Prüde US-Schule Küssen verboten

Eine kalifornische Schule verhängt eine totale Kontaktsperre, Schüler dürfen einander nicht mehr berühren. Die neue Regel sollte Prügeleien verhindern, stiftet aber viel Verwirrung - denn Händchenhalten und Umarmungen sind jetzt auch tabu.


Es gibt nur eine öffentliche Mittelschule in Culver City, die alle Jugendlichen zwischen zwölf und 15 Jahren besuchen. Die ersten haben schon einen Freund oder eine Freundin und halten schüchtern beim Mittagessen in der Kantine Händchen. Doch bald könnte das Zurschaustellen von Zuneigung auf dem Schulhof von Culver City Probleme bereiten.

Kuschelalarm: Keine Küsse - man weiß ja, wohin das führt
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Eine neue Regel der Schule verbietet den Schülern nämlich, Händchen zu halten oder sich gar zu küssen, wie die Zeitung "L.A. Times" berichtet. Die "No contact"-Vorschrift soll eigentlich dafür sorgen, dass sich Klassenkameraden nicht prügeln, schlagen oder schubsen. Sie ist Teil eines landesweiten Programms gegen Gewalt und sexuelle Belästigungen.

Doch die Culver Middle School meinte es etwas zu gut und untersagte gleich jegliche Berührung untereinander, so die "L.A. Times". Mancher soll gar schon verhaftet worden sein, weil er immer wieder Mitschüler umarmte.

Gewalt an amerikanischen Schulen ist ein Problem, das Bildungspolitiker nach immer neuen Lösungsansätzen suchen lässt. In Connecticut etwa stehen neuerdings Polizeibeamte auf Schulhöfen zweier Highschools in Hartford und verteilen Strafzettel über mehr als 100 Dollar an fluchende Schüler. So weit geht man in Culver City nicht. Aber wer hier das ungeschriebene "No Contact"-Gesetz bricht, muss mit Verwarnungen oder einem Brief nach Hause rechnen.

Sexualkontakte durch Händchenhalten?

Schulleiter Jerry Kosch spricht gegenüber der "L.A. Times" von ersten Erfolgen der neuen Vorschriften. Es passierten merklich weniger Prügeleien und Belästigungen unter den 1739 Schülern. Allerdings berichteten offenbar einige Schüler, dass sich die Gewaltausbrüche nun vor den Schulhoftoren abspielten.

Die "No contact"-Regel mag gut gemeint sein, doch Jerry Kosch fällt gleich mit der Tür ins Haus - und verbreitet Schrecken auch unter allen, die bloß kuscheln wollen. Verwirrung herrscht nämlich unter den Schülern, wie die Vorschrift zu interpretieren ist, die sie nirgendwo nachlesen können.

Einige haben Angst, ihre Freunde zur Begrüßung zu umarmen, andere wollen gehört haben, dass Körperkontakt innerhalb gleichgeschlechtlicher Freundschaften okay sei. Was allerdings bei einem Kuss von zwei frisch Verliebten passiert, ist unklar. Denn schon wenn Freund und Freundin Händchen halten, gehe das zu weit, sagte ein Assistent der Schulleitung der kalifornischen Tageszeitung.

"Erst halten sie Händchen, bald findet man sie küssend auf dem Rasen wieder", erklärte dort auch Schulleiter Jerry Kosch - und was dann passiere, könne man sich denken. Deswegen wolle er keine intimen Kontakte dulden, schließlich wüssten selbst die Eltern oft nicht, was ihre Kinder in der Schule so anstellten.



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