Leseraufruf Was würden Kinder entscheiden? 

Schule und Familie: Eine Studie zeigt, wo Kinder mitreden dürfen und wie sie von mehr Partizipation und Teilhabe profitieren. Hier wollen wir sie zu Wort kommen lassen.

Spaß im Freien: Die meisten Kinder dürfen selbst entscheiden, was sie in ihrer Freizeit machen
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Spaß im Freien: Die meisten Kinder dürfen selbst entscheiden, was sie in ihrer Freizeit machen


Warum ist es gut, wenn Kinder in der Schule oder in der Familie mitreden dürfen? Wissenschaftler der Goethe Universität Frankfurt sind dieser Frage nachgegangen. Sie fanden heraus: Kinder, die regelmäßig um ihre Meinung gefragt werden und mitgestalten dürfen, sind mit ihrem Leben häufiger zufrieden.

Für 4. World Vision Kinderstudie haben die Forscher gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Kantar Public mehr als 2500 Kinder zwischen sechs und elf Jahren befragt, sie birgt noch weitere Erkenntnisse über Partizipation und Teilhabe junger Menschen:

  • In der Schule können Kinder vergleichsweise wenig mitgestalten: Nur jedes vierte Kind sagte, dass es bei der Wahl seines Sitznachbarn und bei der Aufstellung der Klassenregeln "oft" mitreden könne, bei der Gestaltung des Klassenzimmers und bei Schulfesten oder Schulausflügen war der Anteil noch geringer.
  • In der Familie sieht es besser aus: Mindestens acht von zehn Kindern dürfen selbst entscheiden, mit welchen Freunden sie sich treffen, was sie in ihrer Freizeit machen, welche Kleidung sie tragen und was es zu essen gibt.
  • Die Forscher fanden auch heraus, dass selbstbestimmte Kinder tendenziell mehr Freunde haben und ihre Freizeit vielseitiger und aktiver gestalten. Auch in der Schule wirkte sich die Partizipation positiv aus: Kinder, die vergleichsweise viel mitbestimmen dürfen, schätzten sich selbst häufiger als gute oder sehr gute Schülerinnen und Schüler ein.
  • Die Forscher gehen dabei von einer Wechselwirkung aus: Von sich aus sozial kompetente Kinder bekommen mehr Freiräume zugestanden, um eigene Entscheidungen zu fällen. Dadurch trainieren sie wiederum bestimmte Fähigkeiten. "Gelebte Mitbestimmung und das Erleben von Selbstwirksamkeit unterstützen eine stabile Persönlichkeitsentwicklung, befähigen zur Übernahme von Verantwortung und fördern die soziale Kompetenz von Kindern", schreiben die Macher der Studie.
Kinder.Macht.
    "Fridays for Future" - unter diesem Motto gehen Zehntausende Schülerinnen und Schüler in Deutschland seit Monaten auf die Straße, um sich für mehr Klimaschutz stark zu machen. Sie fordern politische Mitbestimmung, haben aber kein Wahlrecht. Welche Möglichkeiten haben Kinder und Jugendliche noch, wenn sie mitreden, mitentscheiden wollen? Was wollen sie anders machen als Erwachsene? Und auf welche Widerstände stoßen sie? Diesen Fragen geht der SPIEGEL in einer Themenwoche mit Reportagen, Berichten und Interviews nach. Hier geht's zu weiteren Artikeln.

Doch was entscheiden Kinder, wenn sie mitreden dürfen? Wie würden sie die Welt gestalten? Was würden sie verändern?

Jetzt seid ihr dran: Wenn ihr noch keine 18 Jahre alt seid, freuen wir uns auf eure E-Mails. Schreibt uns an diese Adresse, wie ihr euren Alltag und den anderer Menschen umkrempeln würdet, wenn ihr das allein entscheiden dürftet. Würdet ihr dafür sorgen, dass euch niemand mehr mit dem Auto zur Schule fährt? Oder erst recht jeden Tag? Würdet ihr überhaupt noch in die Schule gehen - und was würdet ihr dort lernen?

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lov

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insgesamt 2 Beiträge
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hannibalanteportas 01.07.2019
1. Partizipation ist ein wichtiger Teil
Die anderen sind Beziehung, Verantwortung und Grenzen. Nach über einem Jahrzehnt psychotherapeutischer Arbeit mit psychisch kranken Kindern und Eltern kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass die Balance dieser "Faktoren", auch untereinander, entscheidend ist. Und die Nachsicht mit sich selbst, wenn man/frau es mal nicht "perfekt schafft". Ansonsten lieber SPON hätten mich ein paar mehr Details zu der Studie interessiert als nur plakativ zusammengefasste Punkte. Wenn man auf den Link klickt, so sieht man, dass die Zufriedenheitsraten von viel zu mittel und von mittel zu wenig Partizipation sich nur um wenige Prozentpunkte unterscheiden. Sind diese Unterschiede signifikant im statistischen Sinne? Wenn man Studien referiert, so ist das immer ein wichtiger Punkt.
patrick.ruediger 01.07.2019
2. Mitbestimmung so früh wie möglich
Mitbestimmung sollte so früh wie möglich beginnen, schon deutlich vor der Schulzeit. Wir lassen unsere 2-Jährige Tochter mitbestimmen woimmer es geht. Z.B. kann sie öfters zwischen mehreren Möglichkeiten wählen hinsichtlich mitagessen (und beim Abendessen sowieso). Zwar sind bestimmte Regeln einzuhalten (z.B. beim Abendbrot wird erst Aufgegessen was man sich schon genommen hat, bevor sich etwas neues genommen wird), aber die Regeln werden häufig erklärt und nicht einfach nur vorgetragen und durchgesetzt. Meiner Meinung nach übt ein Kind so, frühzeitig selbst Entscheidungen zu Fällen und mit den Konsequenzen umzugehen (Nein, du hast dir schon Schinken ausgesucht - bevor du den Aufgegessen hast gibts kein Käse...). Selbst durfte ich mir als 10-Jähriges Kind die weiterführende Schule frei auswählen. Meine Eltern haben nur darauf Wert gelegt, dass ich mir die Optionen tatsächlich vernünftig anschaue. Die Entscheidung war dann meine eigene aus wirklich vielen verschiedenen Optionen. Ich ging dann gegen den ursprünglichen Rat der Lehrer aufs Gymnasium - weil ich das wollte, und von mir aus entschieden habe einen speziellen Auslastungstest mitzumachen um trotz mässiger Grundschulnoten aufs Gym zu dürfen (und es war kein Fehler, mit 23 hatte ich dann mein Physik-Diplom). Ich kenne einige andere, denen wurde von klein auf Vorgegeben welchen Weg sie zu beschreiten haben. Diejenigen haben oft damit Probleme selbstständig zu wissen, was sie eigendlich wollen - ihnen wurde halt früher ständig vorgeschrieben was gut für sie ist und sie daher zu wollen haben. Ich finde man sollte als Eltern nur da Vorgaben machen wo a) es sicherheits bzw. gesundheitsrelevant ist, b) das Kind die Konsequenzen noch gar nicht selbst überblicken kann oder c) der eigene Zeitplan es zwingend erfordert (i.e. wenn am Wochenende viel zu erledigen ist, steht die Option in den Tierpark gehen halt schlicht nicht zur Auswahl). Wenn man vorschriften macht, sollten diese so wenig gravierend wie möglich sein. Eine 2-Jährige kann z.B. noch nicht am Morgen entscheiden, ob es ein Pulli oder T-Shirt sein sollte, da sie noch keine 3 Stunden voraus an höhere Temperaturen denkt, d.h. schreibt man die Option "T-Shirt" vor. Unter den verfügbaren T-Shirts darf sie dann jedoch auswählen.
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