Pisa-Pannen Berlin und Hamburg müssen nachsitzen

Deutschlands Schüler wurden abgefragt, und alle machten mit - nur Hamburg und Berlin zeigten Mut zur Lücke. Beide Länder dürfen beim Rennen um die schlauesten Schüler nicht mitmachen, weil sie bei der Pisa-Studie an der Quotenhürde scheiterten. Nun sollen die Schüler erneut Testbögen ausfüllen.

Beim Pisa-Test schnitten deutsche Schüler verheerend ab und landeten nur im schlechten Mittelfeld - Platz 21 von 32 beteiligten Nationen. Während bereits die Vorbereitungen für die Folgestudie Pisa 2003 laufen, ist für Ende Juni die Veröffentlichung aller nationalen Ergebnisse geplant; Ende November sollen auch Daten über die einzelnen Schultypen veröffentlicht werden.

Lange hatten sich die Kultusminister der Länder mit Händen und Füßen gegen die Veröffentlichung einer bundesweiten Vergleichsübersicht gesträubt. Nun kommt "Pisa E", die Ergänzungsstudie, und könnte auch im Wahlkampf noch für einige Turbulenzen sorgen: ein zunächst zaghafter Versuch, die Kleinstaaterei in der Bildungspolitik zu überwinden. Einen regelmäßigen nationalen Bildungsbericht, den Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn gefordert hatte, lehnt die Kultusministerkonferenz allerdings weiter ab.

Hamburg und Berlin sind bei der Pisa-Studie zu kurz gesprungen und haben die notwendige Datenbasis glatt verfehlt. 80 Prozent der Schüler müssen am Test teilgenommen haben, um eine solide Auswertung zu ermöglichen. In Hamburg lag die Teilnahmequote allerdings lediglich bei 70 Prozent, in Berlin gar nur bei der Hälfte - peinlich für die Schulsenatoren.

Die Hamburger Daten sollen nun nachträglich gesammelt werden. "Ich werde dafür sorgen, dass wir auf verlässliche und vergleichbare Daten zurückgreifen können, um festzustellen, wie Hamburg im nationalen Vergleich steht", versprach Bildungssenator Rudolf Lange. Er kritisierte, dem rot-grünen Vorgängersenat sei es nicht gelungen, Lehrern, Eltern und Schülern die Bedeutung der Studie zu vermitteln.

Die niedrige Beteiligung - an integrierten Gesamtschulen etwa machten nur 61 Prozent der Schüler mit - führt die Hamburger Schulbehörde auch auf einen Boykottaufruf zurück. Unter dem Motto "Vom häufigen Wiegen wird die Sau nicht fett - füttern statt messen" habe der "Personalrat Gesamtschulen" zur Verweigerung aufgefordert und stattdessen mehr Lehrerstellen verlangt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht in dem Flugblatt allerdings lediglich eine Kritik an ständigen Evaluationen und moniert, dass "die vielen Studien nie zu Qualitätsverbesserungen geführt haben".

Berlins Haupt- und Gesamtschulen hatten das Klassenziel ebenfalls verfehlt, knapp die Hälfte der Fragebögen kam nie zurück. Jürgen Baumert, Direktor des für die Pisa-Studie zuständigen Max-Planck-Instituts, nannte als Grund die "kulturelle Distanz von der Schule". Man könne solche Tests nicht anordnen, sondern müsse mehr Überzeugungsarbeit leisten.

Schulsenator Klaus Böger kündigte jetzt an eine Pisa-Nachuntersuchung an den Hauptstadtschulen an, die 60.000 Euro kosten soll. Statt im Juni sollen die Ergebnisse dann erst im Herbst vorliegen.

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