Mein erstes Mal Franziska, 14, wird Sommerhitkönigin

Erst trat sie mit Papa im Duo auf, jetzt singt sie solo: Schlager ist Franziskas Ding. Die ARD krönte sie zur "Hitkönigin", ihre Single "Sommergefühl" stieg auf 15 in die Charts ein. Jetzt bekommt sie Fanpost und die Leute sprechen sie auf der Straße an - Franziska ist ein kleiner Star.


"Warum soll Volksmusik nichts für Jugendliche sein? Viele denken bei dem Wort gleich an Hansi Hinterseer und andere ältere Kollegen. Das ist nicht meine Art von Musik. Genauso wie Popmusik alles Mögliche sein kann, gibt es auch bei der Volksmusik eine ganz beachtliche Vielfalt.

Ich spreche aus Erfahrung, denn ich bin mit Schlagern und Volksliedern aufgewachsen. Jetzt mache ich eben auch solche Musik. Mein Vati hat früher selbst in so einer Band gespielt. Irgendwann bin ich zu ihm gegangen und habe ihm gesagt, dass ich auch singen will. Ich meine, so richtig, auf der Bühne. Unter der Dusche, beim Zähneputzen und sonstwo habe ich das sowieso schon immer getan. Das ist wie ein Automatismus: Da, wo Musik läuft, fange ich an zu singen.

Bald waren wir ein Duett: 'Franziska und Wolfgang' nannten wir uns, nahmen CDs auf und traten in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf. Sogar beim Grand Prix der Volksmusik waren wir und landeten auf dem dritten Platz.

Die ARD lud sie ein, die Single stieg in den Charts auf Platz 15

Vor einem Jahr dachte ich, dass ich es auch mal allein probieren kann. Mein Vater fand die Idee gut und organisierte mir einen Platz im Vorprogramm auf der Tour des Sängers Semino Rossi. Den werden viele junge Leute nicht kennen, er ist Schlagersänger und aus Argentinien.

Auf seiner Tour hat eigentlich meine Karriere begonnen: Der Produzent Sigmar Strecker sah einen meiner Auftritte - es scheint ihm gefallen zu haben. Jedenfalls ist er danach zu mir gekommen und hat gesagt, dass er mit mir zusammenarbeiten will.

Er hat eine Melodie geschrieben und jemanden beauftragt, dazu einen Text zu verfassen. Ganz schön kritisch hat er die Vorschläge begutachtet, viele auch abgelehnt. Aber als wir den Text 'Sommergefühl' gelesen haben, waren wir sofort einer Meinung: Das ist mein Text. Mit meinem Vater habe ich dann im Internet recherchiert, wo ich vielleicht auftreten kann. Ich habe mich bei der ARD-Sendung 'Immer wieder Sonntags' beworben. Da treten jeden Sonntag Schlagersänger gegeneinander an - und die Zuschauer stimmen per Telefon ab, wer in der nächsten Woche wiederkommen soll.

Ich bekam eine Einladung zur Sendung, das war schon ein toller Erfolg. Und dann wurde ich sogar noch wieder gewählt! Ich war wirklich überrascht. Eine Woche später passierte das Gleiche: Wieder weitergekommen, noch ein Auftritt. Und die Woche drauf wieder. Das Publikum mochte mich wohl, denn ich sang den ganzen Sommer über durch. 12 Mal trat ich in der Sendung auf. Beim letzten Mal bekam ich sogar einen Titel verliehen: Jetzt bin ich die 'Sommerhitkönigin', gleich mit meinem ersten Hit, dem 'Sommergefühl'. Meine Single stieg auf Platz 15 in die Charts ein - und ist immer noch unter den ersten fünfzig.

Als ich das erste Mal in die Sendung kam, dachte ich im Traum nicht daran, dass ich bis zum Schluss durchhalten würde. Aber nun bin ich irgendwie auch ein wenig stolz.

Ein bisschen prominent - so fühlt sich das an

Ich erlebe jetzt, wie es ist, ein bisschen prominent zu sein: Letztens zum Beispiel war ich mit Vati einkaufen, wir standen gerade beim Fleischer. Auf einmal kamen da Leute an und fragten, so ganz vorsichtig, ob ich nicht die Franzi aus dem Fernsehen wäre. Echt lustig, wenn die Leute einen so ansprechen.

Ich bekomme auch plötzlich Fanpost. Meist schreiben mir ältere Leute, das sehe ich ja an den Namen. Die schreiben mir, dass sie mich ganz toll finden und immer für mich in der Sendung angerufen haben. Gestern kam ein Brief, über den ich mich ganz besonders gefreut habe: Ein Achtjähriger hat geschrieben, wie gern er das Lied hört und wie toll er es findet. Er hat den Brief selbst geschrieben, mit der Hand - und sogar ein Foto mitgeschickt. Voll süß! Er bekommt natürlich eine Antwort - wie jeder Brief.

Meine Freunde? Die helfen mir: Sie haben fleißig für mich angerufen und kaufen die CD. Mit meiner Freundin Sheba probe ich manchmal sogar. Sie singt auch gerne, und dann trällern wir halt zusammen. Ich glaube übrigens nicht, dass junge Leute Volksmusik generell blöde finden. Natürlich hören in erster Linie ältere Leute meine Musik. Aber auch die freuen sich, dass es neue, junge Künstler gibt. Das merke ich bei meinen Auftritten, viele sagen mir das auch, oder sie schreiben es.

Außerdem: So ein Schlager-Pop, wie ich ihn mache, hören auch die Jugendlichen mal ganz gerne. Das ist halt nicht so lahmarschig wie andere Sachen, sondern richtig flott. Man muss die Volksmusik nur richtig präsentieren.

Rockmusik ist einfach nicht mein Ding

Ich habe es sogar geschafft, bei 'TV Total' zu singen. Mit einem Schlagerlied - die Sendung mit Stefan Raab schauen ja genau die Leute, die ich für meine Musik begeistern möchte. Die jungen Menschen, die sich angeblich nicht für Volksmusik interessieren.

Klar, Rock- oder Popmusik höre ich selbst auch gern mal. Aber ich würde sie nie selbst machen wollen. Das ist einfach nicht mein Ding. In der Rock- und Popbranche bist du schnell nur eine Eintagsfliege - viele junge Künstler werden richtig verarscht, ich denke da an Tokio Hotel oder so.

Ich habe das Gefühl, dass mich Gleichaltrige ernst nehmen, für das, was ich mache. Ausgelacht werde ich jedenfalls nicht. Neider? Habe ich bisher nicht erlebt. Die Schlagerbranche hat etwas sehr Beständiges. Junge Künstler in der Pop- und Rockbranche sind gerne mal schnell wieder weg vom Fenster, beim Schlager ist das anders. Andrea Berg und Michelle zum Beispiel: Die bleiben immer gefragt. So wünsche ich mir das auch."

Aufgezeichnet von Stefanie Hiekmann



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