Morales-Rechner Boliviens Staatschef grinst vom Lehrer-Laptop

Seht her, ich bin ein guter Präsident: Boliviens Regierung vergibt 130.000 kostenlose Laptops an Lehrer - und von allen lächelt Staatschef Evo Morales. Gewerkschafter kritisieren die Aktion als Werbeshow, zumal vielerorts der Strom für die Rechner fehlt.

Lehrerin in Oruro: Laptops sollen den Unterricht für bolivianische Kinder verbessern
REUTERS

Lehrerin in Oruro: Laptops sollen den Unterricht für bolivianische Kinder verbessern


Einen kostenlosen Laptop für jeden bolivianischen Lehrer: Es klingt wie eine nette Geste der Regierung und sorgt in dem südamerikanischen Land doch für Unmut. Staatspräsident Evo Morales lässt seit einigen Tagen die ersten von insgesamt fast 130.000 Rechner an Schulen verteilen. Sie sollen dabei helfen, den Unterricht in dem armen Land zu verbessern. Ein Detail hat dabei zu Protesten geführt: Auf dem Deckel jedes Geräts prangt weiß das Gesicht des lächelnden Präsidenten. Darunter steht: "Technologische Revolution in der Erziehung".

Das komme einer Götzenverehrung gleich, kritisierte der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft in La Paz, José Luis Álvarez. Morales tue so, als habe er die Laptops von seinem eigenen Geld bezahlt, zitiert ihn die spanische Zeitung "El País" aus lokalen Medien. "Das ist das Geld des bolivianischen Volkes." Die Computer seien finanziert aus dem Bildungsetat.

Die Regierung verteidigte das Konterfei ihres Chefs auf den Geräten. Das Bild des Präsidenten fungiere als Sicherheitssiegel - "um zu verhindern, dass sie auf dem Schwarzmarkt verkauft werden", sagte Erziehungsminister Roberto Aguilar der Zeitung "El País". Er erklärte, die Regierung habe ursprünglich vorgehabt, ein Bild der neunfarbigen Flagge der indianischen Ureinwohner Boliviens auf die Geräte drucken zu lassen. Der Hersteller habe aber etwas Einfacheres empfohlen.

Laptops, aber oft kein Strom

Und etwas Eigenwerbung kann die Regierung gerade gut gebrauchen. Unlängst musste sie den Bau einer Autobahn durch Amazonas-Gebiet auf Eis legen, nachdem der Konflikt mit Anwohnern eskaliert war. Außerdem verliert Morales zunehmend den Rückhalt der traditionell starken Gewerkschaften, die in der ersten Jahreshälfte heftig für mehr Lohn und gegen steigende Energie- und Lebensmittelpreise protestiert hatten.

Die Laptops sollen nach und nach an die Schulen im Land ausgegeben werden. In den Bezirken Tarija und Oruro im Süden und Südwesten des Landes haben Lehrer bereits einige tausend Laptops in Empfang genommen. Die Regierung lasse sich die nagelneuen Windows-Rechner insgesamt 50 Millionen Dollar (rund 36 Millionen Euro) aus dem Staatshaushalt kosten.

Besonders in ländlichen Gegenden werden die Laptops vielen Lehrern allerdings wenig nutzen: Wie "El País" berichtet, seien auf dem Land weniger als die Hälfte der Bevölkerung an die Stromversorgung angeschlossen. Der Präsident drängte deshalb die Gouverneure und Bürgermeister, die Verlegung von Stromkabeln in ihren Gemeinden voranzutreiben. Die Rechner dürften keine "weißen Elefanten" werden, so Morales - also teure, aber nutzlose oder sogar lästige Geschenke.

son/dapd



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