Bildung Zahl der Privatschulen steigt weiter

Der Trend hält an: Jahr für Jahr steigen die Schülerzahlen an Privatschulen. Bildungsforscher suchen noch nach Erklärungen für den Boom.

Der Anstieg seit den Neunzigerjahren ist gewaltig: Die Zahl der Privatschulen in Deutschland ist von 1992 bis 2017 um 81 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag  mit.

Demnach besucht mittlerweile jeder elfte Schüler eine Privatschule. Vor 25 Jahren waren es noch 4,8 Prozent. Der Anteil der Privatschulen an den allgemeinbildenden Schulen hat sich in der Zeit von 4,5 Prozent auf 11 Prozent erhöht.

In den vergangenen Jahren hat sich das Wachstum allerdings etwas verlangsamt. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Zahlen nur noch um 0,1 Prozentpunkte beim Schüleranteil und 0,2 Prozentpunkte beim Anteil der Schulen.

In den einzelnen Bundesländern gab es deutliche Unterschiede bei den Anteilen der Privatschüler. Die Spanne reichte demnach von 4,3 Prozent in Schleswig-Holstein bis zu 14,4 Prozent in Sachsen.

Erwartungen der Eltern

Bildungsforscher suchen noch immer nach den Ursachen für den Anstieg. Eltern verbänden bestimmte Erwartungen mit Privatschulen, sagt Christa Katharina Spieß vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW). Ob diese auch erfüllt würden, dazu gebe es bisher keine langfristigen repräsentativen Studien.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hatte zuletzt eine Studie in Auftrag gegeben, die die kognitiven Leistungen von Schülern an Privatschulen und öffentlichen Schulen verglichen hat. Dabei kam heraus, dass Schüler mit einem vergleichbaren sozialen Hintergrund ähnlich gute Ergebnisse erzielen. Privatschulen sind also nicht per se besser als öffentliche.

Allerdings erbringen Schüler auf Privatschulen insgesamt betrachtet bessere Leistungen. Das liegt an der Zusammensetzung der Schülerschaft: Der Anteil von Kindern aus bildungsnahen Familien ist an Privatschulen höher als an öffentlichen Schulen - und diese Gruppen sind generell leistungsstärker.

Offen bleibe damit Spieß zufolge, ob die Schüler langfristig nicht andere Vorteile oder auch Nachteile hätten, wie zum Beispiel beim Berufseinstieg oder bei der Lohnentwicklung. Hier fehle es noch an entsprechender Forschung.

Klar ist hingegen, dass Privatschulen das Problem der sozialen Spaltung verschärfen. DIW-Wissenschaftlerin Spieß hat gemeinsam mit zwei Kolleginnen im vergangenen Jahr auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels untersucht, aus welchen Elternhäusern die Privatschüler  vornehmlich kommen.

Viele Privatschüler aus Akademikerhaushalten

Demnach spielt die Bildung der Eltern sowohl in west- als auch in ostdeutschen Bundesländern eine immer größere Rolle für die Privatschulnutzung. In Ostdeutschland gehen gut 23 Prozent aller Schüler aus Akademikerelternhäusern auf eine Privatschule, in Westdeutschland sind es knapp 17 Prozent.

Privatschüler sind auch finanziell bessergestellt. Aus der Spieß-Studie geht hervor, dass sie deutlich häufiger in Haushalten mit hohen Einkommen leben als Schüler an öffentlichen Schulen. In Ostdeutschland ist der Unterschied demnach besonders groß: Nur fünf Prozent der Familien von Privatschülern sind auf staatliche Unterstützung wie Hartz IV angewiesen. Bei den Schülern an öffentlichen Schulen sind es 20 Prozent.

Aus diesen Daten lässt sich aber nicht pauschal schlussfolgern, dass diese Eltern ihre Kinder durch den Privatschulbesuch generell abgrenzen wollen. Denn in ländlichen Regionen Ostdeutschlands gibt es einen Versorgungsengpass. Hier kompensierten die Privatschulen laut Spieß teilweise das Problem, dass öffentliche Schulen zu weit vom Wohnort entfernt seien.

Die Bildungsforscherin relativiert zudem: "Es gibt viele andere Baustellen der Segregation." Immerhin gehen noch fast 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler auf öffentliche Schulen. Wolle man sich des Problems der sozialen Spaltung annehmen, zählten auch noch andere Punkte im Bildungsbereich. Spieß forscht aus diesem Grund nicht nur zu Privatschulen, sondern auch zu Kitas oder der Frage, wer Nachhilfeunterricht nimmt.

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