Old School US-Lehrer prügeln mit Paddeln

An amerikanischen Schulen ist die körperliche Züchtigung von Schülern noch weit verbreitet: Bisher haben nur 28 von 50 US-Bundesstaaten das "Paddling" mit schweren Holzbrettern offiziell abgeschafft. Erst allmählich zeigen die Proteste von Prügel-Gegnern Wirkung.


In Deutschland nur zur Anschauung im Schulmuseum, in den USA gängig: Prügel vom Lehrer
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In Deutschland nur zur Anschauung im Schulmuseum, in den USA gängig: Prügel vom Lehrer

Das gefürchtete Instrument ist rund einen Meter lang, aus Holz und ähnelt einem Paddel. Mit Wucht auf den Hintern geschlagen, hinterlässt es Striemen oder sogar Blutergüsse. Zur Züchtigung müssen sich Schüler nach vorne beugen - eine ebenso schmerzhafte wie erniedrigende Prozedur.

US-Schüler, die in diesen Tagen aus den Ferien an ihre Schulen zurückkehren, müssen fürchten, auch im neuen Schuljahr dem "Paddling" ausgesetzt zu sein. Nur 28 amerikanische Bundesstaaten haben die Prügelstrafe offiziell abgeschafft, in den übrigen 22 ist sie noch erlaubt. Als letzter US-Bundesstaat griff Delaware im vergangenen Jahr seinen Lehrern in den Arm.

Organisationen wie das "Zentrum für effektive Disziplin" in Ohio laufen weiterhin Sturm gegen die Praxis. Die handfeste Züchtigung führe zu einem Klima der Gewalt und Einschüchterung, sagt Sprecherin Nadine Block. "Dabei gibt es viele andere, gute Methoden, Disziplin zu erreichen."

"Angemessene Züchtigung"

Auch in Großbritannien tobt der Streit zwischen Prügel-Befürwortern und Prügel-Gegnern, allerdings in abgemilderter Form. Dort ist an staatlichen Schulen die Prügelstrafe seit 1986 verboten, an Privatschulen seit 1999. Aber auf der Insel ist noch immer ein Gesetz in Kraft, das auf ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 1860 zurückgeht. Damals wurde ein Lehrer schuldig gesprochen, weil er seinen Schüler wegen schlechter Mathematik-Kenntnisse zu Tode geprügelt hatte. Eine "gemäßigte und angemessene Züchtigung" durch die Eltern sei, so schränkten die Richter im 19. Jahrhundert jedoch ein, annehmbar, "um das Böse im Kind" zu bestrafen. Spätere Erlasse bestätigten diesen Grundsatz.

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Derartiges Traditionsbewusstsein erzürnt auch in Großbritannien Prügel-Gegner und moderne Pädagogen. Ein Bündnis mit dem Namen "Kinder sind unschlagbar" kämpft seit Jahren für ein absolutes Züchtigungsverbot. Dem Parlament liegt ein entsprechender Änderungsantrag zum Kindergesetz vor. Im Oberhaus erhielt dagegen ein Antrag eine Mehrheit, der Eltern - nicht Lehrern - leichtes Schlagen erlaubt, solange es keine körperlichen oder seelischen Schäden hinterlässt und dabei keine Hilfsmittel benutzt werden.

In den USA sind die Anhänger der Züchtigung per Handarbeit landesweit auf dem Rückzug. Ein hartes Schulregiment führen sie weiterhin vor allem im "Bible Belt", den religiös geprägten Bundesstaaten, und im Süden. Am häufigsten zum Holzbrett griffen Lehrer im Jahr 2000 im Bundesstaat Mississippi: Laut US-Bildungsministeriums bekamen dort 9,8 Prozent der Schüler den Hintern versohlt. Auf den weiteren Plätzen folgen Arkansas mit 9,1 Prozent, Alabama mit 5,4 Prozent und Tennessee mit 4,2 Prozent.

"Dort sind es oft auch gerade die Kirchen, die hinter dem Paddling stehen", sagt Prügel-Gegnerin Nadine Block. "Sie sehen die körperliche Züchtigung im Alten Testament verankert." Seit 1980 sind die Zahlen aber stark gesunken, auch weil nach Angaben von Block einzelne Schulbezirke of das Paddling beenden, selbst wenn es in ihrem Bundesstaat offiziell noch zulässig ist.

In Deutschland sind Schüler noch nicht lange unschlagbar

In Deutschland wird dagegen ungebührliches Verhalten im Schulalltag nur durch verbale Kommunikation geahndet, in leichten Fällen beispielsweise durch Ermahnungen und Strafarbeiten. In schwereren Fällen setzt es einen Eintrag ins Klassenbuch, dann einen Verweis. Prügelstrafe im Klassenzimmer wurde in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst verboten, dann zum Teil erneut eingeführt und erst viel später wieder abgeschafft - in Bayern zum Beispiel 1970, in Baden-Württemberg sogar erst 1976.

Autoritäres Gebaren könnte es höchstens noch in der Schul-Soap mit dem Arbeitstitel "Harte Schule" geben, die das ZDF im kommenden Jahr ausstrahlen will. Der Sender suchte dafür kürzlich noch Lehrer mit Hang zum Drill. "Ich habe in den Sechzigern in der Grundschule noch auf die Finger gekriegt", so ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut. "Ausschließen will ich da nichts." Damit wollte Bellut offenbar die Spannung vorheizen - selbst in Großbritannien mussten die Lehrer bei "That'll teach them", dem Vorbild für die deutsche Reihe, auf Steißgetrommel mit dem Rohrstock verzichten.



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