OECD-Studie Deutschland spart bei Studierenden

Einer Untersuchung zufolge gibt Deutschland immer noch weniger Geld für Bildung aus als andere Länder. Vor allem für Studierende sanken die Ausgaben.
Studenten im Hörsaal

Studenten im Hörsaal

Foto: Swen Pfˆrtner/ picture alliance / dpa

Die Hörsäle sind voll, die Studienplätze hart umkämpft: In Deutschland ist die Zahl der Studierenden in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen - auf fast drei Millionen im Wintersemester 2015/16, knapp eine Million mehr als noch vor zehn Jahren. Die Akademikerrate hat sich damit erhöht, so wie dies in OECD-Studien bisher oft gefordert wurde. Zufrieden sind die Bildungsexperten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung trotzdem nicht.

In kaum einem anderen OECD-Land hätten sich die Studierendenzahlen so rasant entwickelt wie in Deutschland. Die Bildungsausgaben im Hochschulbereich hielten damit aber nicht Schritt, kritisieren die Autoren in dem Bericht "Bildung auf einen Blick",  der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Unterm Strich gab Deutschland demnach pro Student weniger Geld aus als 2008 - und zwar zehn Prozent. "Die Ausgaben sanken dabei in vergleichbarem Umfang wie in Spanien während der Finanzkrise", sagte der OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher.

Deutschland habe seine Ausgaben für Hochschulen zwar von 2008 bis 2013 um 16 Prozent erhöht - allerdings bei einer Steigerung der Studierendenzahlen um 28 Prozent. Die Bildung eines Studenten ließ sich die Bundesrepublik damit pro Jahr im Schnitt einige Hundert Euro weniger kosten als die 35 OECD-Länder im Schnitt. Das gilt, wenn man die Mittel berücksichtigt, die unmittelbar den Unterricht betreffen.

Deutschland schont die "Bildungsgewinner"

Nach Ansicht der Experten läuft bei der Finanzierung des deutschen Bildungssystems insgesamt etwas schief. Während andere Länder den Andrang an den Unis etwa über Studiengebühren finanzieren, liegt der Anteil privater Mittel in Deutschland nur bei 14 Prozent - und damit im Ländervergleich am unteren Ende der Skala. Der OECD-Schnitt: 30 Prozent.

Deutschland lässt dagegen Krippen und Kitas stark über private Mittel finanzieren. Nach Schleichers Darstellung absurd: "Während die meisten Staaten von den gut verdienenden Bildungsgewinnern erwarten, dass sie sich an den Kosten ihres Studiums beteiligen - oft durch nachgelagerte Studiengebühren - bittet man in Deutschland die Jüngsten zur Kasse", sagt Schleicher.

Dabei sollte es gerade für Familien mit Kindergartenkindern keine finanziellen Hürden geben, wenn es um Bildung geht. Denn bei den Jüngeren könnten Nachteile aufgrund eines bildungsfernen Elternhauses am ehesten ausgeglichen werden, so Schleichers Argumentation.

Und das wäre wichtig: Rund jeder zehnte junge Erwachsene bleibt in Deutschland ohne Berufsausbildung oder Abitur - mit entsprechend schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt, heißt es in der OECD-Studie.

Dabei hängt der Bildungserfolg nach wie vor stark vom Elternhaus ab.Immer noch hätten es vor allem Menschen aus "bildungsfernen" Familien mit Migrationshintergrund schwerer als in anderen Ländern.

Deutschlands Wirtschaft wächst stärker als seine Bildungsausgaben

Die deutsche Wirtschaft floriert, das könnte eigentlich jede Menge Geld in die Bildungsetats spülen - aber die OECD-Autoren stellten fest: Die deutsche Wirtschaft wuchs stärker als die Bildungsausgaben.

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) investierte Deutschland erneut deutlich weniger Geld in Bildung als andere Länder: Der Anteil liegt bei 4,2 Prozent, im OECD-Schnitt sind es 4,8 Prozent.

"Trotz der Priorität, die Bildungsinvestitionen beigemessen wird, investiert Deutschland immer noch einen geringeren Anteil seines Volksvermögens und seines öffentlichen Gesamthaushaltes in Bildung als andere Länder", heißt es in dem Bericht.

Keine Angst vor Akademisierungswahn

Bei der Akademikerrate hat die Bundesrepublik dagegen Fortschritte gemacht. Warnungen vor einem "Akademisierungswahn", die in Deutschland angesichts des Andrangs an den Unis immer wieder laut werden, finden die Bildungsexperten allerdings trotzdem abwegig. Sie sehen die Zahlen im internationalen Vergleich:

In den vergangenen zehn Jahren stieg demnach im OECD-Raum der Anteil von Menschen mit einem Uni-Abschluss oder einer Meisterprüfung auf durchschnittlich 42 Prozent - in Deutschland nur auf 30 Prozent.

Für die Absolventen lohne sich die Qualifikation, betonten die Autoren. Das Risiko arbeitslos zu werden sinkt, die Chance auf ein höheres Gehalt steigt. Schleicher: "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Arbeitsmarkt für höhere Qualifikation gesättigt ist."

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