Mein erstes Mal Maximilian daddelt nächtelang auf einer LAN-Party

48 Stunden lang Kampf in abgedunkelten Räumen, kaum Schlaf und zum Essen Tiefkühlpizza: Maximilian Wachtveitl, 17, dockte mit seinem Computer an eine LAN-Party an.


"Es gibt ja Leute, die behaupten, Kriegsspiele machen aggressiv. Ich glaube, wenn Leute nach einem Ballerspiel ausrasten, waren sie schon vorher aggressiv. Man muss unterscheiden können zwischen einem Spiel und der Realität.

Maximilian Wachtveitl: Ballern in der Industriehalle

Maximilian Wachtveitl: Ballern in der Industriehalle

Wir haben uns Freitagnachmittag bei einem Freund getroffen, dessen Eltern nicht da waren. Zwölf Jungs, keine Mädchen, denn Mädchen spielen diese Kampfspiele nicht. Ich zumindest habe noch nie eine weibliche Person getroffen, die sich damit auskennt.

Wir haben Counter-Strike gespielt. Das ist ein Ballerspiel, bei dem man sich in zwei Teams aufteilt, die einen spielen Terroristen und die andere eine Spezialeinheit der Polizei. Es geht darum, Geiseln zu befreien oder zu bewachen oder auch eine Bombe zu legen oder diese zu entschärfen. Wenn einer getroffen ist, sackt er in sich zusammen - eigentlich ein ganz normales Spiel mit Scharfschützen. Jeder hat ein eigenes Geldkonto, und wenn man genug Geld hat, kann man sich Waffen kaufen, mit denen man genauer zielen oder schneller töten kann. Oder man besorgt sich ein Nachtsichtgerät oder eine schusssichere Weste.

Ich hatte mir das vorher ziemlich lustig vorgestellt, mit den Leuten, neben denen man sonst gelangweilt in der Schule sitzt, einmal zwei Tage lang zu spielen. Dabei konnten wir testen, wer das Spiel am besten beherrscht. Im Netzwerk zu spielen, ist eine Herausforderung, denn echte Gegner sind immer besser als die voreingestellten Gegner des Computers.

Im Kopfhörer klickt die Kalaschnikow

Jeder von uns hat an diesem Freitag seinen eigenen Computer mitgebracht; keine Laptops, sondern große stationäre Computer samt Monitoren, Tastaturen, Mäusen und Headsets. Mit Laptops lässt es sich nicht so gut spielen, ihre Grafikkarten und Prozessoren sind zu langsam. Mein Rechner hat einen 3-Gigahertz-Prozessor.

Die zwölf Rechner haben wir dann auf Tischen so aufgebaut, dass wir uns gegenseitig nicht auf die Bildschirme gucken konnten, und sie über RJ-45 Kabel durch ein Switch verbunden. Das ergab dann ein ziemliches Kabelgewirr. Dann haben wir ein Netzwerk eingerichtet, jeder hat seine Firewall ausgeschaltet und das Spiel im Mehrspieler-Modus gestartet. Danach hieß es dann: jeder gegen jeden.

Viel unterhalten haben wir uns nicht an dem Wochenende. Über Headsets und spezielle Programme können wir im Team unsere Taktik besprechen. Wenn gerade niemand redet, höre ich durch meine Kopfhörer den Sound des Spiels: Schritte von rechts, Explosionen von links hinten, die Schüsse des gegnerischen Teams, das Klicken, wenn ich meine Kalaschnikow neu lade.

Seit ich 13 bin, spiele ich Computerspiele, am Anfang allein, danach dann auch im Internet, mittlerweile war ich auch auf ein paar Netzwerk-Parties. Zuletzt bin ich zur Decay IX in Winterberg gefahren, da haben wir mit vielen hundert Leuten in einer großen Halle einen Tag lang Counter-Strike gespielt.

An diesem ersten Wochenende haben wir drei Stunden pro Nacht geschlafen und den Rest der Zeit durchgespielt, mit kleinen Unterbrechungen um eine Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben. Nach zwei Tagen sah der Partykeller aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen."

Aufgezeichnet von Carola Padtberg



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