Operndorf in Burkina Faso Schlingensiefs Traum startet mit einer Schule

Opernhaus, Werkstätten, Ateliers: Von einem ganzen Operndorf in Burkina Faso träumte Christoph Schlingensief. Jetzt, ein Jahr nach dem Tod des Regisseurs, eröffnet seine Witwe zumindest schon mal die Schule. Doch die soll erst der Anfang sein.

DPA

"Von Afrika lernen": Unter diesem Motto hat Deutschlands bekanntester Theater-Provokateur Christoph Schlingensief seine Idee eines Operndorfs in Burkina Faso entwickelt. Gut ein Jahr nach seinem Tod wird jetzt zumindest ein Teil des Traums wahr: Am Samstag soll seine Witwe Aino Laberenz unweit der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou eine Schule eröffnen - der Einstieg in das Festspielprojekt. "Heute feiern wir und das Leben im Dorf beginnt", sagt die 30-Jährige. "Und morgen bauen wir weiter!"

Die Schule nimmt in den kommenden sechs Jahren jeweils 50 Jungen und Mädchen auf. Zusätzlich zu den regulären Unterrichtsfächern soll es Film-, Kunst- und Musikangebote geben, in denen die Kinder lernen, sich künstlerisch auszudrücken. Deshalb gibt es neben den Klassenräumen ein Tonstudio für die Musik-Klasse und mehrere Werkräume. Der Unterricht soll sowohl in der offiziellen Landessprache Französisch, als auch in verschiedenen Stammessprachen stattfinden.

"Gemäß der Grundidee des Operndorfs, das vor allem Raum für junge Menschen schaffen will, wird zuallererst die Schule gebaut", so steht es auf der Homepage des Projektes. Der Grundstein für das Operndorf wurde im Februar 2010 gelegt. Das Konzept entwickelte Schlingensief mit dem preisgekrönten Architekten Francis Kéré: Um das eigentliche Opernhaus sollten schneckenförmig Schule und Werkstätten, Wohn- und Gästehäuser, Krankenstation und Büros entstehen. "Ein Projekt, wo Kunst und Leben zusammengehen", sagte Schlingensief.

Klimatisiertes Klassenzimmer - ohne Elektrizität

Mit dem Bau von Schulen hat Architekt Kéré bereits Erfahrung. In seinem Heimatdorf Gando in Burkina Faso baute er eine Grundschule mit Lehrerwohnhäusern. Die Schule im Operndorf hat er so konzipiert, dass es die Kinder möglichst angenehm haben: Bei einer Außentemperatur von bis zu 40 Grad im Schatten kühlt der Schulraum auf 25 Grad herunter - möglich durch ein Doppeldach mit Gewölbedecke und luftdurchlässigen Fenstern.

Nach Schlingensiefs Tod im August 2010 schien das Schicksal des Operndorfs zunächst ungewiss. Doch Aino Laberenz verstand die Vision ihres Mannes als Vermächtnis: Mit einem hochkarätigen Beraterkreis kurbelte sie die Bauarbeiten wieder an - mit der Schule ist nun die erste von drei Bauphasen abgeschlossen. Als nächstes soll die Krankenstation folgen, dann erst das eigentliche Opernhaus mit Werkstätten und Ateliers.

Unterstützt wird das Projekt vom Auswärtigen Amt, der Kulturstiftung des Bundes und dem Goethe-Institut. Neben dem deutschen gibt es inzwischen auch einen künstlerischen Beirat in Burkina Faso. Er solle Ideen entwickeln, wie das Projekt mehr und mehr in die Hand der Menschen vor Ort übergehen könne, so die Organisatoren.

Für den Architekten Kéré ist die Partnerschaft zwischen Europäern und Afrikaner Voraussetzung für das Gelingen des Projekts: "Die Europäer können Afrika anschubsen, inspirieren, aber sie müssen auch akzeptieren, wenn dabei etwas anderes herauskommt, als sie erwarten."

Von Nada Weigelt, dpa/jam



insgesamt 10 Beiträge
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achimberlin1961 08.10.2011
1. schönen Gruß von Fitzcarraldo
irgendwie fiel mir da zuerst der Film von W. Herzog ein. Deutsche Regisseure haben anscheinend ein Faible für Opern. wollen wir hoffen das es in realistischen Bahnen verläuft als im Film.
amgitsnops 08.10.2011
2. Good Luck
Zitat von sysopOpernhaus, Werkstätten, Ateliers: Von einem ganzen Operndorf in Burkina Faso träumte Christoph Schlingensief. Jetzt, ein Jahr nach dem Tod des Regisseurs, eröffnet seine Witwe zumindest schon mal die Schule. Doch die soll erst der Anfang sein. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,790557,00.html
Vielleicht wird sein Traum sogar wahr. Ich wünsche es und seiner Witwe die benötigte Kraft. Ganz so gaga, wie ich ihn immer empfunden habe, war er wohl nicht. Good Luck für seinen Traum.
janne2109 08.10.2011
3. ..........
ich habe noch immer nicht verstanden wie ein Opernhaus den Menschen dort helfen kann/soll. Wären nicht Schulen, Kindergärten etc. eher von Nöten gewesen?? Hier wird z. B. viel für die Entwicklung und bessere Startmöglichkeiten für Kinder getan: http://www.watotofoundation.nl/en/projects
YorkGooder 08.10.2011
4. eben nicht
Zitat von janne2109ich habe noch immer nicht verstanden wie ein Opernhaus den Menschen dort helfen kann/soll. Wären nicht Schulen, Kindergärten etc. eher von Nöten gewesen?? Hier wird z. B. viel für die Entwicklung und bessere Startmöglichkeiten für Kinder getan: http://www.watotofoundation.nl/en/projects
.. das war eben das Gute an CS, dass er andere Ideen als die "anderen" hatte. Schön der Link mit Ihrer Werbung. Ich glaube jedoch kaum, dass Ihre negative Beurteilung sehr objektiv ist. CS ist gestorben und lassen wir seine Witwe tun, was er wollte und nicht das, was andere für besser halten
nick23 08.10.2011
5. Andere Ideen
Ideen werden nicht dadurch besser, dass sie anders sind. Entscheidend ist doch, was sie den Menschen bringen.
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