Fotostrecke

Nach dem Amoklauf von Winnenden: Schuleröffnung mit Sicherheits-Plus

Foto: Franziska Kraufmann/ dpa

Neuanfang nach Amoklauf Schüler kehren an Albertville-Schule zurück

Nach dem Amoklauf von Winnenden fand an der Albertville-Realschule der Unterricht zwei Jahre lang in Containern statt. Jetzt kehren Schüler und Lehrer in ihre frisch renovierte Schule zurück. Beim Umbau wurde sicherheitstechnisch aufgerüstet - künftig gibt es Alarmknöpfe in jedem Raum.

Noch wird gepinselt, geschraubt, gepflanzt. Die Handwerker werden die Winnender Albertville-Realschule wohl durch die Hintertür verlassen, wenn vorne die Schüler das umgebaute Gebäude zweieinhalb Jahre nach dem Amoklauf zurückerobern. Am 12. September werden mehr als 600 Kinder und Jugendliche in das neue, lichtdurchflutete Glasfoyer strömen und damit einen weiteren Schritt in Richtung Normalität gehen. "Das ist die Heimat der Schüler", sagt Schulleiter Sven Kubick bei einem Rundgang.

Am 11. März 2009 hatte ein ehemaliger Schüler an der Schule acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Schon wenige Wochen danach entschieden Eltern, Schüler, Lehrer und Gemeinde, die Schule nicht aufzugeben, sondern nach einem Umbau mit neuem Leben zu füllen.

Die Klassen acht bis zehn kehren aus einer benachbarten Containerschule in ihr früheres Domizil zurück; für die Klassen fünf bis sieben ist das für gut sechs Millionen Euro renovierte Gebäude noch ganz neu. Der letzte Jahrgang, in dem Tote zu beklagen waren, legte vor den Sommerferien die Mittlere Reife ab. "Die Grundstimmung ist sehr positiv", sagte Kubick, der Ende vergangenen Jahres Rektorin Astrid Hahn abgelöst hatte.

Noch immer leiden Lehrer und Schüler an den Folgen des Amoklaufs

In Kubicks 50-köpfigem Kollegium gibt es noch fünf bis zehn traumatisierte Pädagogen; drei Lehrer haben nach der Bluttat die Schule verlassen. Auch einige Schüler werden noch psychologisch betreut. Vor der Wiedereröffnung konnten sich die Pädagogen schon ein eigenes Bild von dem Umbau machen. Peter Heinrich, psychologischer Schulberater vom Regierungspräsidium Stuttgart, berichtet: "Die Schulgemeinschaft wird gut vorbereitet und voller Vorfreude hier einziehen."

Auch nach der Rückkehr der Schüler und Lehrer wollen Psychologen präsent sein und ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. "Aber das Ziel ist es, sich selber überflüssig zu machen", fügt Heinrich hinzu.

Sicherheitstechnisch wurde aufgerüstet: In jedem Unterrichtsraum gibt es für den Lehrer leicht erreichbar einen Alarmknopf, mit dem er für das gesamte Gebäude eine Ansage auslösen kann - entweder die Schule zu verlassen oder sich in sichere Bereiche zu begeben. Zudem wird der Alarm direkt an die Polizei weitergeleitet, eine Besonderheit, die sonst nur bei Banken und Juwelieren üblich ist.

Ein neues Sicherungssystem erlaubt den Lehrern, bei Bedrohung die Klassenräume von innen zu verschließen. Ein Chip-Token macht den Pädagogen überdies das Öffnen von außen möglich, etwa wenn sich Schüler einschließen. Farbliche Markierungen und einfach beschriftete Schilder sollen der Polizei bei einem möglichen Einsatz die Orientierung erleichtern. Dass es absolute Sicherheit nicht geben kann und darf, ist den Beteiligten auch klar: "Wir möchten keine geschlossene Einrichtung, sondern ein offener Teil der Gesellschaft bleiben", sagt der Winnender Bürgermeister Norbert Sailer.

Außerdem sind die Zugänge zu den Klassenräumen so konzipiert, dass sie nicht im Rücken der Schüler betreten werden können. Denn bei seinem Amoklauf hatte der Todesschütze Klassenzimmer betreten und von hinten auf die ahnungslosen Schüler gefeuert.

In den drei Taträumen soll nie mehr regulär unterrichtet werden; in einem ist eine Gedenkstätte geplant. Sie soll informieren, aber auch stille Einkehr ermöglichen. Das Herzstück der Schule ist die neue Aula, ein Anliegen der Schulgemeinschaft. Auf dem dortigen Aufzug prangt das Motto der Schule, das mit ihrer Wiedereröffnung neue Bedeutung erlangt: "Ich habe einen Traum".

Von Julia Giertz, dpa / otr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.