Quereinsteiger als Lehrer Via Express-Studium ins Klassenzimmer

Weil die Länder verzweifelt nach Lehrern fahnden, setzen sie auf neue Konzepte: Nordrhein-Westfalen will den lädierten Ruf der Lehrer mit einer Imagekampagne aufpolieren, Niedersachsen plant die pädagogische Schnellbesohlung per Turbo-Studiengang.


Lehrer verzweifelt gesucht: Die Länder plagen massive Nachwuchssorgen
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Lehrer verzweifelt gesucht: Die Länder plagen massive Nachwuchssorgen

Zum Wintersemester richtet das Land Niedersachsen einen bundesweit bislang einzigartigen Schnellstudiengang für Quereinsteiger in den Lehrerberuf ein. In nur einem Jahr können Hochschulabsolventen mit Magister- oder Diplomabschluss sich nachqualifizieren lassen - eine Reaktion auf die hohe Nachfrage nach Lehrern in den kommenden Jahren.

Die Teilnehmer des Express-Studiums erwerben den Hochschulgrad "Master of Arts". Damit können sie in das Referendariat, den Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Gymnasien, einsteigen, wie die niedersächsische Kultusministerin Renate Jürgens-Pieper mitteilte. Bedarf bestehe vor allem in den Fächern Physik, Chemie und Mathematik, aber auch in Latein, evangelischer Religion und Spanisch. In diesem Jahr haben sich in Niedersachsen bereits 500 Quereinsteiger für eine Lehramtstelle beworben.

"Menschen mit Klasse"

Unterdessen sieht die nordrhein-westfälische Schulministerin Gabriele Behler die Lage nicht ganz so dramatisch. Generell seien Lehrer derzeit noch keine Mangelware. "Aber sie könnten es werden, wenn es nicht gelingt, das öffentliche Meinungsklima zu beeinflussen", befürchtet Behler. Schon im gerade angelaufenen Schuljahr gebe es Probleme, alle freien Stellen zu besetzen, vor allem an den Hauptschulen.

Nordrhein-Westfalen startet nun eine Informations- und Werbekampagne für den Lehrerberuf. Bis zu den Herbstferien sollen mit Plakaten, Anzeigen und Werbespots Botschaften wie "Menschen mit Klasse. Lehrer in NRW" oder "Lehrer. Mehr als nur ein Job" verbreitet werden.

Damit will Behler den lädierten Ruf der Lehrer aufpolieren. Denn eine Studie der Universität München zum Beispiel habe gezeigt, dass Lehrer für über zwei Drittel der zumeist jugendlichen Befragten kein erstrebenswerter Beruf mehr sei - obwohl Pädagogen das Vorurteil anhafte, zu viel Ferien oder gar nur einen "gut bezahlten Halbtagsjob" zu haben. Dabei sei die Tätigkeit "anspruchsvoll und gesellschaftlich wertvoll", sagte die Ministerin, selbst ehemalige Lehrerin, "ich kann gutes Gewissens für diesen Beruf werben".

Knapp eine Million Mark lässt das Land sich die Kampagne kosten, die für ein "realistischeres Lehrerbild in unserer Gesellschaft" sorgen soll. Eine Abwerbung von Lehrern aus anderen Bundesländern komme für Nordrhein-Westfalen nicht in Frage, betonte Behler. Mit einer solchen Aktion hatte Hessen sich Anfang des Jahres den Groll anderer Länder zugezogen.



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