Pisa, die dritte Bloß keine erneute Blamage

Die erste Pisa-Studie war ein Fiasko für Deutschlands Schulen, die zweite etwas besser. Jetzt hoffen die Kultusminister auf den Durchbruch. Denn diesmal geht es vor allem um die Naturwissenschaften, und da müssen deutsche Schüler sich nicht verstecken.


Hirn, made in Germany: Hoffnung auf bessere Pisa-Noten
DDP

Hirn, made in Germany: Hoffnung auf bessere Pisa-Noten

Die Pisa-Ergebnisse der Vorjahre waren mau bis verheerend, in Naturwissenschaften aber immerhin nicht ganz so schlecht. In diesem Bereich lag Deutschland nur zwei Punkte hinter dem Durchschnitt der teilnehmenden Industriestaaten aus der OECD zurück: 500 statt 502 Punkte, in Schulnoten also eine 3.

Deshalb hoffen die Kultusminister, dass Schock und Schelte diesmal ausbleiben. Bei der ersten Pisa-Studie vor sechs Jahren wurden vor allem Lesen und Textverständnis überprüft, 2003 dann die Mathematik-Kenntnisse. Bei der dritten Pisa-Welle lag der Schwerpunkt nun auf den Naturwissenschaften. Von der ersten zur zweiten Studie hatten Deutschlands Schüler vor allem in diesem Bereich aufgeholt - allerdings waren es die Leistungsstarken, die noch besser wurden, die schwachen Schüler blieben schwach. Pisa 2003 hat vor allem eines gezeigt: Kaum ein Bildungssystem ist so starr und undurchlässig wie das deutsche, Migranten und Kinder aus sozial schwachen Familien haben kaum Chancen auf eine gute Ausbildung.

55.000 Schüler, alle 15 Jahre alt und per Zufallsverfahren ausgewählt, haben bis Ende Mai an der Studie teilgenommen. In einem Hamburger Datenzentrum werden die Testbögen von insgesamt 1516 deutschen Schulen ausgewertet. Die 40 Programmierer sind zur strengen Geheimhaltung verpflichtet. 90 Prozent aller Testbögen erreichten das Computerzentrum. 2003 hatte die Rücklaufquote 93 Prozent betragen. In einigen Bundesländern ist die Pisa-Teilnahme Pflicht, in anderen nicht - was innerhalb der Kultusministerkonferenz umstritten ist.

Der nächste Test fällt kleiner aus

Ab Oktober werden dann in Paris die Daten aus 58 Staaten der ganzen Welt eintrudeln. Bis die Ergebnisse vorliegen, dauert es noch: Die Auswertung will die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) am 4. Dezember 2007 veröffentlichen. Die Ergebnisse für die deutschen Bundesländer folgen erst im Herbst 2008.

Auch die vierte Testwelle ist bereits geplant. In Deutschland soll Pisa allerdings wesentlich kleiner ausfallen. Die Kultusminister wollen auf das bisherige Ranking der einzelnen Bundesländer auf Basis der international standarisierten Pisa-Fragen verzichten.

Stattdessen soll es unter Regie der Kultusministerkonferenz einen eigenen Länder-Vergleich auf Grundlage der neuen deutschen Bildungsstandards geben. Darin wird beschrieben, was ein Schüler jeweils am Ende einer bestimmten Klasse können muss. Für den nationalen Test sollen regelmäßig Stichproben in der dritten, achten und neunten Klasse durchgeführt werden.

agö/dpa

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