Mein Leben als Vegetarier Jetzt geht's um die Wurst

2. Teil: Wie alles begann - "Fleisch ist mein Gemüse" (Heinz Strunk)


Kein Leben ohne Fleisch. Nicht für mich als Kind von fünf, sechs Jahren. Danach war ich verrückt, behaupten meine Geschwister. Im Kinderbuch las ich von einem Weihnachtsmahl mit Ente und Rotkohl und zwang meine Mutter, genau das am Weihnachtsabend zu kochen. Eine ganz bestimmte Sorte italienischer Salami verschlang ich geradezu und quoll aus meinen Kleidern, wie Kinderfotos beweisen.

Als mir ein von seinen Öko-Eltern infiltrierter Schulfreund einmal an den Kopf warf, Fleisch sei ein anderes Wort für Leiche, war ich wütend: Was für ein Quatsch, schmeckt doch gut - gar nicht nach Leiche. Leiche war eklig, Wurst war lecker. Punkt.

Frühjahr 1999. Im Urlaub mit meinen Eltern in Holland, ein folgenreicher Schwur in der Küche der Ferienwohnung: ab sofort kein Fleisch mehr, auch kein Fisch. Schon länger hatte ich allenfalls dünne Wurstscheiben auf Brot oder Fertig-Fischstäbchen gegessen. Was zu sehr nach Lebewesen aussah, stieß mich ab.

Warum also nicht gleich Vegetarier werden? Ich weiß nicht mehr genau, wie meine Mutter reagierte. Jedenfalls schloss sie sich einige Wochen später an und wollte nur auf Fisch nicht verzichten.

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