Pisa-Ländervergleich Bayern ist der Musterschüler

Die neue E-Klasse ist da. Beim innerdeutschen Vergleich Pisa-E ist Bayern abermals klarer Sieger und dringt sogar in die Weltspitze vor. Nahezu alle Bundesländer haben sich verbessert. Am unteren Ende der Rangliste tat sich nichts: Sechs, setzen - so heißt es erneut für Bremen.


Pisa-Studie: Bayern räumt ab
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Pisa-Studie: Bayern räumt ab

Berlin - Die 15-jährigen Schüler aus Bayern stellten in allen getesteten Bereichen die gleichaltrigen Jungen und Mädchen aus den anderen Bundesländern deutlich in den Schatten. Getestet wurden die Kompetenzen in Mathematik, Naturwissenschaften, Lesen und Problemlösen. Im neuen Bericht zur Ergänzungsstudie Pisa-E stellen die deutschen Pisa-Forscher zugleich die anhaltende Chancenungleichheit im Schulsystem heraus. Arbeiter- und Migrantenkinder würden zu wenig gefördert.

Im Untersuchungsschwerpunkt Mathematik beispielsweise dringen Bayerns Schüler sogar bis in die Weltspitze der ersten fünf Pisa-Siegerstaaten vor und kommen nach Finnland, Südkorea, den Niederlanden und Japan auf Platz fünf vor Kanada.

Bemerkenswert: Die Bundesländer konnten sich bei der neuen Untersuchung durchweg verbessern gegenüber der ersten Testwelle drei Jahre zuvor. So erreichte Spitzenreiter Bayern in Mathematik 533 Punkte, 30 Punkte über dem Bundesdurchschnitt und 17 Punkte über dem Ergebnis im Jahr 2000. Nur Baden-Württemberg stagnierte; alle anderen Bundesländer gewannen dazu, oft gleich 20 Punkte. Am deutlichsten fällt der Leistungs-Zugewinn in Sachsen-Anhalt aus.

Bayern galt beim ersten Pisa-Test als das Bundesland mit der härtesten sozialen Selektion in Deutschland: Ein Kind aus einer bayerischen Facharbeiterfamilie hat bei gleicher Intelligenz und Kompetenz eine 6,2 mal geringere Chance, ein Gymnasium zu besuchen, als ein Kind aus der Oberschicht. In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen oder Hessen ist dieser soziale Unterschied nur halb so groß. Neue Pisa-Sozialdaten soll es erst mit der kompletten deutschen Studie geben, die im Spätherbst veröffentlicht wird.

Sachsen verdrängt Baden-Württemberg

In der deutschen Wertung erobert Sachsen sowohl in Mathematik, Naturwissenschaften und Problemlösen den zweiten Rang und verweist damit Baden-Württemberg fast überall auf Platz drei. Nur in Lesen und Textverständnis behauptet Baden-Württemberg seinen bisherigen zweiten Platz - aber äußerst knapp vor Sachsen. Thüringen folgt überall auf Platz vier. Schleswig-Holstein bleibt im oberen Mittelfeld, Rheinland-Pfalz und Hessen im Mittelfeld.

Pisa-Studie der OECD 2003
Bei Pisa 2000 erreichte Deutschland im Fach Mathematik Rang 20. Unter den damals vertretenen Ländern würde Deutschland heute Rang 16 belegen. Im Bereich Lesen damals Rang 21, heute Rang 18. In den Naturwissenschaften damals Rang 20, heute Rang 15.

Mathematik

Lesen

Naturwissenschaften

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Dahinter liegt Niedersachsen. Nordrhein-Westfalen fällt zurück, Brandenburg steigt teilweise auf. Berlin und Hamburg, die beim letzten Mal mangels Teilnehmer disqualifiziert worden waren, fädeln sich ins letzte Drittel ein. Schlusslicht ist weiterhin Bremen - trotz überdurchschnittlicher Verbesserungen. Die Ergebnisse waren gestern Abend den Schulministern der 16 Bundesländer erstmals vorgestellt worden und sollen heute mittag offiziell veröffentlicht werden.

Der Kieler Schulforscher Manfred Prenzel, Leiter des deutschen Pisa-Teils, räumt in seinem Bericht an die Kultusminister ein, dass im deutschen Schulwesen der Zusammenhang von sozialer Herkunft und dem Wissen und Können der Schüler "noch immer stark ausgeprägt ist". Nach der internationalen Pisa-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) versagt kein anderes vergleichbares Industrieland so sehr bei der Förderung von Arbeiter- und Migrantenkindern wie Deutschland.

Schulen und Länder nahmen Pisa diesmal ernster

Dennoch glaubt die Kultusministerkonferenz (KMK), dass es an Deutschlands Schulen aufwärts geht. "Das System ist in Bewegung", sagte Doris Ahnen (SPD), Kultusministerin in Rheinland-Pfalz und KMK-Vizepräsidentin. Auch der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm sieht die deutschen Schulen insgesamt auf einem guten Weg und beschreibt einen positiven Trend etwa bei Sprachförderung und -tests sowie Leistungsvergleichen zwischen Schulen und Ländern.

Das miserable gesamtdeutsche Abschneiden beim ersten Pisa-Test hatte im Dezember 2002 in Deutschland einen Schock ausgelöst. Die Kultusminister beschlossen verschiedene Schulreformen, die nach ihren Angaben bis zum erneuten Pisa-Testtermin im Frühjahr 2003 allerdings nur bedingt greifen konnten.

Dass die Bundesländer trotzdem in einem spürbaren Aufwind segeln, ist verblüffend - und spricht womöglich nicht allein für den Erfolg der Bildungsreformen, sondern auch für eine intensivere Vorbereitung auf die Tests: Viele Länder und Schulen, die den ersten Pisa-Durchlauf nicht recht ernst genommen hatten, schickten die Schüler sicherheitshalber ins Pisa-Trainingslager.



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Hürdenlauf, 13.04.2005
1.
richtig, an unserem Bildungssystem hapert es, aber ich bezweifle, dass ein Unterricht im Englischen ab Kindergartenalter an die Situation verbessert.... damit unsere Kinder "lernen" können, muss ihnen auch die Möglichkeit gegeben werden und dazu gehört das richtige Umfeld. unsere Kinder kommen in überfüllte Klassen, in denen pädagogisches Arbeiten kaum möglich ist.... das Sprachniveau sinkt, aber der Bereich "Sprachförderung" wird permanent zusammengestrichen.... unsere ausländischen Kinder kommen, wenn sie nach Deutschland kommen, ein Jahr in eine "Auffangklasse" und sollen nach diesem Jahr so gut deutsch sprechen, dass sie dem Unterricht problemlos folgen können... dies ist doch paradox und nahezu unmöglich... die Folge daraus ist, dass immer mehr Kinder auf Grund mangelnder Deutschkenntnisse versagen... es muss sich was ändern in Deutschland... richtig.... damit die Kinder lernen können brauchen wir kleinere Klassen, möglichst ... wie in Skandinavien... mehr als einen Lehrer in der Klasse... oder eben zumindest eine zweite person, die mithilft.... mehr Förderprogramme.... Unterstützung für die Familien... mehr Personal in den Beratungsstellen .... eine Abkehr vom "sturen" pauken... Lernen muss man "lernen", aber dazu fehlt die Möglichkeit.... diese muss man schaffen.... stattdessen werden Lehrmittel gekürzt und nun eine Eigenleistung der Eltern gefordert.... Lernen wird eine Finanzentscheidung für die Familien... die Gymnasien werden einen Schwund erleben... zumindest in der Oberstufe, da es sich viele Familien nicht "leisten" können, dass ihr Kind noch zur Schule geht und Geld für Schulbücher ausgibt, statt Geld zu verdienen und damit zum Unterhalt der Familie beizutragen.... die pädagogische Betreuung und Arbeit in Skandinavien basiert auf völlig anderen Grundlagen... diese müssen bei uns erst geschaffen werden, aber davon merkt man leider nichts in Deutschland... schade.... auch die Ausbildung der Pädagogen muss andere Schwerpunkte bekommen.... mehr Praxisarbeit während des Studiums wäre wünschenswert und käme dem Schüler zugute... naja... was solls.... Theorie und Praxis sind nun mal doch verschiedene Stiefel... zumindest in unserer Bildungspolitik :-(
schlobies, 19.04.2005
2.
Pisa11- Natürlich meinte ich nicht,daß man einen Vierjährigen zwingen sollte,sich für Quantenmechanik zu interessieren-oder Informatik.Ich bin aber absolut sicher,daß es da welche gibt,die sich interessieren.-- Die Grundlagen der Quantenmechanik sind nicht schwerer zu verstehen als andere Dinge auch.Gerade Kinder haben vorurteilslos weit mehr Interesse an seelenlosen Dingen-sie können bspw stundenlang mit Bauklötzchen spielen.- Aus der Reaktion Ulrich sehe ich das typische Vorurteil,daß die neuesten Erkenntnisse schwieriger sind als alte.Das ist ein großer Irrtum.Moderne Physik ist logisch-wenn auch nicht anschaulich.Alte Physik ist anschaulich-aber unlogisch.-Das nur nebenher.- Versuchen Sie mal die Schwerkraft zu erklären.Wie macht die Erde das,daß sie uns anzieht-durch einen Tisch -durch Geschoßdecken durch-und keine Gummifäden sind sichtbar.-Das ist in der klassischen Physik absolut unverständlich.--Kinder wollen wissen,wie macht die Schwerkraft das?-- Was ich meine ist,daß man den individuellen Neigungen weit mehr Chancen geben sollte.Und wenn einer besser über fleischfressende Pflanzen Bescheid weiß als sein Biolehrer,so soll das eine 6 in Erdkunde ausgleichen.- Es ist nachgewiesen-und hier nirgends widersprochen,daß unsere Gesellschaft eine furchtbare Genie-Vernichtungsmaschine ist.Warum haben wir denn heute keinen Goethe oder Schiller?Die Erbanlagen haben sich seither nicht verändert-die Zahl der Deutschen hat sich vervielfacht-warum nicht auch die Zahl der Genies? Christoph Schlobies Diplom-Physiker ,Kampfdenker www.schlobies.de mein Kulturtip: www.juane-delia-von-hemmer.de 1.Malerin des Transmorphismus
Reimer, 19.04.2005
3.
Ich habe im Jahr 2004 mein Abitur erhalten und bin daher noch ziemlich nah dran am Geschehen in der Schule und weiß zumindest von meiner Schule, wie das System funktioniert. Natürlich läßt sich nur schwer von einem Gymnasium auf eine Real- oder Hauptschule schließen, doch das Niveau auf einem deutschen Gymnasium muss nicht von Qualität sein. Im 11. Jahrgang war ich für sechs Monate in Namibia und bin zum zweiten Halbjahr in meinen alten Jahrgang zurück gekommen. Man könnte vermuten, dass eine Auszeit von sechs Monaten das Nachlernen von viel Stoff bedeutet, aber das ist leider nicht so. Schlussendlich habe ich einen Nachmittag in Mathematik den Stoff nachgeholt und mir einmal durchgelesen, welche Themen in Erdkunde behandelt wurden und damit hatte ich keinerlei Probleme in den bestehenden Unterricht mich wieder einzubringen. Aber darf es sein, dass man den Unterricht aus einem halben Jahr ignorieren kann? Meiner Meinung nach nicht, aber das System erlaubt es einem geschickten Schüler mit wenig Aufwand die Schulzeit zu durchleben. Mehr Druck halte ich jedoch auch für keine Lösung des Problems. Viel mehr sollte man den Schülern wieder den Spaß am Lernen vermitteln. Erinnere ich mich an die Grundschule, so war zumindest die ersten Jahre ein Genuß, da man jeden Tag neues Wissen erlange und etwas neues erleben konnte. Die Welt ergab jeden Tag mehr Sinn. Im Gymnasium änderte sich dieses Gefühl schnell. Es gab natürlich Lehrer, die ein Lichtblick am Horizont waren und dessen Unterricht wunderbar war, aber ein Großteil der Lehrer schienen Spaß am monotonen Unterricht zu besitzen und das so wurde der Unterricht für die Schüler ebenso trist. Meiner Meinung nach sollte das Ziel der Bildung sein, dass Schüler mit einem guten Gefühl in die Schule gehen. Es muss keine Freude sein, ab zumindest etwas positives wäre sinnvoll. Gruß Reimer
schlobies, 20.04.2005
4.
so ist es! schlobies
schlobies, 20.04.2005
5.
Pisa12- Was wir in Schule und Kultur brauchen, ist Begeisterung und nochmal Begeisterung.Kein stumpfsinniges Vokabeln lernen-oder Grammatik.Grammatische Regeln bildet das Gehirn übrigens intuitiv-so haben wir Deutsch gelernt. Wenn wir jeden Satz auf Grammatik überprüfen würden,könnte doch kein Deutscher Deutsch sprechen.- ------------------------ Zum Auswendig Lernen: Ich selbst wurde in Latein erst gut,als ich "Pyramus et Thisbe ,juvenum pulcherrimus alter, altera quas oriens habuit,praelata puella.- Contiguas tenuere domos,ubi dicitur altam coctilibus cinxisse Semiramis urbem.." (so ungefähr) auswendig gelernt hatte.Ich kann es -wie man sieht-tw noch heute-sehr zur Bewunderung meiner Geliebten.Das sollten sich die Jünglinge also durchaus zu Gemüte ziehen.- Also entgegen der Lehrmeinung:Im Sprachunterricht durchaus auswendig lernen,aber keine Vokabeln,keine grammatischen Reglen,sondern lebendige Texte.Schliemann hat so in wenigen Wochen Griechisch gelernt,indem er einfach die Ilias auswendig lernte.-- Jeder Lehrer,der as Auswendig-Lernen von Vokabeln fordert,sollte sofort verhaftet Und nach Sibirien verbracht werden.-Auspeitschen ist ja heute nicht mehr modern.- Noch etwas zu den Bauklötzchen. -Molekulare Genetik ist nicht viel anders. Es gibt keinen Grund ,diese einem 6-jährigem vorzuenthalten. Christoph Schlobies Diplom-Physiker ,Kampfdenker www.schlobies.de mein Kulturtip: www.juane-delia-von-hemmer.de 1.Malerin des Transmorphismus
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