Prozess in England Lehrer prügelte Schüler fast tot

Seine Tat schockiert Großbritannien: Ein Lehrer schlug mit einem drei Kilo schweren Gewicht auf einen Schüler ein und verletzte den 14-Jährigen schwer. Noch kurz zuvor hatte der Lehrer eine Auszeit genommen, er litt unter Stress und Depressionen. Nun steht er vor Gericht.


Als die Sanitäter gegen 11 Uhr eintrafen, lag der 14-jährige Schüler auf dem Boden in einer Lache aus Blut, ohnmächtig. Der Schädel war gebrochen, er hatte Hirnblutungen. Gleich war klar: Etwas Grausames musste sich abgespielt haben an der All Saints Roman Catholic School in Mansfield, einer Stadt mit knapp 70.000 Einwohnern zwischen Nottingham und Sheffield.

Es war im Juli 2009, als der Lehrer Peter H. durchdrehte. Seit Montag steht er nun vor Gericht. Was er damals tat, schockiert Großbritannien.

Mit einem drei Kilo schweren Gewicht, das im Unterricht für Experimente eingesetzt wird, schlug H. auf den am Boden liegenden Schüler ein und traf ihn mit mindestens zwei Hieben am Kopf. Berichte von Mitschüler zeichnen das Bild eines Blutrauschs: "Stirb, stirb, stirb", habe der Lehrer geschrien.

Seit 16 Jahren unterrichtete der heute 49-jährige Familienvater an der katholischen Schule. Ein halbes Jahr vor der Gewalttat attestierte ein Arzt ihm Stress und Depressionen. Der an der Schule beliebte Pädagoge ließ sich vom Dienst befreien. Laut "Times" soll er einem Kollegen erzählt haben, es könne sein, dass er sonst jemand Schaden zufüge.

Die Schüler provozierten, Peter H. drehte durch

Doch nach einer Auszeit von etwa fünf Monaten kehrte er im April 2009 an die Schule zurück. Die Symptome schienen unter Kontrolle. Der Lehrer wirkte "glücklich und gesund", sagte Staatsanwalt Stuart Rafferty zum Prozessauftakt in Nottingham.

Nur wenige Wochen später drehte Peter H. durch.

Auslöser waren wohl Provokationen durch Schüler. Was in der Klasse geschah, schildert die Staatsanwaltschaft so: Eine verhaltensauffällige Schülerin brachte die Jalousien in Unordnung. H. zerrte sie vom Fenster weg und trat ihr gegen das Bein. Das Mädchen verließ mit Tränen in den Augen den Raum, so der Staatsanwalt.

Ein Schüler bezeichnete den Lehrer daraufhin als "Psycho". Das hielt eine Schülerin in einem Handy-Video fest. Im Klassenzimmer entstand Tumult. Das spätere Opfer schnappte sich ein Holzlineal und begann damit zu fuchteln wie bei einem Schwertkampf, nahm sich dann den Metallständer eines Bunsenbrenners und schwenkte ihn herum.

"Ich habe den Jungen getötet"

Das war zu viel für Peter H. Er packte den Jungen - so beschreibt es die Staatsanwaltschaft weiter - am Kragen, schleifte ihn über den Flur und verschwand mit ihm in einem Vorbereitungsraum, wo er mit dem Gewicht auf ihn einprügelte. Eine Überwachungskamera der Schule dokumentierte die Szene auf dem Flur und zeigte den Lehrer, wie er wenig später mit geballten Fäusten den Vorbereitungsraum wieder verließ.

Man fand Peter H. in einem Klassenzimmer, gestresst, mit zusammengekniffenen Augen. Auf dem Weg ins Büro des Direktors sagte er laut "Times" wiederholt: "Ich habe den Jungen getötet." Später bei einer Vernehmung durch die Polizei soll der Angeklagte seinen damaligen Zustand beschrieben haben: "Ich fühlte mich, als wäre ich gar nicht da. Es war so, als würde ich fernsehen."

Vor Gericht gestand der Lehrer schwere Körperverletzung, stritt aber sowohl den Vorsatz als auch den versuchten Mord ab. Das Urteil steht noch aus.

kfr

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