Fastende Schüler im Ramadan Zu schwach für den Unterricht

Tagsüber keine Getränke und keine Nahrung - so schreibt es der Koran für den Fastenmonat Ramadan vor. Doch Lehrer warnen: Fastende Schüler könnten zu schwach für Unterricht und Klassenarbeiten sein.

Muslimische Schülerin mit Kopftuch im Unterricht (Archivbild)
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Muslimische Schülerin mit Kopftuch im Unterricht (Archivbild)

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Immer mehr Grundschullehrer sorgen sich um die Gesundheit muslimischer Kinder an ihren Schulen. Vermehrt nähmen auch schon Grundschüler am Fasten während des Ramadans teil, hat der Verband Bildung und Erziehung (VBE) festgestellt: Den ganzen Tag über verzichten diese Schüler auf Essen und Trinken.

"Wir haben dazu allein in Nordrhein-Westfalen in den letzten Tagen rund 20 Anfragen bekommen", sagt VBE-Vorsitzender Udo Beckmann. Auch in anderen Bundesländern sei das Thema aktuell, weil der Fastenmonat in diesem Jahr in den Sommer falle. Viele Lehrer wüssten nicht, wie sie mit den Folgen umgehen sollen: Die fastenden Kinder seien, besonders bei steigenden Temperaturen, zu erschöpft, um noch am Unterricht, an Klassenarbeiten oder an schulischen Veranstaltungen wie etwa einem Sportfest teilzunehmen.

Aus Versehen Wasser schlucken

Und auch ungewöhnliche Ansinnen erreichen die Lehrer: So beantragte ein Vater die Befreiung seines Kindes vom Schwimmunterricht - weil er fürchtete, das Kind könne Wasser schlucken und damit gegen die Ramadan-Regeln verstoßen.

"Wir respektieren die Ausübung religiöser Vorschriften. In der Regel gehen muslimische Eltern verantwortungsbewusst damit um. Es ist aber eine Grenze überschritten, wenn die Gesundheit der Kinder und der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule leiden", stellt Udo Beckmann klar. Das Argument zur Befreiung vom Schwimmunterricht "hätte bei mir wahrscheinlich nicht gefruchtet".

Eigentlich sind nach den Ramadan-Regeln Kinder unter zwölf Jahren ohnehin vom Fasten ausgenommen. Trotzdem nähmen immer mehr Grundschüler daran teil, sagt Beckmann. Zum Teil wollten die Kinder es den Erwachsenen von sich aus gleichtun, zum Teil gebe es aber auch Eltern, die Druck ausübten, dass sich insbesondere Jungen früh am Fasten beteiligen.

Notfalls einen Arzt alarmieren

"Rechtlich ist es den Schülerinnen und Schülern als Ausdruck ihrer Religionsausübungsfreiheit aus Art. 4 GG unbenommen, auch in der Schule zu fasten und auf Nahrung und Getränke zu verzichten", schreibt der VBE dazu in seiner Broschüre "Schule und Islam: Konflikte verstehen und lösen". Gleichwohl hätten Schülerinnen und Schüler auch im Ramadan "die Pflicht, daran mitzuarbeiten, dass die Aufgaben der Schule erfüllt und ihre Bildungsziele erreicht werden können".

Betroffenen Lehrern rät der VBE, die Eltern von Kindern, die sich trotz erkennbarer Erschöpfung weigern, zu essen oder zu trinken, zu benachrichtigen. Vermute ein Lehrer eine gesundheitliche Gefahr, sollte er außerdem einen Arzt alarmieren. Denn eins ist für Udo Beckmann klar: "Grundschüler sollten nicht am Ramadan-Fasten teilnehmen."



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