Beiträge
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neurobi 31.10.2016
1. Umgekehrt gilt das gleiche
Mit einer vergleichbaren Förderung die Mädchen in Mathe erfahren, würden Jungen in den sprachlichen Fächern ebenfalls gleichziehen können. Sie sind ja nicht dümmer, werden aber nicht im gleichen Maß gefördert wie Mädchen. Ob das aber politisch korrekt wäre ...
kinngrimm 31.10.2016
2. und wie sieht es in der breiten Masse aus?
Von dem was mir aus dem US Schulsystem bislang bekannt wurde, fehlen seit Jahrzehnten nun Gelder in die Öffentliche Bildung. Vor allem private Unis wie Harvard erhalten Unsummen durch private Spender, wo durch dann dem eigenen Sprössling auch Türe und Tore geöffnet werden. Die Studie bezieht sich, so unterstelle ich erstmal, vor allem auf Eliten. Wie sieht es den mit der Masse der Schüller aus? Welche die vielleicht nicht mal in College gehen weil Gelder zu Hause fehlen um dies zu finanzieren? Ist zu denen auch schon die neue Zeit vorgedrungen?
pauleschnueter 31.10.2016
3. Ist das neu?
Hat man bei der Studie auch die Tatsache berücksichtigt, dass Jungs durch Gesellschaft und Struktur des Schulsystems ohnehin im Schnitt erheblich schlechtere Noten haben als Mädchen? Auch bin ich gerade darüber überrascht, dass das einen Neuigkeit sein soll. Zu meiner Abi-Zeit waren die Mädchen immer diejenigen, die die Klasse beim Notenschnitt angeführt haben. Nur die richtig Guten und richtig Schlechten in einzelnen Fächern, die Ausreißer nach Oben und Unten, sozusagen, das waren eben immer Jungs. In der Schule war das überalterte, auf "gefallen wollen" ausgerichtete Rollenbild der Frau schon immer eine vorteilhafte Sache für die Mädchen. Sie konnten ohne Rollendruck einfach fleißig sein. Die Jungs müssen aber offensiver sein, laut gesellschaftlicher Norm, und das führt dazu, dass sie i.d.R. erheblich weniger von der Schule profitieren als die Mädchen. Auf die Handvoll der Genies, der "Nach-Oben-Ausreißer" zu zeigen und dann zu bemäkeln, dass unter dieser speziellen Gruppe eben mehr Männer sind, warum auch immer, ist nicht zielführend für eine Diskussion über Chancengerechtigkeit. Denn genauso könnte man ja auch anders herum mit dem unteren Teil des Karrierespektrums argumentieren und sagen, so lange es nicht genauso viele Totaldropouts bei den Frauen wie bei den Männern gäbe, so lange müsse es auch nicht genauso viele weibliche wie männliche Führungsräfte geben. Sozusagen die gleiche Logik nur anders.
taglöhner 31.10.2016
4. Mint und Psychostudien
Nichts Neues ist, dass große Unterschiede vor der Pubertät beeinflusst sind von traditionell größerer Toleranz gegenüber Rechen-Schwäche bzw. -Desinteresse (von Mathematik kann man ja wohl noch nicht reden) von Mädchen. Die eher biologische Lücke tut sich danach auf (ja, hat viel mit Hormonen zu tun) und kontrastiert mit den generell besseren schulischen Leistungen (ja, hat viel mit Verhaltensbiologie zu tun) der Mädchen. Wenn die Anforderungen vom Anwenden von Formeln auf tieferes Verständnis wachsen, wird es doch sehr signifikant. Man tut den Mädchen und jungen Frauen unrecht, die sich hier nicht in die kleine Gruppe ihrer Geschlechtsgenossinnen entwickeln können, die mit der größeren Gruppe an Jungen hier auf Augenhöhe sind, wenn man sie als faul bzw. Opfer stigmatisiert. Stark macht man sie so gewiss nicht.
Trouby 31.10.2016
5.
Wir hatten in den 80ern im Mathestudium ein recht ausgewogenes Verhältnis zwischen Frauen und Männern, daher wundert mich die großartige neue Erkenntnis, dass die Frauen seit den 80ern aufgeholt haben. Ansonsten ist es kein Wunder, dass es vor allem bei den Männern Ausreißer nach oben und unten gibt: Diverse Untersuchungen zur Intelligenzverteilung bestätigen seit vielen Jahren, dass Frauen im Durchschnitt geringfügig intelligenter sind und die Verteilung eine geringere Varianz aufweist. Das bedeutet gerade, dass zwar die intelligentesten, aber auch die dümmsten Menschen vor allem (aber nicht nur) Männer sind. Natürlich spielen bei der Intelligenzverteilung sowohl Gene, aber auch Erziehung eine Rolle, so dass auch diese Verteilung durchaus sozial geprägt sein dürfte. Einfach gesagt: Wenn Mädchen zuhause schon viel im Haushalt helfen müssen (mussten?), eben weil sie Mädchen sind, bekommen sie schon von klein auf elementare Fähigkeiten mit, die zur Intelligenzentwicklung beitragen. Jungen müssen (mussten?) dies nicht tun und können (konnten?) sich dadurch eben schlechter oder besser entwickeln, je nachdem, ob sie einfach nichts tun oder aber kreativere Problemlösungskompetenzen entwickeln (sei es mit 5 Jahren schon Spielzeug aus Holz schnitzen, mit Lego Dinge bauen, dem Papa (!) bei Reparaturarbeiten helfen und .. und ... und...). Je mehr dieses Rollenbild aufgeweicht wird, desto mehr wird sich auch die Intelligenzverteilung angleichen.
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