Pisa-Gerangel in der SPD "Hauptschule geht Frau Bulmahn einen feuchten Kehricht an"

Nicht nur zwischen Bund und Ländern, sondern auch innerhalb der SPD sorgen die Pisa-Ergebnisse für heftigen Streit. Bildungsministerin Edelgard Bulmahn stellt das gegliederte Schulsystem in Frage, darauf reagieren manche Genossen ausgesprochen unwirsch.


Harte Nuss für deutsche Schüler: Welcher Buchstabe ist falsch?
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Harte Nuss für deutsche Schüler: Welcher Buchstabe ist falsch?

Das erneut mittelmäßige Abschneiden deutscher Schüler bei der Pisa-Studie führt jetzt auch in der SPD zu kontroverse Debatten. Edelgard Bulmahn hatte in einem SPIEGEL ONLINE-Interview für Konsequenzen beim Schulsystem plädiert: "Wir müssen uns ernsthaft fragen, ob die frühe Auslese von Zehnjährigen nach der vierten Klasse der richtige Weg ist. Es ist schon ziemlich auffällig, dass all jene Länder, die wie Deutschland oder auch Ungarn ein dreigliedriges Schulsystem haben, es nicht schaffen, gerade den Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Schichten oder aus sozialen Brennpunkten deutlich bessere Bildungschancen zu eröffnen", sagte die Bundesbildungsministerin, "ich glaube nicht, dass die Hauptschule auf Dauer ein erfolgreiches Modell ist."

Damit stieß Bulmahn am Mittwoch in den eigenen Reihen auf heftige Kritik. Auch im Streit um die Zuständigkeit in Bildungsfragen zwischen Bund und Ländern gab es widersprüchliche Aussagen von den Sozialdemokraten. Während der bayerische SPD-Fraktionschef Franz Maget betonte, Bildung sei Ländersache, forderten SPD-Politiker des konservativen Seeheimer Kreises vom Bund vorgegebene Zentralprüfungen für alle Schulen.

Die neue Pisa-Studie der OECD
Bei Pisa 2000 erreichte Deutschland im Fach Mathematik Rang 20. Unter den damals vertretenen Ländern würde Deutschland heute Rang 16 belegen. Im Fach Lesen damals Rang 21, heute Rang 18. In den Naturwissenschaften damals Rang 20, heute Rang 15.

Mathematik

Lesen

Naturwissenschaften

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Besonders Bulmahns Forderung nach einer Abschaffung der Hauptschule traf in den Ländern auf Unverständnis. Berlins Bildungssenator Klaus Böger (SPD) betonte, Problemgruppen in den Hauptschulen aus Migrantenfamilien und bildungsfernen Schichten werde nicht geholfen, indem man sie in ein Gesamtschulsystem stecke. Er forderte mehr Handlungsspielräume für die Schulen. Außerdem müssten auf Länderebene Qualitätsmaßstäbe formuliert werden, die bundesweit unter den Kultusministern abgestimmt würden, sagte Böger.

Maget wurde in seiner Kritik noch deutlicher. "Die Hauptschule geht die Frau Bulmahn - mit Verlaub - einen feuchten Kehricht an", sagte der bayerische SPD-Fraktionschef. Schließlich sei Bildung Ländersache. Der Seeheimer Kreis der SPD will dem Bund mit der Einführung von Zentralprüfungen an den Schulen dagegen mehr Zuständigkeiten in der Bildung zuschreiben. Weil die Qualität der Abschlüsse in den Bundesländern zu unterschiedlich sei, müsse der Bund Aufgaben und verbindliche Standards für die Prüfungen vorschreiben, sagten die Sprecher des Kreises, Johannes Kahrs und Klaas Hübner. Nur so könne das Niveau an deutschen Schulen angehoben werden.

Ist Kummer & Ärger gewohnt: Ministerin Bulmahn
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Auch manche Bildungsexperten warnten vor Überlegungen der Föderalismuskommission, die Kompetenz für Schulen und Hochschulen ganz den Ländern zu übertragen. Viele Probleme im Bildungswesen ließen sich nur gemeinsam lösen, betonte der Leiter der ersten Pisa-Studie, Jürgen Baumert. Zwar habe sich die Kultusministerkonferenz positiv verändert, sagte der Bildungsforscher. Es sei jedoch fraglich, ob die Bundesländer es schafften, große Programme zur Verbesserung der Bildung allein anzuschieben, für die bislang der Bund mit zuständig gewesen sei, fügte er hinzu.

Der Leiter der deutschen Pisa-Studie 2003, Manfred Prenzel, ging unterdessen mit der deutschen Bildungspolitik hart ins Gericht. Er kritisierte die aktuellen Bildungsreformen als "Stückwerk". "Wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir doch Ziele formulieren, die Einzelmaßnahmen darauf beziehen und Fristen setzen", sagte der Kieler Erziehungswissenschaftler.

Von Stephanie Stallmann, ddp

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