Leistungsvergleich Pisa-Testmarathon an deutschen Schulen

Diese Woche startet eine neue Pisa-Studie. Parallel werden Daten für einen erneuten innerdeutschen Bundesländer-Schulvergleich erhoben - die Forscher forschen, die Lehrer stöhnen.
Von Karl-Heinz Reith

Mehr als 56.000 Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren müssen ab dieser Woche zeigen, was sie in Naturwissenschaften, Deutsch, Mathematik, Englisch - und zum Teil Französisch - draufhaben. Einige der Tests sind Teil der nächsten Pisa-Studie , des internationalen Schulleistungsvergleichs, der alle drei Jahre durchgeführt wird. Die anderen Extra-Prüfungen gehören zum innerdeutschen Bundesländer-Schulvergleich . Für beiden Leistungserhebungen schwärmen derzeit geschulte Tester, meist Pädagogik- oder Psychologie-Studenten aus, und besuchen bis Mitte Juni bundesweit über 2000 Schulen.

Beim letzten Pisa-Test, veröffentlicht 2013, konnten die deutschen Schüler aufholen, am Ende reichte es etwa im Fach Mathematik für Platz 16 - hinter Ländern wie China, Polen und Belgien. Diesmal sollen die Ergebnisse noch verbessert werden.

Mogelei oder Täuschen soll bei dem Test unmöglich sein, heißt es beim Zentrum für Internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) in München. Das ZIB ist für die deutsche Pisa-Organisation verantwortlich. Die Lehrer an den Testschulen bekommen die Aufgabenbögen gar nicht erst zu Gesicht, damit sie Informationen nicht an befreundete Kollegen anderer Schulen weiterleiten.

"Nach dem Test werden die Unterlagen sofort wieder eingesammelt", sagt Pisa-Koordinatorin Christine Sälzer vom ZIB, "und bei Verstößen drohen auch den Testleitern hohe Strafen." Im schlimmsten Fall stehe dann sogar die deutsche Pisa-Beteiligung auf dem Spiel. Zudem sind die Testhefte nicht identisch, die Aufgaben stammen aus einem gemeinsamen Grundkatalog und sind in ihrer Schwierigkeit vergleichbar.

Strikte Regeln für den Testtag

Vor den Schülern selbst dürfen nur technische Fragen zum Ablauf beantwortet und "keine inhaltlichen Hilfen" gegeben werden. Und: Der weltweit einheitlich abgestimmte Pisa-Erklärtext vor jedem Durchlauf müsse von den Testern verständlich vorgetragen und "nicht etwa vor der Klasse einfach nur heruntergeleiert werden".

Wie viel hätten Sie gewusst?
Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Zwei Stunden, dutzende Fragen - der Pisa-Test ist eine harte Prüfung für 15-jährige Schüler. Hier können Sie sich durch Beispielfragen zu Mathematik, Naturwissenschaften und Leseverständnis knobeln.

Hier geht's zum Test!

Den Anfang der neuen Testwelle machen in dieser Woche Nordrhein-Westfalen, Berlin und Rheinland-Pfalz. Andere Länder, darunter Bayern, folgen Ende April. Hamburg startet erst am 18. Mai in die neue Testrunde. Gut vier Wochen später will man dann aber in allen Bundesländern durch sein. Bei der Festlegung des genauen Termins hat die einzelne Schule jeweils viel Spielraum - um Kollisionen etwa mit Abi-Klausuren der älteren Schüler oder lange geplanten Klassenfahrten zu vermeiden.

Bei der neuen Testrunde gibt es zwei völlig verschiedene Untersuchungen:

  • Da ist zunächst der internationale Testklassiker Pisa, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD ) in Paris weltweit organisiert - inzwischen in 76 Staaten. Das miserable deutsche Abschneiden beim ersten Test 2000 hatte in Öffentlichkeit und Bildungspolitik den "Pisa-Schock" ausgelöst und eine deutsche Schulreformdebatte angestoßen. Schwerpunkt bei den Aufgaben von Pisa 2015 bilden diesmal die Naturwissenschaften. Zudem gibt es weitere Fragen zum Lese- und Textverständnis und zu den Kenntnissen in Mathematik.
  • Der zeitgleich stattfindende innerdeutsche Bundesländer-Leistungsvergleich 2015 ist dagegen inhaltlich nur bedingt mit dem Pisa-Test vergleichbar. 45.000 Neuntklässler von bundesweit über 1800 Schulen werden daran teilnehmen. In jeder nach einem Zufallsverfahren ausgewählten Schule wird per Los eine Klasse ausgewählt, die dann geschlossen an dem Test teilnimmt.

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Pisa-Ergebnisse 2013: Die Aufsteiger, die Absteiger, die Stehenbleiber

Foto: SPIEGEL ONLINE

Völlig neu bei Pisa 2015 ist, dass fast alle Testaufgaben von den Schülern am Computer gelöst werden. Das gilt auch für den Komplex "Problemlösen im Team", bei dem die Jugendlichen ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit anderen unter Beweis stellen sollen. Für Pisa 2015 werden in Deutschland diesmal rund 6300 Fünfzehnjährige getestet - zusätzlich dazu eine Kontrollgruppe von 5200 Neuntklässlern - an insgesamt 260 Schulen.

Jeweils 15 Schüler sollen eine gemeinsame Testgruppe bilden, sofern an der Schule genügend Computer vorhanden sind. Um Pannen zu vermeiden, haben die Tester auch USB- und Verlängerungskabel und einen Klassensatz tragbarerer Computer mit im Gepäck. Die Ergebnisse des internationalen Leistungsrankings werden für Dezember 2016 erwartet.

Beim Bundesländervergleich sind diesmal vor allem die Deutsch- und Englisch-Kompetenzen gefragt. In sechs Bundesländern stehen zudem auch die Französisch-Kenntnisse auf dem Prüfstand. Im Kern geht es um Lesevermögen und Textverständnis, aber auch um Orthografie. Die Aufgaben wurden vom ländereigenen Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in Berlin entwickelt. Die Basis bilden die von den Kultusministern beschlossenen Bildungsstandards. Sie beschreiben, was ein Schüler am Ende einer jeweiligen Jahrgangsstufe wissen soll.

Die bundesweiten Bildungsstandards waren eine Reaktion der Kultusminister auf den Pisa-Schock. Sie haben die bis dahin in den Ländern üblichen unterschiedlichen Lehrpläne abgelöst. Erstmals sollen diesmal flächendeckend auch Fähigkeiten der Schüler "zum schlussfolgernden Denken" untersucht werden. Ergebnisse werden im Herbst 2016 erwartet.

2015 ist für die deutschen Schulen ohnehin ein Jahr voller Testtermine: Im Februar gab es in fast allen Bundesländern neue, flächendeckende Vergleichsarbeiten (VERA) für die achten Klassen. Unmittelbar nach den Osterferien mussten die Grundschüler der dritten Klassen bei VERA 3 ihre Leistungen im Rechnen, Lesen und im Sprachvermögen zeigen.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) will dieses Jahr auch eine bundesweite Gesamtstrategie zur künftigen Qualitätssicherung in den Schulen verabschieden. Auswirken kann sich das Konzept dann allerdings erst bei Pisa 2018.


Zusammengefasst: Diese Woche beginnt an Deutschlands Schulen ein neuer Pisa-Test. Schüler des Geburtsjahrgangs 1999 werden in Kernfächern geprüft, die Ergebnisse dann mit Schülern anderer Staaten verglichen. In einem separaten Test mit Neuntklässlern werden die Schulstandards der einzelnen Bundesländer miteinander verglichen. Ergebnisse werden frühestens 2016 erwartet.

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