Lehrermangel in Nordrhein-Westfalen Flüchtlinge sollen an Schulen unterrichten

Der Mangel ist groß: Nordrhein-Westfalen braucht Tausende zusätzliche Lehrkräfte, aber der Markt ist leergefegt. Nun macht die Landesregierung einen neuen Vorschlag.

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imago images / Westend61

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Etwa 5800 Lehrer fehlten zuletzt in Nordrhein-Westfalen: Nun will das Land den Mangel beheben, indem es ausländische Fachkräfte einstellt, darunter auch Flüchtlinge. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der SPD an die Landesregierung hervor.

Man müsse alle vorhandenen Ressourcen ausschöpfen, schreibt darin Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). "Ausländische Lehrkräfte, die in den letzten Jahren in unser Land gekommen sind, sind solch eine kostbare Ressource, die weitestgehend ungenutzt bleibt."

Überlegt werde, die für Pädagogen aus der Europäischen Union (EU) vorgesehenen "Ausgleichsmaßnahmen zur vollen Lehramtsbefähigung" auch für Lehrkräfte aus Drittstaaten zu öffnen, heißt es in dem Schreiben. Nähere Angaben dazu konnte das Ministerium für Schule und Bildung in NRW auf Nachfrage des SPIEGEL zunächst nicht machen.

Normalerweise absolvieren Lehrer in Deutschland ein Studium und ein anschließendes Referendariat - nun sollen sich Bewerber auch auf alternativen Wegen qualifizieren können.

Schon jetzt böten zwei nordrhein-westfälische Universitäten das Programm Lehrkräfte Plus an, das sich speziell an ausländische Lehrer richtet. Es soll ihnen den Einstieg in das deutsche Schulsystem erleichtern - der Kurs beinhalte einen Intensivsprachkurs und eine "pädagogisch-interkulturelle Qualifizierung".

An der Universität Bochum stünden allerdings nur 25 Plätze zur Verfügung - es hätten sich aber 235 Personen darauf beworben. Auch in Bielefeld sei die Situation ähnlich. "Dieses Lehrkräftepotential nicht zu nutzen und somit Unterrichtsausfall in Kauf zu nehmen, kann und darf nicht länger geduldet werden", schreibt die Ministerin.

Ausländische Lehrkräfte haben bereits die Möglichkeit, sich für den deutschen Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Es können etwa Abschlüsse anerkannt werden, die der deutschen Lehrerausbildung entsprechen. Auch ein Seiteneinstieg ist möglich - wenn der Bewerber einen Universitätsabschluss in mindestens zwei Fächern nachweisen kann. In diesem Fall müssen die Bewerber einen berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst absolvieren.

Bundesweit herrscht Lehrermangel: Bis 2030 sei mit einem durchschnittlichen Einstellungsbedarf von knapp 32.000 Lehrern pro Jahr zu rechnen, rechnete die Kultusministerkonferenz im vergangenen Jahr vor. Besonders an den Grundschulen fehlt schon jetzt Personal. Dadurch fällt oft Unterricht aus.

lmd



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