Pisa-Ländervergleich Gute Noten, schlechte Noten

Das gute Abschneiden der unionsregierten Länder Bayern und Baden-Württemberg im Pisa-Ländervergleich sorgt für Zündstoff im Wahlkampf. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) warnt davor, "Länder-Egoismen auszuleben, statt die notwendigen Reformen einzuleiten".

Es sei klar, dass es gemeinsame Bildungsstandards geben müsse, die durch Leistungsvergleiche überprüft werden müssten, sagte Bulmahn. Die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU) fordert derweil zentrale Abschlussprüfungen in allen Schularten: "Die Qualität des Schulabschlusses darf nicht vom Bundesland abhängen, in dem man wohnt."

Auch Eva-Maria Stange, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), hatte die Bildungspolitiker aller Parteien aufgefordert, sich "für eine große Schulreform in Deutschland die Hand zu reichen". Die innerdeutschen Ergebnisse dürften jetzt nicht "für Parteiengezänk und Wahlkampf auf dem Rücken von Kindern herhalten", warnte Stange.

Offiziell wird der innerdeutsche Vergleich zwar erst am 27. Juni veröffentlicht. Doch am Wochenende sickerte durch, dass Bayern mit deutlichem Vorsprung an der Spitze liegt, gefolgt von Baden-Württemberg. Den dritten und vierten Platz teilen sich etwa punktgleich Sachsen und Rheinland-Pfalz. Nordrhein-Westfalen landet im Mittelfeld, das Saarland, Bremen und Sachsen-Anhalt bilden die Schlusslichter.

Im internationalen Vergleich findet sich nur Bayern im oberen Drittel der Pisa-Rangliste wieder. Bayern erreicht international etwa das Niveau Schwedens, das auf Platz 9 von 32 landete. Insgesamt rangiert Deutschland weit abgeschlagen auf Platz 21 und sammelte in allen Teilbereichen - Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft - miserable Noten ein.

Eva-Maria Stange verweist darauf, dass Bayern und Baden-Württemberg bei der Finanzierung ihres Bildungssystems knapp zehn Prozent mehr Geld pro Schüler ausgäben als im Bundesdurchschnitt. Dies seien "Zukunftsinvestitionen, die sich offensichtlich auszahlen". Auch erhielten bayerische Schüler deutlich mehr Unterrichtstunden als in den anderen Bundesländern. Bei einem "fairen Ländervergleich" der Schulsysteme müssten auch die wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen der einzelnen Bundesländer berücksichtigt werden, sagte Stange weiter.

Mit Bayern und Baden-Württemberg lägen offenbar zwei Länder mit weit unterdurchschnittlichen Arbeitslosen- und Sozialhilfequoten an der Spitze. "Kinder aus ärmeren und bildungsfernen Schichten benötigen mehr Förderung - und die fehlt leider in Deutschland", so die GEW-Vorsitzende.

An Bayerns Schulen wird deutlich stärker gesiebt als anderswo: Nur 29 Prozent der Schüler eines Jahrgangs schaffen das Abitur oder die Fachhochschulreife. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 36 Prozent - immer noch zu niedrig verglichen mit anderen Ländern. Deutschlands Konkurrenten auf dem Weltmarkt, etwa Japan, Schweden, Finnland, die USA oder Großbritannien, haben im Schnitt heute schon doppelt so viele Abiturienten.

Der Mangel an akademisch ausgebildeten Fachkräften werde sich für die deutsche Wirtschaft als "Wachstumsbremse" erweisen, stellten bereits im vergangenen Jahr die Bildungsminister von Bund und Ländern in einer Studie fest. Schon heute fehlen Informatiker, Ingenieure, Chemiker, Lehrer und neuerdings auch Ärzte.

Die Kultusministerkonferenz sei nicht in der Lage, eine Antwort auf das schlechte Abschneiden in der Pisa-Studie zu geben, sagte der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle. Zugleich verteidigte Westerwelle den Vergleich verschiedener Bundesländer in der Pisa-Studie. Dies sei notwendig, um Defizite in der Bildungspolitik benennen zu können. Schulen und Hochschulen müssten auch mehr Autonomie erhalten, um die Defizite in der Bildungspolitik zu beseitigen.

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