Mein erstes Mal Maxi, 19, knautscht Mutters Auto

Zwei Anläufe brauchte Maximilian Popp, um den Führerschein zu machen - dann durfte er endlich mit Mutters Auto zur Schule fahren. Aber irgendwie sah der schwarze Alfa Romeo hinterher anders aus.


"Dass aus dem Tag nichts mehr werden würde, wusste ich schon, bevor ich ins Auto stieg. In Bio kam ich zu spät und wurde ausgefragt, in der Kantine gab es keine Fertigpizza mehr, und nach dem Sportunterricht hatte mich Oberstudienrat R. im Umkleideraum eingeschlossen. Aus Versehen, behauptete er.

Maximales Verkehrsrisiko: Der Unfallfahrer am Steuer

Maximales Verkehrsrisiko: Der Unfallfahrer am Steuer

Mein Auto parkte ich vor der Uni. Die ist zwar zwei Kilometer von meiner Schule entfernt, aber auf dem Schulgelände waren alle Parkplätze voll. "Da kannst du ja gleich nach Hause laufen", maulte Franziska. Ich entschied: Das ist das letzte Mal, dass ich Franziska im Auto mitnehme.

Von der Schule bis zu mir nach Hause brauche ich mit dem Rad zwanzig Minuten, mit dem Auto eine halbe Stunde. Trotzdem fahre ich mit dem Auto. Es macht mir nichts aus, im Stau zu stehen. Das Auto, ein schwarzer Alfa Romeo, gehört nicht mir. Es gehört meiner Mutter. Hin und wieder darf ich den Alfa ausleihen.

Nach dem verkorksten Tag in der Schule wollte ich schnell nach Hause. Der Stau hinderte mich daran. Neben mir stand Dominik im Stau. Dominik ging in meine Klasse und fuhr stets mit dem Mercedes seines Vaters zur Schule. Ich erinnere mich noch, dass ich Franziska fragte, ob Dominiks Vater eigentlich nie den Mercedes braucht. Ich hatte mich zu ihr umgedreht. Warum Franziska hinten saß, kann ich mir im Nachhinein nicht erklären.

Vorn ging der Verkehr weiter. Ich gab Gas, schaute aber noch nach hinten - das war der Fehler. Die Ampel schaltete auf Rot. Franziskas Warnschreie hörte ich nicht mehr, sie gingen in dem Knall unter. Der Airbag sprang auf. Das Radio ging aus. Mein erster Gedanke war: Das gibt Ärger.

Und die Fahrlehrerin hatte doch Recht

Das Auto, das ich gerammt hatte, war ein giftgrüner Lupo. Um den ist es nicht schade, dachte ich. Der Fahrer sah das anders. Er hechtete aus seinem Wagen, schrie etwas von Frechheit, Anzeige, Trottel und fuchtelte mit den Händen. Ich verstand ihn sehr schlecht, weil er Bayerisch sprach, versuchte ihm aber klar zu machen, dass es mich viel schlimmer getroffen hatte als ihn.

Der Lupo hatte ein paar Beulen, Franziska meinte, ich hätte ihn zerstört, aber sie übertreibt immer. Mein Alfa hingegen war ein Wrack, die Motorhaube ließ sich nicht mehr schließen. Franziska wurde hysterisch und meinte, ich sei ein Wahnsinniger.

Um uns herum hatte sich eine Traube Schaulustiger gebildet. Dabei gab es gar keine Verletzten. Nur einen Lupo mit Beulen und einen gestauchten Alfa. Der Lupo-Fahrer hatte die Polizei gerufen, die meine Personalien aufnahm. Wenig später kam der Abschleppdienst. Der Lupo musste nicht mal abgeschleppt werden, nur mein Alfa. "Haben Sie eine gute Versicherung?", fragte ich den Lupo-Fahrer. Ich glaube, er hat das als Provokation verstanden. Egal, letztlich musste sowieso ich zahlen, also meine Eltern, also deren Versicherung. Da war nichts zu machen.

Was mich im Nachhinein am meisten ärgert? Dass meine Fahrlehrerin doch Recht behalten hat. "So wie du fährst, baust du nach einem Monat deinen ersten Unfall", hatte sie mich gewarnt. Sie sollte Recht behalten. Ich hatte meinen Führerschein eine Woche vorher bekommen."

Maximilian Popp



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