Gewalt im Unterricht Österreich plant separate Klassen für aggressive Schüler

Maximal acht Schüler und ein Sonderpädagoge: Österreich will verhaltensauffällige Jugendliche künftig außerhalb ihrer Klassen schulen - zumindest zeitweise.

Zwei Jungen prügeln sich auf einem Schulhof (Archivbild)
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Zwei Jungen prügeln sich auf einem Schulhof (Archivbild)


In Österreich sollen verhaltensauffällige Schüler bald in separaten Gruppen unterrichtet werden können. Wie das Bildungsministerium am Freitag mitteilte, sollen Schüler bei schweren disziplinarischen Verstößen vorübergehend aus dem Klassenverband ausscheiden und in speziellen "Time Out"-Klassen von Sonderpädagogen betreut werden. Das solle "verbindlich und unverzüglich" geschehen können, wenn Schüler den Unterricht stören.

Mehrere österreichische Medien hatten vor einigen Tagen über Gewalt an Schulen berichtet. So kursiert im Internet unter anderem ein Video, das Vorfälle an einer Wiener Schule zeigen soll. Dort ist zu sehen, wie Schüler einen Lehrer in die Enge treiben. Nachdem der Lehrer einen Schüler bespuckt haben soll, gingen einige Jugendliche ihn offenbar auch körperlich an. Die Berichte hätten die Pläne nicht ausgelöst, aber beschleunigt, sagte der österreichische Bildungsminister Heinz Faßmann.

Grundsätzlich sollen in den geplanten Sonderklassen maximal acht Schüler betreut werden, teilte das Ministerium mit. Sie sollen ein- bis zweimal pro Woche in "Time Out"-Klassen unterrichtet und nur in Extremfällen ganz vom regulären Unterricht ausgeschlossen werden. Ziel sei es, die auffälligen Schüler möglichst schnell wieder in den Regelunterricht einzugliedern.

Insgesamt könne die Teilnahme an einer "Time Out"-Gruppe eine Woche oder einen Monat lang erfolgen. "Viel länger soll es nicht dauern", sagte Faßmann. In weniger schlimmen Fällen sei es zudem möglich, Schüler für den Rest einer Stunde oder eines Schultags in einen "Cool-Down-Raum" zu verweisen.

Die bisherigen Regelungen im "Umgang mit gravierend verhaltensauffälligen Schülern" seien uneinheitlich und teils praxisfern, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums.

Neben den Maßnahmen für auffällige Schüler sollen in Österreich auch Fortbildungen für Lehrer und Schuldirektoren angeboten werden. Zudem sind präventive "Teambuilding-Maßnahmen" vorgesehen, wenn Klassen neu zusammengesetzt werden.

Die sozialdemokratische SPÖ sah die "Time-Out"-Klassen kritisch. Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid warnte vor einem Rückschritt zu veralteten Konzepten wie dem "Winkerlstehen", also einem In-die-Ecke-Stellen von Kindern und Jugendlichen mit problematischem Verhalten.

fek/dpa



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