Flüchtlingskinder Malala fordert Garantie auf Bildung

Sie lernen weder lesen, schreiben noch rechnen: Zehntausende Flüchtlingskinder aus Syrien gehen nicht zur Schule. Die Nobelpreisträgerin Malala Yousafzai, selbst erst 19, will ihnen helfen - und macht an oberster Stelle Druck.

Malala Yousafzai
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Malala Yousafzai


Die Nobelpreisträgerin Malala Yousafzai hat die führenden Nationen der Welt aufgefordert, allen Flüchtlingskindern eine zwölfjährige Schulausbildung zu garantieren. "Mehr Kinder als je zuvor verbringen ihre Schuljahre als Flüchtlinge, Bildung ist jetzt entscheidend", mahnte die 19-Jährige kurz vor der 71. Tagung der Uno-Generalversammlung in New York.

Der Umgang mit mehr als 21 Millionen geflüchteten Menschen ist bei der Uno-Tagung eines der Hauptthemen der Staats- und Regierungschefs am 19. September. Yousafzai wird dieses Jahr nicht daran teilnehmen. Sie wolle sich auf die Schule und ihre College-Bewerbungen konzentrieren, sagte sie der Nachrichtenagentur Associated Press am Telefon.

Für das Gespräch unterbrach die Schülerin ihre Hausaufgaben. "Wenn Kinder schon nach der Grundschule abgehen und aufhören zu lernen, können sie nicht vorankommen, zur Universität gehen und sich ihre Träume erfüllen", sagte Malala, die sich seit Jahren für die Rechte von Kindern einsetzt.

Nachdem ihr ein Talibankämpfer in den Kopf geschossen hatte, weil sie in ihrer Heimat Pakistan für die Bildung von Mädchen gestritten hatte, ging sie nach Großbritannien. 2014 erhielt sie den Friedensnobelpreis.

Malalas Forderung nach Bildung betrifft zahllose Flüchtlingskinder. Allein in Jordanien konnten mehr als 90.000 Kinder aus Syrien im vergangenen Jahr nicht in die Schule gehen. Wie zum Beispiel die jüngsten Söhne von Intissar Ghozlan, 12 und 14 Jahre alt.

Seit die Familie vor zwei Jahren von Syrien nach Jordanien geflohen ist, hatten die beiden keinen Unterricht mehr. In den Klassen vor Ort sind keine Plätze frei. Die Jungs könnten "kaum ihre Namen schreiben", sagt ihre Mutter. In diesem Jahr soll sich die Lage allerdings bessern - wenn das Geld reicht.

Jordanien hatte bei einer Hilfskonferenz für Syrien vor wenigen Monaten versprochen, allen Flüchtlingskindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Dazu wollte man mehr Nachmittagsunterricht anbieten und Tausende neue Lehrer einstellen. Geberländer hatten zugesagt, Jordanien dabei zu unterstützen - auch um Flüchtlinge von einer Zuwanderung nach Europa abzuhalten.

Anfang September konnten bereits zahlreiche Flüchtlingskinder eingeschult werden. Jordaniens Bildungsminister Mohammed Thnaibat betont jedoch, dass in den nächsten drei Jahren etwa eine Milliarde US-Dollar nötig seien, um die Kinder zu unterrichten und den überfüllten Schulen entgegenzuwirken.

Bisher habe Jordanien 80 Millionen US-Dollar erhalten - laut Thnaibat genug, um die Schulen erst einmal für alle zu öffnen, aber nicht genug, um die Programme für das ganze Jahr am Laufen zu halten.

lku/fok/AP



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