Preisgekröntes Lernen Deutschlands beste Schule steht in Hildesheim

Fünf Schulen erhalten heute in Berlin fünf Schulen den "Deutschen Schulpreis". Spitzenreiter ist die Hildesheimer Robert-Bosch-Gesamtschule - dabei hatte sie noch vor wenigen Jahren einen so schlechten Ruf, dass sie beinahe geschlossen worden wäre.


Wenn die Pisa-Ergebnisse kommen, jubelt meist der Süden der Republik. Aber heute dürfen sich auch die Schüler im Norden und Osten mal freuen: Die Robert-Bosch-Gesamtschule aus Hildesheim in Niedersachsen hat den "Deutschen Schulpreis" gewonnen. Pädagogisches Konzept und Leistung der Schule fand die Jury so überzeugend, dass sie den Hauptpreis von 50.000 Euro dieses Jahr nach Niedersachsen vergab.

Deutscher Schulpreis: Wenn die Schule beim Lernen Flügel verleiht
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Deutscher Schulpreis: Wenn die Schule beim Lernen Flügel verleiht

Den zweiten Platz teilen sich vier weitere Schulen: die Montessori-Oberschule in Potsdam, die Berliner Carl-von-Linné-Förderschule, das Helene-Lange-Gymnasium in Wiesbaden und das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach/Baden-Württemberg. Sie bekommen jeweils 10.000 Euro.

Insgesamt gab es 170 Bewerber-Schulen, zehn kamen in die Finalrunde. Die Jury prüfte vor allem folgende Fragen: Wie gut sind die Leistungen der Schüler? Wie geht die Schule mit kultureller und menschlicher Vielfalt um? Wie gut ist der Unterricht? Wie reagiert die Schule auf Konflikte unter den Schülern und mit den Lehrern? Regt das Klima der Schule zum Lernen an? Sind die Lehrer und die Schulleitung offen für Kritik?

Die Preise überreichte heute Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) in Berlin, vergeben werden sie zum zweiten Mal von der Robert-Bosch-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Heidehof-Stiftung, dem Magazin "Stern" und dem ZDF.

SPIEGEL ONLINE stellt die Gewinner-Schulen vor:

  • Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim
    Vor einigen Jahren musste die Schule fast geschlossen werden, sie hatte eine miesen Ruf in der Stadt. Immer weniger Schüler meldeten sich an. Es musste sich etwas ändern - und die Lehrer "wollten sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen", sagte Schulleiter Wilfried Kretschmer der "Süddeutschen Zeitung". Schulleitung, Lehrer, die Universität Hildesheim und Firmen aus dem Ort entwickelten neue Ideen für die Schule und den Unterricht - mit Erfolg: Die Anmeldezahlen haben sich bis heute verdreifacht. Die Schule setze Maßstäbe bei der Ausgestaltung als Ganztagsschule, hieß es in der Begründung der Jury des Schulpreises.

  • Montessori-Oberschule Potsdam
    Um an dieser Schule lernen zu dürfen, nehmen viele Schüler einen langen Weg auf sich. Sie kommen aus der Stadt und dem Umland von Potsdam - und sogar aus Berlin-Mitte. Unternehmerin Jette Joop sagte laut einer vorab verbreiteten Laudatio, die Schule sei eine "Reformschule mit überregionaler Ausstrahlung".

  • Carl-von-Linné-Förderschule Berlin
    Sie ist eine der größten Förderschulen in Deutschland - in den Anfangsklassen lernen die Schüler hier ohne Stundentakt. Der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) sagte, mit der Auszeichnung gehöre "die Carl-von-Linné-Schule zu den besten Deutschlands". Gerade in dieser Schule zeige sich, wie erfolgreiche Arbeit auf Zusammenarbeit und Engagement der Lehrer, der Sozialpädagogen und der Eltern fuße.

  • Helene-Lange-Schule Wiesbaden
    Vor zwei Jahrzehnten änderte die Schule ihr pädagogisches Konzept komplett: Die Schüler sollten durch Projektarbeit, eigene Theaterproduktionen und viel Arbeit an und in der Schule zum Lernen angespornt werden - die Schüler putzen zum Beispiel auch ihre Räume selbst. Die Ideen gingen auf die mittlerweile pensionierte Rektorin Enja Riegel zurück.

  • Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach/Baden-Württemberg
    2000 Schüler, 150 Lehrer - das größte Gymnasium in Baden-Württemberg. Größe ist oft ein Nachteil, aber in Marbach versucht Schulleiter Günter Offermann sie zu einem Vorteil zu wenden: Ein Mathe-Lehrer unterrichtet hier, wenn möglich, vier Parallelklassen auf einmal. Die bei der Vorbereitung eingesparte Zeit investiert die Schule in ein reichhaltiges Angebot, zum Beispiel in den Sprachen. In Marbach können die Schüler Italienisch, Spanisch und Chinesisch lernen. Und bald soll Arabisch hinzu kommen.

maf/dpa/AP

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