Protestierende Lehrer Schulstreit in Sachsen

In Sachsens Klassenzimmern lichten sich, wie in anderen Ost-Bundesländern auch, die Sitzreihen. Die Landesregierung will wegen des Schülerschwundes die Zahl der Lehrerstellen reduzieren - die Pädagogen sind erzürnt.


Lehrer vor Schulklasse: Schwund in den Klassenzimmern
DPA

Lehrer vor Schulklasse: Schwund in den Klassenzimmern

Sachsens Kultusminister Steffen Flath (CDU) hat derzeit keinen leichten Job: Die Schülerzahlen im Land gehen zurück, Schulen sollen geschlossen werden. Deshalb hält die sächsische Landesregierung auch eine Anpassung der Lehrerstellen für erforderlich: Bis zum Jahr 2009 sollen insgesamt 7.500 Lehrerstellen im Freistaat gestrichen werden, außerdem werden Teilzeitverträge angestrebt.

Über diese heiklen Punkte ist die Landesregierung derzeit mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und den sächsischen Lehrerverbänden in Tarifverhandlungen getreten. Und die können bekanntlich Zähne zeigen, wenn es darum geht, die eigenen Interessen zu verteidigen.

Zum Auftakt der Tarifverhandlungen trommelten die Lehrervertreter mehr als 15.000 Lehrer zu einer Großdemonstration in Dresden zusammen. Sie machten ihrem Unmut über den geplanten Abbau von Lehrerstellen und die Schulschließungen Luft. Die GEW bezweifelt, dass eine solch drastische Reduzierung der Lehrerstellen erforderlich ist. Sie will nach Angaben der GEW-Landesvorsitzenden Sabine Gerold erreichen, dass nur halb so viele Stellen abgebaut werden.

"Zu wenig Kinder"

Kultusminister Flath erntete auf einer Diskussionsveranstaltung Buh-Rufe, als er sagte, Sachsen habe nicht zu viele Lehrer, sondern zu wenig Kinder.

Grafik: Deutschlands Lehrer
DER SPIEGEL

Grafik: Deutschlands Lehrer

Das Bundesland kämpft, wie andere ostdeutsche Staaten auch, mit kontinuierlich sinkenden Schülerzahlen. Das Statistische Bundesamt teilte kürzlich mit, dass der Schwund in den neuen Ländern und Berlin sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr betrage. Zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung sind nach Angaben der Statistiker aber auch die Zahlen in den westlichen Bundesländern rückläufig.

Die Tarifverhandlungen in Sachsen wurden durch die Proteste am Donnerstag unterbrochen und ohne Ergebnis vertagt. In der ersten Runde stritten Land und Arbeitnehmervertreter über Bevölkerungs- und Schülerprognosen. Am 13. und am 19. April sollen die Parteien wieder zusammenkommen, sagte der Sprecher des Kultusministeriums, Dirk Reelfs, am Freitag.

Nach Angaben des Kultusministeriums lehren an Sachsens Schulen derzeit rund 33.400 Lehrer, davon ungefähr 10.500 an Mittelschulen und 7800 an Gymnasien.

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