Pisa andersrum Hauptschüler fordern Politiker heraus

Deutsche Schüler blamieren sich, Politiker schlagen die Hände über dem Kopf zusammen: Dieses bei Leistungstests beliebte Verfahren wollen Hauptschüler aus Schleswig-Holstein umkehren. Bei einem Denk-Wettstreit gegen Bundestagsabgeordnete rechnen sie sich gute Chancen aus - sofern die Politiker nicht kneifen.

Die Politiker im Kreis- und Landtag waren einfach keine ebenbürtigen Gegner. Darum wollen sich Hauptschüler aus Bad Malente, Schleswig-Holstein jetzt mit Bundespolitikern messen. Sie fordern die wirtschafts- und bildungspolitischen Sprecher der im Bundestag vertretenen Fraktionen auf, gegen sie in der komplexen Computersimulation "ecopolicy" anzutreten. Die Spieleinladung ging Bundestagspräsident Wolfgang Thierse per Brief zu, der Wettbewerb ist für Januar vorgesehen.

Mit der Initiative wollen die Schüler ihr Wissen und ihre Leistungsbereitschaft unter Beweis stellen. "Ecopolicy" simuliert Entscheidungen und ihre Folgen in der Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialpolitik.

Die neueste Pisa-Studie der OECD stellt vor allem den Hauptschülern erneut ein schlechtes Zeugnis aus. Während sich in Gymnasien und Realschulen Fortschritte abzeichnen, verharren die Kellerkinder des deutschen Bildungssystems offenbar auf niedrigem Niveau.

"Schüler denken langfristig, Politiker nicht"

Im vorgeschlagenen Wettstreit sollen Schüler und Politiker die Geschicke einer Industriegesellschaft, eines Schwellenlandes und eines Entwicklungslandes so steuern, dass mehrere Größen wie Wirtschaftswachstum, Umweltbelastung, Lebensqualität und Bevölkerungsentwicklung über einen Zeitraum von zwölf Jahren hinweg im Gleichgewicht gehalten werden.

Das Programm wurde ursprünglich für Studenten entwickelt und wird in der Hauptschule Malente seit rund einem Jahr im Unterricht benutzt. Es erfordert vernetztes Denken und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erkennen.

Nachdem die Schüler in einem schulinternen Wettbewerb ihre Lehrer geschlagen hatten, entstand die Idee, gegen Politiker anzutreten. Abgeordnete der ostholsteinischen Kreistages und Abgeordnete des schleswig-holsteinischen Landtages hatten der strategischen Kompetenz der Hauptschüler nicht entgegenzusetzen und verloren jeweils im Spiel.

"Die Schüler arbeiten, im Gegensatz zu den Politikern, mit langfristigen Lösungsmodellen", sagte Wilfried John, Lehrer an der Hauptschule Malente.

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