Neue Pisa-Auswertung Deutschland erneut abgewatscht

Die Unesco hat am Dienstag eine ergänzende Pisa-Studie vorgelegt. Die gute Nachricht: Deutschland liegt vor Albanien, Mazedonien und Peru. Die schlechten Nachrichten: Bei der Chancengleichheit hapert es, deutsche Schüler bleiben im unteren Mittelfeld - und geben ihren Lehrern miserable Noten.


Pisa-Protest: Trend zum Analphabetentum
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Pisa-Protest: Trend zum Analphabetentum



Bei einer neuen Auswertung der internationalen Schulleitungsstudie Pisa haben deutsche Schüler abermals schwach abgeschnitten. Bei der Lesekompetenz rutschte Deutschland um einen Rang ab und rangiert von insgesamt nunmehr 43 Ländern auf Platz 22 statt bisher auf Platz 21, bleibt in Mathematik und Naturwissenschaften aber auf Rang 21. Und wie schon in der ersten Fassung der Pisa-Untersuchung betonen die Autoren, dass Deutschland in Sachen Chancengleichheit weltweit zu den Schlusslichtern gehöre.

Am Pisa-Schulvergleich hatten zunächst 32 Länder teilgenommen. Inzwischen hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) elf weitere Länder neu aufgenommen: Albanien, Argentinien, Bulgarien, Chile, Hongkong, Israel, Indonesien, Mazedonien, Peru, Rumänien und Thailand. In jedem der jetzt 43 Länder wurden mindestens 4500 Schüler im Alter von 15 Jahren befragt.

Neue Daten wurden für die Zusatzauswertung in Deutschland und anderen Ländern nicht erhoben, aber nun können die Leistungen in reichen Industriestaaten und sehr viel ärmeren Ländern verglichen werden. Dabei landeten fast alle der neu untersuchten Länder im unteren Drittel der Rangliste. Eine Ausnahme ist lediglich Hongkong, das Platz 3 hinter Finnland und Südkorea schaffte.

Pisa-Grafik: Deutschland im Vergleich von 32 Nationen
DER SPIEGEL

Pisa-Grafik: Deutschland im Vergleich von 32 Nationen

Nach Auffassung der Unesco, die am Dienstagmorgen in London die Ergebnisse vorstellte, ist die Bildungssituation an Schulen in Entwicklungsländern dramatisch schlecht. So erreichte mehr als die Hälfte der Jugendlichen in Nicht-OECD-Ländern wie Albanien, Brasilien, Mazedonien und Peru nur die niedrigste Stufe der Lernkompetenz. "Diese Schüler sind in akuter Gefahr, Analphabeten zu werden", heißt es im Unesco-Bericht.

Gleichzeitig mahnte die Unesco die Länder, ihre Schüler nicht zu früh nach Leistung zu differenzieren, um die sozialen Gegensätze nicht noch weiter zu verstärken. Notwendig seien stattdessen bessere Bildungsangebote für Benachteiligte und Minderheiten. Als zwei wichtige Faktoren für gute Lernerfolge nannte die Unesco eine gute Zusammenarbeit im Kollegien sowie eigenständige Schulen.

Was Schulen kosten
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Was Schulen kosten

Die Autoren der Studie kritisierten erneut die mangelnde Chancengleichheit, vor allem zwischen deutschen Kindern und Mitschülern ausländischer Herkunft, in Deutschland. Dort sei die soziale Herkunft für den schulischen Erfolg viel wichtiger als in anderen Ländern. Die Spannweite zwischen guten und schlechten Schülern in Deutschland sei besonders groß, ebenso wie die Qualitätsunterschiede zwischen einzelnen Schulen.

"Zu den reichen Ländern, die ein relativ hohes Maß an Gleichheit erreicht haben, gehören Japan, Korea, Island, Hongkong, Schweden und Kanada", heißt es in der Studie, "im Gegensatz dazu haben unter anderem Deutschland, die Schweiz, Großbritannien und die Vereinigten Staaten ein relativ niedriges Maß an Gleichheit."

Das Personal ist auch nicht mehr wie früher

Grafik: Platzierungen nach Bundesländern
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Grafik: Platzierungen nach Bundesländern

Andreas Schleicher, OECD-Mitarbeiter in Paris und als "Mr. Pisa" bekannt, forderte, das deutsche Schulsystem müsse sich stärker an den Interessen und Fähigkeiten der einzelnen Schüler orientieren. Als Musterschüler hob Schleicher Hongkong hervor, wo es 45 Prozent Migrantenkinder gibt (in Deutschland 16 Prozent): "Das Beispiel zeigt, dass es zentral darauf ankommt, die individuelle Förderung nach klaren Leitsätzen in das Gesamtbildungssystem zu integrieren."

Die neue Auswertung der OECD und der Unesco belegt auch, dass die Zufriedenheit der Schüler mit den Lehrern keineswegs unmittelbar mit der Ausstattung der Schulen und den Lernbedingungen zusammenhängt. Deutschland schneidet in diesem Punkt viel schlechter ab als ärmere Länder: Schüler in Albanien, Argentinien, Bulgarien, Chile, Mazedonien und Peru zeigten sich wesentlich zufriedener mit ihren Lehrern als deutsche Schüler. Nur in Polen, Tschechien und Südkorea bekamen die Lehrer noch schlechtere Noten.




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