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05. November 2012, 17:06 Uhr

Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

Bewerben, warten, weiter warten

Doppelte Abi-Jahrgänge und weniger Stellen: Mehr Jugendliche als im Vorjahr suchen erfolglos einen Ausbildungsplatz. Viele landen in Fördermaßnahmen und in Praktika - sie sollen jetzt mehr Hilfe bekommen.

Auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind in Deutschland zuletzt deutlich mehr Jugendliche unversorgt geblieben als noch im Vorjahr. Zum 30. September waren 15.700 Bewerber ohne Ausbildungsplatz - 38,2 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit berichtete. Diesen Bewerbern will der Ausbildungspakt, ein Bündnis aus Bundesregierung und deutschen Wirtschaftsverbänden, jetzt verstärkt helfen.

"Wir werden die Zahl der präventiven Maßnahmen erhöhen", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Wichtig sei die Qualifizierung und Begleitung derer, die sich schwertäten und Beratung bräuchten.

Jugendliche sollen gezielt beim Übergang in den Beruf unterstützt werden, wie die Bündnispartner sagten. Rund 270.000 junge Leute sind nach Angaben der Arbeitsagentur derzeit im sogenannten Übergangssystem zwischen Schule und Beruf - sie machen etwa ein Praktikum oder nehmen an Fördermaßnahmen teil.

Das System ist umstritten, teuer und reformbedürftig. Experten kritisieren schon lange, dass Jugendliche darin eine Warteschleife nach der anderen drehen, ohne einen Ausbildungsplatz zu finden. "Erst kurz vor Ende ihrer achtjährigen Amtszeit erkennt Ministerin Schavan die dringend notwendige Umgestaltung des Übergangssystems an", sagte Kai Gehring von den Grünen, der in der Bundestagsfraktion für Bildung zuständig ist. "Es ist überfällig, dass die Partner des Ausbildungspakts eine Straffung des Übergangssystems von der Schule in den Beruf ankündigen."

Die Jugendlichen, die im Übergangsbereich geparkt werden, konkurrieren Jahr für Jahr mit den aktuellen Schulabgängern um die vorhandenen Lehrstellen. Auch wenn sich der Ausbildungsstellenmarkt entspanne, stelle das weiterhin eine Herausforderung dar, hieß es schon im letzten Berufsbildungsbericht.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die hohe Anzahl von Bewerbern im Übergangssystem. "Fast jeder dritte Jugendliche, der eine betriebliche Ausbildung sucht, dreht eine Warteschleife im Übergangssystem", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. "Während Arbeitgeber und Bundesregierung Jahr für Jahr eine entspannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt verkünden, haben 2,2 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 34 Jahren keinen Berufsabschluss."

Unbesetzte Stellen trotz vieler Bewerbungen - wie kommt das?

Ein weiteres Ziel des Ausbildungspakts ist es, mehr leistungsstarke Jugendliche für die duale Ausbildung zu gewinnen. "Berufliche Bildung ist gleichwertig mit der akademischen Bildung", sagte Schavan. Sie dürfe nicht der Plan B sein.

Die Zahl der Bewerber für eine Ausbildung ist trotz des demografischen Wandels gestiegen. 559.900 Jugendliche suchten im Jahr 2011/12 eine Stelle, das sind 3,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ein Grund dafür seien die doppelten Abiturjahrgänge, sagte Raimund Becker von der Arbeitsagentur. Die Zahl der Ausbildungsstellen ist mit 517.000 auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. Insgesamt sei die Situation auf dem Ausbildungsmarkt positiv.

2,8 Prozent der Bewerber blieben zum 30. September ohne Stelle und 33.300 Ausbildungsplätze unbesetzt. Damit ist die Zahl der offenen Stellen höher als die der Bewerber - der Überhang liegt bei 17.600 Stellen. In vielen Branchen und Regionen haben die Betriebe Schwierigkeiten, geeignete Auszubildende zu finden.

Die Chance für Jugendliche, eine Stelle zu finden, sei von Region zu Region sehr verschieden, sagte Becker. Insgesamt kämen auf eine Ausbildungsstelle in Deutschland 1,17 Bewerber. Während die Situation in Bayern, Baden-Württemberg oder Mecklenburg-Vorpommern relativ gut sei, gebe es in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin deutlich mehr Bewerber als offene Stellen. "Trotz der an sich guten Situation ist es in vielen Regionen nicht einfach", sagte Becker.

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Otto Kentzler, sagte, die Einstellungsbereitschaft in den Betrieben sei hoch. "Wichtig ist, dass die Jugendlichen bereit sind, etwas zu leisten." Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Ties Rabe (SPD), kommentiert die Kluft zwischen unbesetzten Plätzen und unversorgten Bewerbern so: Eine Maßnahme sei es, die Berufsorientierung als Regelangebot an der Schule einzubinden. Auch die beruflichen Übergangsmaßnahmen müssten verbessert werden.

otr/dpa/dapd

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