Mein erstes Mal Robin, 16, rettet einem Mädchen das Leben

Er war zum Toben mit seinen Kumpels im Freibad - und wurde plötzlich zum Lebensretter. Wenn Robin Wick sie nicht auf dem Boden des Schwimmbeckens entdeckt und nach oben gezogen hätte, würde die zehnjährige Melissa heute wohl nicht mehr leben.


"Es war ein ganz normaler Sommertag im letzten August: Meine Kumpels und ich hatten Ferien, wir sind ins Schwimmbad von Alzey gegangen, das schöne Wetter genießen und schwimmen. Wir planschten eine Weile im Becken und hatten bald genug. Wir wollten raus und es uns auf der Wiese in der Sonne gemütlich machen.

Retter Robin Wick: "Sie darf nicht sterben, nicht hier, im Schwimmbad"
Mara Braun

Retter Robin Wick: "Sie darf nicht sterben, nicht hier, im Schwimmbad"

Die anderen Jungs alberten noch rum, mit Untertauchen und so, ich bin schon mal zum Beckenrand geschwommen. Ich war kurz vor dem Rand, da sah ich, dass direkt unter mir jemand im Wasser war.

Na ja, da taucht halt wer, sagte ich mir - ist ja im Schwimmbad nicht ungewöhnlich. Ich wollte schon weiter schwimmen und raus aus dem Wasser, aber dann ist mir aufgefallen, dass sich dieser Jemand gar nicht bewegt.

Auch etwas an der Haltung der Person da unten am Beckenboden stimmte nicht. Der Körper wirkte komisch, fast verdreht – es sah irgendwie gar nicht aus wie beim Tauchen.

Vielleicht war da jemand...

In dem Moment habe ich einen wahnsinnigen Schreck gekriegt, weil mir klar wurde: Da stimmt doch etwas nicht! Ich tauchte sofort runter und fasste die Person vorsichtig an, es war ein kleines Mädchen. Sie reagierte nicht auf meine Berührung, sie war bewusstlos. Und dann kam direkt der nächste große Schreck, ihre Haut fühlte sich ganz kalt an.

Mein erster Gedanke war: Sie darf auf keinen Fall sterben – doch nicht hier, im Schwimmbad! Komisch, ich hätte natürlich auch an keinem anderen Ort gewollt, dass sie stirbt, aber solche Gedanken gingen mir durch den Kopf.

Bloß so schnell wie möglich aus dem Wasser

Ob sie schon tot war? Darüber habe ich in dem Moment keinen Gedanken verschwendet. Ich wollte sie nur so schnell wie möglich aus dem Wasser bringen, ihr helfen. Ich packte sie von hinten, legte meine Arme um sie, so konnte ich sie am besten festhalten. Mit dem Kind im Arm schwamm ich nach oben. Ich musste mich echt anstrengen, sie war ganz schön schwer, selbst im Wasser – zumindest kam es mir so vor.

Endlich waren wir über Wasser. Ich hielt so schnell wie möglich auf die Treppe am Beckenrand zu: Halb schwamm ich, halb strampelte ich bloß. Ich wusste nicht so genau, wie ich das Mädchen am besten halten sollte, denn ich habe nie ein Rettungsschwimmer-Abzeichen gemacht. So lange ich den Kopf über dem Wasser halte, ist alles gut, dachte ich. Angst davor, mit ihr unterzugehen, hatte ich nicht, aber mir war nicht klar, wie ich sie gleich aus dem Wasser kriegen sollte.

Am Beckenrand kam mir zum Glück ein Schwimmmeister zu Hilfe. Er hatte von seinem Turm aus gesehen, dass ich das Mädchen im Arm hatte. Ich war wirklich froh und erleichtert, ihn zu sehen. Ich glaube, ich hätte das Kind nicht allein heraus bekommen.

Wir legten sie auf die Wiese neben dem Becken. Sie war immer noch bewusstlos und hatte ganz bläuliche Haut, es sah sehr unheimlich aus. Als sie da so lag, kalt und blau und bewusstlos, habe ich zum ersten Mal begriffen: Sie könnte schon tot sein. Ich erschrak furchtbar über diesen Gedanken.

Wenn so viele Leute helfen, kann sie gar nicht sterben

Ein Arzt war im Schwimmbad, er kam direkt dazu. Er brachte das Mädchen in die stabile Seitenlage und klopfte ihr auf den Rücken, damit das Wasser rauskommt. Es lief ihr in Strömen aus dem Mund.

Zwei Krankenschwestern kamen hinzu, mittlerweile war der Unfall über Lautsprecher ausgerufen worden. Ich war unheimlich erleichtert über die vielen Helfer. Wenn so viele Leute mitdenken, wird Mädchen sicher gerettet, dachte ich.

Die Krankenschwestern haben auch die Schwimmbadbesucher zurückgehalten - es waren viele dazu gekommen und guckten ganz neugierig, was da passiert war.

Und dann ist das Mädchen plötzlich zu sich gekommen! Ich war so erleichtert. Dann begann sie ganz furchtbar zu schreien. Der Arzt erklärte mir, dass sie schreckliche Schmerzen hat, von dem Wasser in ihren Lungen. Sie hustete und spuckte, sie tat mir wahnsinnig leid, wie sie sich so quälen musste.

Notarzt, Krankenwagen, Hubschrauber

Die Mutter des Mädchens tauchte auf, sie war natürlich komplett fertig mit den Nerven und wollte ihre Tochter sofort in den Arm nehmen. Aber das durfte sie nicht - das Kind musste auf der Seite liegen bleiben, um das ganze Wasser auszuspucken.

Ein Notarzt kam und ein Krankenwagen, kurz darauf landete ein Rettungshubschrauber auf dem Sportplatz oberhalb des Freibads. Sie legten das Mädchen auf eine Trage und brachten sie weg.

Ich war ganz benommen, aber unfassbar erleichtert, dass die Kleine noch lebte. Der Arzt klopfte mir auf die Schulter und lobte, ich hätte sehr gut reagiert. Er wirkte genauso erleichtert wie ich, dass alles gut gegangen war. Der Schwimmmeister bedankte sich bei mir und sagte, ich hätte dem Mädchen das Leben gerettet.

Bis da war mit das nicht richtig bewusst, es musste erst einmal sacken. Zuhause erzählte ich meinen Eltern, was passiert war. die waren sehr stolz.

Einige Tage später bin ich dann sogar von unserem Bürgermeister ausgezeichnet worden für die Rettungsaktion. Das war schon ein toller Moment. Das Schönste war aber etwas anderes: Die Eltern von Melissa, so heißt, das Mädchen, haben mir einen Brief geschrieben und sich ganz herzlich bedankt. Sie selbst hatte ein paar Bilder für mich gemalt und ein kleines, selbstgemachtes Herz dazu gelegt. Darüber habe ich mich unheimlich gefreut.

Und im Freibad habe ich jetzt eine Saison lang freien Eintritt."

Aufgezeichnet von Mara Braun



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.