Pisa-Sieger Finnland Stolz auf die Gleichheit

Mit den eigenen Erfolgen zu protzen, das liegt den Finnen fern. Aber bei der Pisa-Untersuchung waren sie in der Weltspitze und setzen konsequent auf Gesamtschulen. Lehrer genießen bei den Skandinaviern traditionell hohes Ansehen.

Nach dem Test ist vor dem Test. Dass die finnischen Schüler mit ihren Pisa-Ergebnissen an der Spitze liegen, stimmt die Bildungsexperten des Landes keineswegs euphorisch. In zwei Jahren müsse sich der Nachwuchs bei der nächsten internationalen Leistungsstudie bewähren, erklärt Ritva Jakku-Sihvonen, Abteilungsleiterin im Zentralamt für Unterrichtswesen des Erziehungsministeriums. "Da bin ich doch ein bisschen ängstlich", gibt Jakku-Sihvonen zu bedenken ­ und zeigt sich damit, wie sie selbst sagt, "typisch finnisch". Am nordöstlichen Rand Europas gehört es eben nicht zum guten Ton, mit den eigenen Erfolgen zu protzen. Dabei haben sich die Finnen schon bei früheren Schülertests in die Weltspitze gepunktet, die Pisa-Resultate sind kein Zufall. Ziemlich vieles machen die Skandinavier ziemlich anders als die Deutschen, die Gleichheit der Bildungswege gilt als geheiligtes Prinzip. Im Alter von sieben Jahren kommen die kleinen Finnen auf die Gesamtschule, in der sie den ganzen Tag verbringen, das kostenlose Mittagessen ebenso inklusive wie Sport und Musikunterricht oder, falls nötig, Nachhilfestunden vom Lehrer. Die ersten sechs Jahre zählen als Grundstufe, in denen der Klassenlehrer die zentrale Rolle spielt und fast alle Fächer selbst unterrichtet. Nach weiteren drei Schuljahren erreichen die Schüler den ersten Abschluss, danach trennen sich ihre Wege: Berufsausbildung oder gymnasiale Oberstufe. Das Abitur erlangen sie drei Jahre später in einer landesweiten Zentralprüfung. Der Leistungsdruck beginnt erst in den höheren Klassen, Noten in Ziffern sind ab Klasse 7 Pflicht, können allerdings schon früher gegeben werden. Die Kehrseite: Von der Masse der guten Schüler heben sich nur wenige Überflieger ab. "Die Begabtesten haben es in der Gesamtschule zu leicht", kritisierte jetzt das Blatt "Helsingin Sanomat", größte Zeitung des 5,2-Millionen-Einwohner-Landes. Lehrer genießen in Finnland traditionell hohes Ansehen, auch das gilt einheimischen Bildungsexperten als Zutat des Erfolgsrezepts. Die Pädagogen müssen sich einer anspruchsvollen, mindestens sechs Jahre dauernden Universitätsausbildung unterziehen, in der sich an das Sprach- und Fachstudium ein Jahr Didaktik und Pädagogik anschließt. Dahinter steht die Einsicht, dass Wissen als Rohstoff immer wertvoller wird. Wie kein anderes Land wandelte sich Finnland nach einer Wirtschaftskrise Anfang der neunziger Jahre in eine Kommunikationsgesellschaft. Im Stammland des weltweit größten Handy-Herstellers Nokia gehören der Computer und seine Anwendung auch bei Schülern zum selbstverständlichen, großzügig geförderten Alltag. "In Deutschland müssen die Kinder unbedingt lernen, alles mit dem Füller zu schreiben, weil dadurch angeblich die Schrift besser wird", wundert sich Saila Rantala, 36, die in Hessen lebt und ihre beiden Söhne auf eine Grundschule in Darmstadt schickt. "In Finnland üben die längst schon am Computer." Bei UniSPIEGEL ONLINE: Alle Beiträge zur Pisa-Studie und zu weiteren Schulthemen

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