Meinungsumfrage Abermals erhalten die Schulen miserable Zensuren

Für die deutschen Schulen hagelt es schlechte Zeugnisse, diesmal per Umfrage: Nur noch 19 Prozent der Bundesbürger geben dem Schulsystem die Gesamtnote eins oder zwei. Eindeutig sprechen sie sich für höhere Leistungsanforderungen, für mehr Ganztagsschulen und gegen Sparen bei der Bildung aus.


Lehrer-Demo in Berlin: Auch die Bürger wollen mehr Geld für Bildung - gespart wird trotzdem
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Lehrer-Demo in Berlin: Auch die Bürger wollen mehr Geld für Bildung - gespart wird trotzdem

Seit den alarmierenden Ergebnissen internationaler Vergleichstests hat sich die Einstellung der Bürger zu deutschen Schulen offenbar völlig verändert. Zuletzt erwischte der Pisa-Schock die Schüler, Lehrer und Eltern - in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften landete Deutschland abgeschlagen im letzten Drittel.

Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wächst: 80 Prozent geben den deutschen Schulen die Note 3 oder schlechter. Das geht aus einer repräsentativen Untersuchung des Instituts für Schulentwicklungsforschung an der Universität Dortmund hervor.

Die Bildungsforscher befragten im Frühjahr, knapp drei Monate nach Veröffentlichung der Pisa-Resultate, mehr als 4000 Bundesbürger. Sie beobachten eine eindeutige Trendwende: Noch vor zehn Jahren hatte jeder zweite Befragte in einer ähnlichen Studie vor einer Überforderung der Schüler gewarnt. Inzwischen bezeichnen lediglich 15 Prozent die Leistungsanforderungen als zu hoch, rund 40 Prozent indes als zu niedrig - "wenig schmeichelhaft" für die Schulen, so die Forscher.

Klares Votum für Ganztagsschulen

Drei Viertel fordern, dass die Schulen künftig verstärkt gute Allgemeinbildung, Problemlösungskompetenz und eine Vorbereitung auf das Berufsleben vermitteln sollen. Für ebenso wichtig halten die Bürger soziale Kompetenzen, Teamfähigkeit sowie Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen.

Die Umfrage bestätigt zugleich den Trend zur Ganztagsschule: Mit 58 Prozent spricht sich erstmals sogar eine klare Mehrheit der Bundesbürger für Ganztagsschulen aus.

Was Deutschland und andere Länder für Schulen ausgeben
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"Mehr Leistung und mehr Erziehung - so lautet der Anspruch von Eltern wie Nichteltern an die Schule der Zukunft", fasst Hans-Günter Rolff, der die Untersuchung leitete, die Ergebnisse zusammen. Der Dortmunder Erziehungswissenschaftler bezeichnet das "aus pädagogischer Sicht als gute Balance und auch aus gesellschaftspolitischer Sicht begrüßenswert".

Einige unter Experten diskutierte Verbesserungsvorschläge schneiden in der Bevölkerung nicht besonders gut ab. Mehrheitlich wandten sich die Interviewten zum Bespiel dagegen, das Sitzenbleiben abzuschaffen und die Aufteilung der Kinder auf Schultypen hinauszuzögern.

Auf der Prioritätenliste rangiert Bildung inzwischen deutlich weiter oben als noch vor einigen Jahren: Die Befragten konnten aus zwölf Politikbereichen drei auswählen, in die sie mehr Geld investieren würden. An erster Stelle nannten sie die Schaffung von Arbeitsplätzen mit 67 Prozent, gefolgt vom Gesundheitswesen (50 Prozent) sowie die soziale Sicherung und Bildung mit jeweils 46 Prozent. Mehr als doppelt so viele Bürger wie 1991 nannten Bildung als einen der drei wichtigsten Politikbereiche.

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