Mein Leben als Vegetarier Jetzt geht's um die Wurst

4. Teil: Schluss mit den Vorwürfen - "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei" (Stephan Remmler)


Militant war ich jetzt nicht mehr und hörte auf, den Fleischessern Vorwürfe zu machen. Aber Fleisch auf dem Teller wollte ich auch nicht - der Gedanke, ich könnte auf etwas beißen, das ein paar Tage zuvor noch in einem Stall oder auf einer Weide lebte, stieß mich ab.

2008 lernte ich viele neue Leute kennen und hörte oft die Frage: "Du isst kein Fleisch?", und zwei Minuten später: "Fisch auch nicht?" Wegen der Vegetarismus-Debatten stellte ich mir die Sinnfrage wieder selbst. Freunde plauderten über exotisches Fleisch, das sie auf Reisen probiert hatten - Schlange, Krokodil, Känguru. Vielleicht gehört es ja zum Reisen dazu, ortsspezifisch zu essen? Ist das moralisch verwerflich?

Als im April 2008 mein Praktikum bei SPIEGEL ONLINE begann, lud ein Landfrauenverein in Schleswig-Holstein Jungs zum "Boys' Day" inklusive Haushaltskurs ein: putzen, kochen, Knopf annähen. Ich sollte darüber in Form eines Selbstversuchs berichten - und hoffte, beim Kochen Fleisch und Wurst umgehen zu können.

Es kam, wie es kommen musste: Kurz vor Mittag wurde ich zum Wühlen in Hackfleisch bestellt und sollte daraus Frikadellen kneten. Ich kam mir vor wie im Dschungelcamp, wie Bata Illic im Kakerlakensarg. Aber eisern hielt ich durch und formte auch noch brav Fleischklößchen für die Suppe. Nur vorm Kosten der erlesenen Speisen konnte ich mich drücken.

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