Neuseeland Zehntausende Lehrer streiken für mehr Geld

Mehr als die Hälfte der neuseeländischen Schulen blieb am Mittwoch dicht. Rund 50.000 Lehrer fordern mehr Gehalt und legen mit ihrem Streik den Unterricht lahm.

Kreativer Protest der streikenden Lehrkräfte in Neuseeland
Dave Rowland/ Getty Images

Kreativer Protest der streikenden Lehrkräfte in Neuseeland


In Neuseeland blieb am Mittwoch mehr als die Hälfte der Schulen geschlossen. Der Grund: Rund 50.000 Lehrer haben für einen Tag die Arbeit niedergelegt, um ihre Forderungen nach besserer Bezahlung zu untermauern.

Die Lehrer im Pazifikstaat fordern mindestens 15 Prozent mehr Gehalt sowie bessere Arbeitsbedingungen. Die Regierung unter Labour-Premierministerin Jacinda Ardern bietet bislang jedoch nur drei Prozent Plus - was der Regierungschefin viel Kritik einbringt.

Wenn die Regierung Bildung wertschätzen wolle, dann müsse sie auch die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer wertschätzen, heißt es bei den Gewerkschaften. Die Lehrkräfte würden unter enormem Druck arbeiten.

Nach Gewerkschaftsangaben ist dies der bislang größte Streik in der Geschichte Neuseelands. 700.000 Schülerinnen und Schüler sind davon direkt betroffen, schreibt der "Guardian". Zahlreiche Eltern hätten deshalb nicht zur Arbeit gehen können. Trotzdem sei die Solidarität mit den streikenden Lehrern hoch.

Zuvor hatte es bereits drei Protesttage gegeben. Die Gewerkschaften Educational Institute (EI) und Post Primary Teachers' Association (PPTA) schrieben in ihrem Aufruf, der Bildungssektor sei seit einem Jahrzehnt "chronisch unterfinanziert". "Dies führt dazu, dass Lehrer unterbezahlt und überarbeitet sind. Das hat zur Folge, dass so viele Lehrer wie noch nie ihren Beruf verlassen."

him/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Korken 29.05.2019
1. Und wieviel ist es denn?
Die wichtigste Info fehlt, um die Nachricht einordnen zu können: Wieviel verdienen Lehrer denn in Neuseeland und wie steht das zu anderen Verdiensten/Lebenshaltungskosten dort.
at.engel 29.05.2019
2.
Nach einer OCED-Studie lag das Eintiegsgehalt 2005 auf der Höhe Portugals, und das Gehalt nach 15 Jahren Berufserfahrung ungefähr auf der Höhe Frankreichs - dh. immer noch weit unter dem Einstiegsgehalt(!) eines Lehrers in Deutschland. Noch schlechtere Einstiegsehälter zahlen nur Ungarn, Mexiko und Tschechien. In Portugal liegen die Lebenshaltungskosten sicher ein Stück unter denen Deutschlands, aber in Frankreich liegen sie schon über Deutschland. Und in Neuseeland dürfe das nicht viel besser sein. In Frankreich muss ein Lehrer schon gut zehn Jahre unterrichten, ehe er ein halbweg akzeptables Gehalt sieht - und das dürfte dann immer noch gut 10000€/Jahr unter dem liegen, was in Deutschland dann ein Lehrer verdient. Ist aber eben schwer zu sagen, weil die regionalen Unterschiede in Deutschland eben schon erheblich sind.
nickleby 29.05.2019
3. fakten
Ein Lehrer an weiterführendern Schulen verdient in Neuseeland zwischen € 32 000 und 45 000 pro Jahr. Das Gehalt ist üblich nach 10-15 Dienstjahren. Es gibt Zulagen, die bis zu 5000 betragen können ps://www.careers.govt.nz/jobs-database/education-and-social-sciences/education/secondary-school-teacher/about-the-job Der deutsche Lehrer verdient zwischen € 38000 und € 72000- Funktionsstelleninahber ( A15 bzw. A16) erhalten höherer Vergütungen
Lesenkönner 29.05.2019
4. @#3 nickleby Korrektur:
Die (etwas mehr als 72.000) sind nach BesO NRW schon das Endgehalt der "Funktionsstelle" A 16 (OStD, Leitung Gymnasium) nach etwa 30 Dienstjahren. Der normale Studienrat A13 kommt am Ende auf die gut 62.000 im Jahr. Ab A 14 fangen die Funktionsstellen an. Nur, bevor hier wieder unnütze Diskussionen losgehen...
TS_Alien 29.05.2019
5.
In Deutschland ist in den letzten 20 Jahren das Gehalt eines beamteten Lehrers deutlich geringer gestiegen als das durchschnittliche Gehalt eines Angestellten. Schätzungen gehen von über 20 % aus, die den Lehrern in einigen Bundesländern vorenthalten worden sind. Dafür sind sie mit mehr Arbeit "belohnt" worden. Dürften beamtete Lehrer in Deutschland streiken, wäre viel los. Die Klassen bzw. Kurse sind oftmals zu groß, die Arbeitsbedingungen im Lehrerzimmer sind katastrophal, die Arbeitsbelastung ist über Monate hinweg in gesundheitlich bedenklichen Bereichen (auch so kann man die Anzahl der Pensionäre verringern). Und das Gehalt ist in einigen Bundesländern viel zu niedrig. Aber Geld für unsinnige Aktionen (Digitalpakt, "Kompetenz"-Tests, ...) ist bei den Verantwortlichen vorhanden. Die neuseeländischen Lehrer machen es richtig. Bildung ist wichtig. Die entscheidenden Weichen für den Bildungserfolg werden in der Schule gestellt. Dies geht nur mit motivierten und zufriedenen Lehrern. Offensichtlich verstehen auch die neuseeländischen Politiker diese einfachen Zusammenhänge nicht.
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