Bildungsverlierer in Deutschland Keine Schule, keine Lehre, kein Job

Die deutsche Wirtschaft brummt, trotzdem warnt die OECD: Denn Bildungsverlierer haben nichts davon.
Jobsuche im Jobcenter

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Foto: imago

In kaum einem anderen Land gehen so viele junge Menschen zur Schule, sind in Ausbildung oder haben einen Job wie in Deutschland. Trotzdem gibt es weiterhin viele Jugendliche, die davon ausgeschlossen bleiben: Der Anteil junger Menschen ohne qualifizierten Abschluss stagniert seit Jahren, kritisiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrer Studie "Bildung auf einen Blick".

Demnach waren in Deutschland im vergangenen Jahr 8,6 Prozent der 15- bis 29-Jährigen nicht in Bildung, Ausbildung oder Beschäftigung. Das ist einer der niedrigsten Anteile im Vergleich der OECD-Länder. Nur Island (6,2 Prozent), die Niederlande und die Schweiz (beide 8,3 Prozent) sowie Luxemburg (8,4 Prozent) schneiden besser ab. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 14,6 Prozent.

Dass die Chancen für viele junge Menschen in Deutschland so gut sind, liegt an der guten Wirtschaftslage und der als vorbildlich geltenden Bildung, sagt der OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher. Der Übergang in den Beruf sei in der Regel reibungslos. Trotzdem gibt es in Deutschland nach wie vor sogenannte Bildungsverlierer. Ein Problem, an dem sich wenig ändert.

Der Anteil der Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur ist der OECD-Studie zufolge in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten kaum gesunken. Er liegt bei den heute 25- bis 34-Jährigen bei 13 Prozent, in der Gruppe der 55- bis 64-jährigen bei 14 Prozent. In anderen Ländern konnte der Anteil der Geringqualifizierten in den vergangen 30 Jahren deutlich verringert werden: in Österreich etwa von 23 auf 10 Prozent, in der Schweiz von 16 auf acht Prozent und in Korea gar von 43 auf Prozent.

"Diese geringe Dynamik beim Ausbau grundlegender Qualifikationen ist auch deshalb unbefriedigend, weil gerade bei Migranten der Bildungsaufstieg aus bildungsfernen Milieus nur schwer zu gelingen scheint", kritisierte Schleicher in einem Redemanuskript.

Er verwies darauf, dass in Deutschland nur rund die Hälfte der 25 bis 44-Jährigen, deren Eltern beide im Ausland geboren wurden, zumindest einen Abschluss auf dem Niveau von Sekundarstufe II erreichten, wenn beide Eltern selbst geringqualifiziert waren. Hatten die Eltern den gleichen Bildungslevel, waren aber in Deutschland geboren, gelang bei rund vier Fünftel der 25 bis 44-Jährigen der Bildungsaufstieg.

"Das muss so nicht", sagte Schleicher. In Australien, England, Estland, Irland, Israel, Kanada, Neuseeland oder Singapur schaffte ein deutlich höherer Anteil der Migranten den Aufstieg aus einem bildungsfernen Hintergrund.

Deutschland zahlt weniger für Bildung als andere

Wie schon in den Jahren zuvor kritisiert die OECD wieder, dass Deutschland, gemessen an seinem Bruttoinlandsprodukt, weniger Geld in sein Bildungssystem investiert als andere Staaten: 4,2 Prozent des BIP fließen in die Bildung, im OECD-Durchschnitt sind es mit 4,8 Prozent deutlich mehr.

Auch wenn es darum geht, wer für Bildung bezahlt, gibt es deutliche Unterschiede zwischen Deutschland und den anderen OECD-Ländern. Die meisten Staaten beteiligten durch Studiengebühren "die gut verdienende Bildungsgewinner" an der Finanzierung - in Deutschland bitte man die Jüngsten zur Kasse, sagt Schleicher. Denn in der frühkindlichen Bildung liege der private Finanzierungsanteil bei etwa einem Viertel und damit deutlich über dem OECD-Schnitt.

dpa/fok
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