Pflichtfach im Südwesten Eltern klagen gegen Französisch-Zwang

Tu parles français? In Baden-Württemberg pauken Grundschüler entlang des Rheins ab der ersten Klasse Französisch. Nun soll die Sprache auch für Fünftklässler an Gymnasien Pflicht werden. "Sans nous!", rufen Eltern und wehren sich vor Gericht gegen den Sprachzwang.


Die Mutter eines Karlsruher Schülers will mit einer Klage erreichen, dass ihr Sohn in der fünften Klasse seine Wunschkombination Englisch und Latein wählen kann - und nicht zum Französischlernen verdonnert wird. Der Anwalt der Familie hat einen Normenkontrollantrag gegen die Verordnung, die ab dem kommenden Schuljahr gelten soll, beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim eingereicht. Darin prangert der Jurist einen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot sowie die Einschränkung der Wahlfreiheit der Eltern an.

Französischer Korridor: Erboste Eltern wehren sich gegen den Sprachzwang
DER SPIEGEL

Französischer Korridor: Erboste Eltern wehren sich gegen den Sprachzwang

Nach dem Willen des Kultusministeriums müssen Gymnasiasten in einem rund 30 Kilometer breiten und 180 Kilometer langen Korridor entlang der französischen Grenze künftig Französisch ab der fünften Klasse lernen. Im Rest Baden-Württembergs gilt Englisch-Pflicht. Die Verordnung betrifft 60 öffentliche Gymnasien, lediglich an sieben humanistischen Gymnasien sind Ausnahmen möglich.

Der Französisch-Zwang brachte Annette Schavan, heute Bundesministerin für Bildung und Forschung, auf den Weg, als sie noch Kultusministerin in Baden-Württemberg war. Eltern, Lehrer und Schulleiter wehren sich energisch. "Ich möchte, dass mein Kind die Fächerkombination seinen Begabungen entsprechend wählen kann und dabei gegenüber den Gymnasiasten in den anderen Landesteilen nicht benachteiligt wird", sagte die klagende Mutter Heike Dillmann.

Die Eltern hoffen auf eine schnelle Entscheidung

"Wir haben nichts gegen Französisch, aber gegen die Verordnung einer Zwangsfremdsprache", so Sylvia Wiegert vom Vorstand des Landeselternbeirats. Dillmann klage stellvertretend für viele Eltern, die die bisherigen Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Fremdsprachen erhalten wollen.

Die Arbeitsgemeinschaft gymnasialer Eltern in Baden-Württemberg (ARGE) sieht im Pflichtfach Französisch auch eine Benachteiligung der Schüler im restlichen Land, die in Zukunft ab der fünften Klasse Englisch als Pflichtfach pauken müssen und sich ebenso nicht mehr zwischen den Sprachen entscheiden können.

Eine aufschiebende Wirkung hat die Klage nicht - bis auf weiteres bleibt die Verordnung des Kultusministeriums in Kraft. Die von den Eltern beauftragte Kanzlei hat den Verwaltungsgerichtshof gebeten, möglichst noch vor den Sommerferien über den Antrag zu entscheiden. Ein Sprecher des Gerichts sagte, es werde frühestens in einem Vierteljahr eine mündliche Verhandlung zu dem Thema geben. Fällt vor den Ferien keine Entscheidung, will der Anwalt der Familie einen Eilantrag stellen.

Entlang der Rheinschiene lernen bereits die Schüler an 470 Grundschulen ab der ersten Klasse Französisch, in allen anderen Landesteilen Baden-Württembergs steht für die I-Männchen Englisch auf dem Stundenplan. Diese Trennung hat der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof im Dezember 2002 für rechtmäßig erklärt und an die Bedingung geknüpft, dass die Wahlfreiheit an weiterführenden Schulen gewährleistet bleibt.

han/ddp/dpa



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