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07. Februar 2017, 18:49 Uhr

NRW

Moscheeverband lässt Sitz in Beirat für Islamunterricht ruhen

Der türkisch-islamische Moscheeverband reagiert auf die jüngsten Spitzelvorwürfe. Ditib nimmt seinen Sitz im Beirat für den Islamunterricht in Nordrhein-Westfalen vorerst nicht wahr.

Ditib hat auf eine Forderung von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann reagiert. Die nächsten Termine des Beirats für den Islamunterricht in NRW werden ohne einen Vertreter des Verbands stattfinden. In einer Erklärung hieß es am Dienstag, damit solle jeder "Schaden vom Beirat und damit von den Muslimen in Deutschland" abgewendet werden. Zunächst sollten die Spitzelvorwürfe gegen den Verband geklärt werden.

Ditib hatte unlängst bestätigt, dass Imame des Verbands Informationen über Anhänger des von der Türkei als Staatsfeind gesuchten Predigers Fethullah Gülen nach Ankara geschickt hatten. Der Verband sprach von einem Versehen.

Mit der Entscheidung, den Beiratssitz ruhen zu lassen, wolle Ditib zur Versachlichung der aktuellen Debatte beitragen, erklärte der Verband. Zugleich verwahrte er sich gegen einen "Generalverdacht" oder eine Vorverurteilung der zugehörigen Moscheegemeinden und Hunderttausenden von Gemeindemitgliedern.

Ditib habe in Nordrhein-Westfalen "Pionierarbeit" für die Etablierung des islamischen Religionsunterrichts geleistet, hieß es in der Mitteilung. Es sei "ein großes Anliegen, dass dieser erfolgreich weitergeführt wird".

Löhrmann begrüßte die Entscheidung. "Der Beirat kann seine Arbeit nun unbelastet von den Vorwürfen fortsetzen", erklärte sie. Dies sei "ein gutes Zeichen für den islamischen Religionsunterricht".

"Ich kann mir vorstellen, dass Ditib der Schritt nicht leicht gefallen ist, und würdige ausdrücklich den Beitrag zur Einführung des islamischen Religionsunterrichts in Nordrhein-Westfalen", erklärte Löhrmann. Die Ministerin betonte, Ditib sei "aufgefordert, weiter an der Aufklärung der Spitzelvorwürfe mitzuwirken".

Dem Verband werden rund 900 Moscheegemeinden in Deutschland zugerechnet, die vorwiegend von Muslimen mit türkischen Wurzeln besucht werden. Der Dachverband ist personell und organisatorisch eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet verwoben, die direkt der Regierung in Ankara unterstellt ist.

ler/AFP

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