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20. Juni 2017, 14:46 Uhr

Seltene Ehre

Jetzt gibt's eine Udo-Lindenberg-Schule

Die bayerische Mittelschule Mellrichstadt heißt ab sofort offiziell Udo-Lindenberg-Mittelschule. Der Umbenennung zog sich über zwei Jahre hin. Der Musiker bedankte sich auf seine eigene Weise.

Das bayerische Mellrichstadt in Unterfranken liegt Hunderte Kilometer weit entfernt von Hamburg, der Wahlheimat des Rockers Udo Lindenberg. Trotzdem fühlen sich die Lehrer und Schüler der Mittelschule Mellrichstadt eng mit dem Musiker verbunden. Und zwar so sehr, dass ihre Schule von nun an Udo-Lindenberg-Mittelschule heißt.

Die Schule begründet die Wahl auf ihrer Homepage damit, dass Lindenberg sich für die Rechte von Minderheiten, Freiheit, Menschlichkeit und den respektvollen Umgang einsetze. "In seinen Liedern wie seinem Handeln stellt er immer wieder den Gedanken in den Mittelpunkt, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner Herkunft, seiner Hautfarbe oder Religion, die gleichen Rechte hat und genauso wertvoll ist", heißt es auf der Website.

Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, bemüht sich die Schule seit zwei Jahren, den Namen Lindenbergs tragen zu dürfen. Die Schüler stellten beispielsweise das "Projekt Lindenberg" auf die Beine, mit dem sie sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Krieg, Flucht und Vertreibung Erfurt stellten.

Lindenberg war begeistert von dem Projekt und sagte, er ziehe vor dem Engagement der Schule "seinen Hut". Der Musiker lud einzelne Schüler daraufhin zu einem persönlichen Treffen und zu einem Konzert nach Nürnberg ein.

"Was wollen die mit dem nuschelnden Alkoholiker?"

Doch nicht jeder war sofort von der Namensidee begeistert. Ein Lehrer sagte bei der Vorstellung des Projekts "Lindenberg", Kritiker hätten gefragt: "Was wollen die mit dem nuschelnden Alkoholiker? Haben die keinen Besseren gefunden?" Zeitweise lag die Namensgebung auf Eis. Der Grund: In Lindenbergs Gepäck war am Hamburger Flughafen eine Waffe entdeckt worden. Gegen den Musiker lief daraufhin ein Strafverfahren wegen unerlaubten Waffenbesitzes.

Laut Schulleiter Egon Bauß haben sich die Vorwürfe mittlerweile erledigt. Die Waffe gehörte offenbar einem Leibwächter Lindenbergs, so Bauß. Der Namensgebung stand nichts mehr im Weg. Bei der feierlichen Umbenennung der Schule wird Lindenberg allerdings nicht dabei sein.

Der Rocker aus Hamburg bedankte sich jedoch bereits im vergangenen Jahr mit einer Videobotschaft über YouTube. "Da war ich ja noch nie. Ist ja auch weit weg von Hamburg", so Lindenberg über Mellrichstadt.

In seiner Botschaft forderte er die "Vögelchen" - gemeint sind die Schüler - auf, ihren eigenen Weg zu gehen und setzte sich für Toleranz ein. Zudem kündigte er an, Mellrichstadt bei Gelegenheit einen Besuch abstatten zu wollen.

koe

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