OECD-Lehrerstudie Gutachter watschen Deutschland ab

Die Pisa-Schülerstudie ließ im vorigen Jahr alle Alarmglocken schrillen. Jetzt arbeiten Wissenschaftler im Auftrag der OECD an einer Lehrerstudie - und fällen ein vernichtendes Urteil über das deutsche Schulsystem. Es gehöre in ein längst "vergangenes ökonomisches und gesellschaftliches System".


Keine Leistungsanreize: Lehrer in Deutschland
GMS

Keine Leistungsanreize: Lehrer in Deutschland

Die gravierende Kritik ist in einem Reiseprotokoll festgehalten, über das die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtet. Fünf internationale Experten, so das Hamburger Blatt, hatten im September eine Vielzahl von Terminen mit Bildungspolitikern und -praktikern gehabt. Über das Schulsystem wussten sie danach so gut wie nichts Gutes zu sagen - aber viel Schlechtes.

Kern der Kritik ist die weltweit einmalige Einteilung in die Schultypen Hauptschule, Realschule und Gymnasium - von einer "Fragmentierung des Systems" sprechen die OECD-Wissenschaftler. Diese "Barrieren zwischen den Schulformen" seien auch bei der Lehrerbildung wiederzufinden. Daraus resultiere eine Lehrerschaft, die in verschiedenen Interessengruppen oft eher gegeneinander als miteinander agiere.

Grafik: Deutschlands Lehrer
DER SPIEGEL

Grafik: Deutschlands Lehrer

Sind denn die deutschen Lehrer schlecht? Das Protokoll der Forscher lastet die Verantwortung für die ungenügende Qualität des Unterrichts an deutschen Schulen eher dem System als den einzelnen Lehrern an. "Hoch engagierte Kollegien" scheiterten zu oft an rigiden Verwaltungsvorschriften, die wenig Raum für Engagement lassen. Die Autonomie der Schulen führe nicht zu mehr Verantwortlichkeit, weil es kaum eine Rechenschaftspflicht gebe. Und die Ausbildung liege in den Händen "von Institutionen, die nicht miteinander kooperieren".

Im Visier haben die Gutachter aus dem Ausland insbesondere den Beamtenstatus. Er stehe einer Professionalisierung des Berufsstands entgegen - leistungsgerechte Bezahlung etwa, so vermuten die Wissenschaftler, könnte auch an deutschen Schulen mehr Engagement bewirken. Vielleicht fehlen deshalb auch die Anreize zur lebenslangen Fortbildung der Lehrer. Im Protokoll resümmieren die Gutachter die Lehrerausbildung laut "Zeit" wie folgt: "Geballte Ladung in der ersten und zweiten Phase und dann nichts mehr bis zur Pensionierung."



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.